"Brutale Morde"
So willkürlich ging der Täter von Würzburg vor
Kerzen und Blumen nahe des Tatorts in der Innenstadt. In Würzburg hat ein Mann wahllos Menschen mit einem Messer attackiert.
Mit Kerzen und Blumen gedenken die Würzburger nahe des Tatorts in der Innenstadt den Opfern des Amoklaufs.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Würzburg – Er erstach drei Menschen, zwei weitere schweben in Lebensgefahr: Die Polizei hat Details zum Täter von Würzburg bekannt gegeben. Er ist vorerst in Haft.

Um Punkt 17 Uhr fragte ein 24-jähriger Mann in einem Kaufhaus am Barbarossaplatz eine Verkäuferin nach Messern - kurze Zeit später nahm der Somalier ein Küchenmesser aus der Auslage, stach ohne Vorwarnung auf die Frau ein und tötete sie. Danach verletzte er zwei weitere Frauen ebenfalls mit dem Messer so schwer, dass sie noch am Tatort starben. Mindestens fünf weitere Menschen verletzte er in einer Bank und auf der Straße schwer. Zwei von ihnen schweben noch immer in Lebensgefahr. 

So schilderte der unterfränkische Polizeipräsident Gerhard Kallert am Samstagnachmittag die Tat vom Freitag in einer Pressekonferenz. 

Polizei nach zwei Minuten am Einsatzort 

Der Anruf in der Einsatzzentrale sei um 17.04 Uhr eingegangen, schon zwei Minuten später waren die ersten Polizisten am Einsatzort.

Dort hatten Passanten den Mann bereits verfolgt und in eine Gasse getrieben. In Videoclips im Internet ist zu sehen, wie mehrere Menschen versuchen, den Angreifer zu überwältigen: Ein Mann geht mit einem Besen auf den 24-Jährigen los, andere sind mit Stühlen in der Hand zu sehen. 

Die Polizisten wurden durch die Menschenansammlung darauf aufmerksam und übernahmen die Kontrolle über die Situation. 

„Der Täter hielt dabei das Messer in der Hand und bewegte sich auf die Beamten zu“, beschrieb Kallert die Situation. Deshalb habe ein Beamter den Somalier mit einem gezielten Schuss „flucht- und angriffsunfähig gemacht“. Der Polizist durchschoss den Oberschenkel des mutmaßlichen Täters.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete die Tat des Somaliers als "brutale Morde".  Das Vorgehen der Beamten beschrieb er als „bilderbuchmäßig“. 

300 Beamte in den Straßen von Würzburg 

Herrmann dankte nicht nur den Polizisten, sondern auch den acht Notärzten und zahlreichen Sanitätern, die weitere Verletzte behandelten und in umliegende Kliniken brachten. 

Joachim Herrmann
Schließt einen islamistischen Anschlag nicht aus: Joachim Hermann, Innenminister von Bayern. Er bezeichnete die Tat als "brutale Morde".
Foto: Daniel Karmann/dpa

Auch Beamte von Kriminalpolizei und Landeskriminalamt eilten nach Würzburg. Dort hatte die Polizei bereits den Einsatzort abgesperrt, der Verkehr kam teilweise zum Erliegen. Das Polizeipräsidium Unterfranken übernahm die Einsatzleitung.

Die ganze Nacht lang waren rund 300 Einsatzkräfte in Würzburg unterwegs - obwohl es keine Anzeichen für eine weitere Gefahr für die Bevölkerung gab. Weil der Hubschrauber, der über der Stadt kreiste, für Unruhe in der Bevölkerung hätte sorgen können, teilte die Polizei auf Twitter mit, dass der Hubschrauber die Ermittlungen unterstütze. 

Rettungskräfte stehen in der Innenstadt.
Zahlreiche Rettungskräfte eilten am Freitag in die Würzburger Innenstadt, um Verletzte zu versorgen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Täter wurde nach dem Schuss in den Oberschenkel medizinisch versorgt. Nach der Identifizierung des 24-Jährigen, der sich in einem laufenden Asylverfahren legal in Deutschland aufhält, durchsuchte die Polizei auch seine Wohnräume - er lebt in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg und ist seit 2015 in Deutschland.

