Drei Prozent der Fläche Bayerns für Windkraft geeignet
Windenergie
Windräder drehen sich nach Sonnenuntergang in einem Windpark.
Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Creußen – Nach Ansicht von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger erfüllen etwa drei Prozent der Landesfläche die Bedingungen für den Bau einer Windkraftanlage. «Aber dann muss eben noch vor Ort die Akzeptanz hergestellt werden», sagte der Freie-Wähler-Chef am Montag bei einem Ortstermin an einem Windrad in Creußen (Landkreis Bayreuth). Gleichwohl kritisierte Aiwanger Diskussionen auf bundespolitischer Ebene, wonach jedes Land künftig zwei Prozent ihrer Landesfläche für die Windenergie zur Verfügung stellen müsste. «Das ist mir zu schablonenhaft», sagte Aiwanger.

Nach Ansicht von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger erfüllen etwa drei Prozent der Landesfläche die Bedingungen für den Bau von Windkraftanlagen. «Aber dann muss eben noch vor Ort die Akzeptanz hergestellt werden», sagte der Freie-Wähler-Chef am Montag bei einem Ortstermin an einem Windrad in Creußen (Landkreis Bayreuth). Gleichwohl kritisierte Aiwanger Diskussionen auf bundespolitischer Ebene, wonach jedes Land künftig zwei Prozent ihrer Landesfläche für die Windenergie zur Verfügung stellen müsste. «Das ist mir zu schablonenhaft», sagte Aiwanger.

Unabhängig von der noch laufenden Debatte der möglichen neuen Bundesregierung präferiert Aiwanger einen pragmatischeren Ansatz, um der Windenergie neues Leben einzuhauchen. «Diskutiert ist genug und die Diskussion auf hoher theoretischer Ebene läuft immer mehr ins Leere», sagte er und schlug vor, in Bayerns Wäldern den Bau voranzutreiben. Die Zustimmung für die Windkraft nehme zu, «weil man ja auch die enorme Wirkung dieser neuen Windräder vor allem sieht».

Konkret rechnet Aiwanger hier mit rund 300 geeigneten Standorten, davon etwa Zweidrittel in Privatwäldern und ein Drittel in den Staatsforsten, auf denen bis zu fünf Anlagen «relativ ohne Problem» gebaut werden könnten. In Summe seien dies 500 bis 1000 neue Anlagen, die im Wald trotz ihrer Höhe von bis zu 250 Metern besser versteckt seien. Derzeit gebe es landesweit rund 1100 Windkraftanlagen.

Die für die Staatsforsten zuständige Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) zeigte sich zunächst wenig begeistert von Aiwangers Plänen. Sie warne davor, «die bayerischen Wälder unkontrolliert mit Windrädern voll zu pflastern», sagte sie laut Mitteilung. «Pauschale Ansätze, einfach möglichst viele Windräder in Bayerns Wäldern zu errichten, sind schöne Worte ohne wirkliche Lösung. Wer die heimischen Wälder dabei einfach hinter energiewirtschaftliche Interessen zurückstellt, opfert unsere Wälder und damit unsere Heimat.»

Für Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dürfen die Interessen des Arten- und Naturschutzes nicht gegen die des Klimaschutzes ausgespielt werden. Sollten sich jedoch «konkurrierende Interessen» gegenüberstehen, müsse am Ende der Klimaschutz Vorrang haben. Nur so könne es am Ende des Tages zu einem substanziellen Zubau an Windkraftanlagen kommen. Mit Blick auf die Staatsforsten betonte Glauber, der Freistaat müsse hier liefern.

Das Thema Windkraftausbau ist seit Jahren ein Dauerstreitthema in Bayern. Derzeit gilt in Bayern die sogenannte 10H-Regel für den Bau von Windrädern. Das heißt, die nächste Siedlung muss zehn Mal so weit entfernt sein, wie das Rad hoch ist. In der Folge ist der Ausbau im Land weitgehend zum Erliegen gekommen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte seinerseits vor Monaten bereits Lockerungen angekündigt. SPD und Grüne im Landtag bezweifelten, dass die Windenergie ohne ein Ende der 10-Regel ernsthaft wiederbelebt werden könne.

Aiwanger sieht in den Windrädern in den Wäldern eine echte Chance für die Energiewende: «37 Prozent der Landesfläche sind Wald, und wir müssen jetzt mehr Windkraft in Bayern realisieren.» Unabhängig von der Frage, ob die umstrittene 10h-Abstandsregel von der neuen Bundesregierung gekippt werde oder nicht, gehe es darum, Potenziale in den heimischen Wäldern zu beleuchten und zu realisieren.

Mehr Akzeptanz erhofft Aiwanger sich durch eine finanzielle Beteiligung der Kommunen und betroffenen Bürger an den Stromerlösen sowie durch Pachteinnahmen für die Waldbesitzer, die Flächen zur Verfügung stellen wollten. Auch für Tiere und Pflanzen seien die Anlagen eine gute Nachricht, da die Gebiete ökologisch aufgewertet würden. Anstelle von Baum-Monokulturen würden auf den etwa 50 mal 50 Meter großen Bauflächen Blumen und Disteln wachsen, die vielen Tieren wie Schmetterlingen als Lebensraum dienten. Die für die Windräder gefällten Bäume könnten zudem andernorts wieder aufgeforstet werden.

Die Koalition von CSU und Freien Wählern ringt aber seit Monaten um die Novelle ihres eigenen Klimaschutzgesetzes. Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP im Bund dürfte die Staatsregierung ihre Pläne für den Ausbau der erneuerbaren Energien daher noch in der Schublade lassen, bis die neue Koalition ihre Entscheidungen getroffen hat.

© dpa-infocom, dpa:211025-99-730188/3

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