«Loverboy»: Prozess um Zwangsprostitution gegen zwei Brüder
Justitia
Eine Figur der blinden Justitia.
Foto: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild
Düsseldorf/Regensburg – Vor dem Landgericht Düsseldorf müssen sich ab heute zwei Brüder (33 und 25 Jahre) unter anderem wegen Zwangsprostitution verantworten. Der 33-Jährige soll vor drei Jahren eine damals 18-jährige Berufsschülerin mit der «Loverboy»-Masche von Regensburg nach Düsseldorf gelockt und sie gewaltsam zur Prostitution und zum Gruppensex mit Freunden und Bekannten gezwungen haben.

Dazu soll der 33-Jährige laut Anklage die Instagram-Bekanntschaft aus Bayern aus vermeintlicher Liebe nach Düsseldorf gelockt und mit zum Teil massiver Gewalt in Deutschland zur Prostitution und im Libanon zum Gruppensex mit Freunden und Bekannten gezwungen haben. Sein Bruder soll geholfen haben. Verhandelt werden zahlreiche weitere Vorwürfe, darunter Drogenbesitz, Körperverletzung und versuchter Totschlag durch den Älteren. Das Verlesen der Anklagepunkte dauerte am Dienstag mehr als eine Stunde.

Es ist bereits der zweite Prozessanlauf. Der erste war nach über 80 Verhandlungstagen wegen krankheitsbedingten Unterbrechungen - darunter auch Corona-Fällen - im September abgebrochen werden. Für den Prozess sind bis Ende Februar noch 27 weitere Verhandlungstage angesetzt. Am Mittwoch sollen die ersten Zeugen gehört werden. Am Rande des Prozesses sagte der Verteidiger des 33-Jährigen bereits, der Vorwurf der Zwangsprostitution sei falsch.

Als «Loverboy-Methode» bezeichnen es Ermittler, wenn Frauen von Männern die große Liebe vorgespielt wird - um sie so in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen. In dieser Situation werden die Frauen von ihren vermeintlichen Liebhabern dann auf den Strich geschickt. «Solange die emotionale Abhängigkeit andauert, ist den Opfern meist nicht bewusst, dass eine Straftat der Zwangsprostitution vorliegt», so das Landeskriminalamt NRW.

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