Wer ist der Täter?

Wolfgang Gründler, der zuständige Generalstaatsanwalt aus Bamberg, beschrieb den Täter im Bezug auf Straftaten als „nicht vorbelastet“. Allerdings habe er im Jahr 2021 mehrfach Verhaltensauffälligkeiten festgestellt. So sei er im Januar 2021 mit Mitbewohnern und Verwaltern des Obdachlosenheims in Streit geraten und habe nach einem Küchenmesser gegriffen. Zu einem Angriff sei es aber nicht gekommen. Nach diesem Vorfall wurde der 24-Jährige in eine Psychiatrie eingewiesen. 

Im Janar 2021 habe die Polizei erfahren, dass der Mann angeblich behauptet haben soll, er habe als Zwölfjähriger in Somalia Straftaten begangen. Das sei nicht mehr nachprüfbar gewesen und hätte aufgrund des Alters auch nicht  strafrechtlich verfolgt werden können, sagte Gründler.

Im Juni dieses Jahres habe der Täter erneut psychische Auffälligkeiten gezeigt, als er einen Verkehrsteilnehmer belästigt habe. Auch danach wurde der 24-Jährige in eine Psychiatrie eingewiesen, aber tags darauf wieder entlassen - „wegen fehlenden Behandlungsbedarfs“, sagte der Generalstaatsanwalt. 

Haftbefehl wegen dreifachen Mordes

Ein Ermittlungsrichter hat gegen den 24-Jährigen wegen vollendeten Mordes in drei Fällen, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs Fällen sowie vorsätzlicher Körperverletzung einem weiteren Fall Haftbefehl erlassen. Das teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Frank Gosselke mit. Der mutmaßliche Täter sitzt nun in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt. 

Polizisten und Rettungskräfte an der Würzburger Juliuspromenade
Polizisten und Rettungskräfte sorgten an der Würzburger Juliuspromenade für die Sicherheit der Bevölkerung.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Bluttat am Samstag als Amoklauf. Bei der Frage nach dem Motiv bleiben Polizei und Staatsanwaltschaft noch vorsichtig: Zwar habe der Somalier „Allahu Akbar“ gerufen - allerdings müsse bedacht werden, dass der Täter kurz vor der Tat noch in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. 

Der Amoklauf treffe „die Stadt und mich persönlich mitten ins Herz“, sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Er warnte davor, nun Rückschlüsse von dem 24-Jährigen auf andere Somalier in der Stadt zu ziehen. „Das war ein Einzeltäter“ betonte er.  „Meine Sorge gilt, neben den Angehörigen, auch den Frieden in unserer Stadtgesellschaft zu bewahren.“

Pressekonferenz zu Messerattacke in Würzburger Innenstadt
Christian Schuchardt (CDU), Oberbürgermeister von Würzburg, sorgt sich um den Frieden in seiner Stadt.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Erinnerungen an 2016

Die Tat erinnert an einen islamistischen Anschlag vor knapp fünf Jahren in Würzburg. Am 18. Juli 2016 waren in einem Zug vier Menschen schwer verletzt worden. Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling hatte mit einer Axt und einem Messer in einem Regionalzug auf dem Weg nach Würzburg die Reisenden angegriffen. Anschließend flüchtete er zu Fuß, attackierte eine Spaziergängerin und wurde schließlich von Polizisten erschossen.

So reagierten Politiker auf die Tat von Würzburg

In Würzburg herrschten nach der Tat Entsetzen und Fassungslosigkeit. Menschen stellten in der Nähe des Tatorts brennende Kerzen in Gedenken an die Opfer auf. Ministerpräsident Söder kündigte für Bayern eine dreitägige Trauerbeflaggung an. «Die Ereignisse sind unfassbar und schockierend», sagte er in Nürnberg. Bayern trauere um die Opfer. «Wir bangen, beten und hoffen mit den Verletzten und den Angehörigen.» 

Besonders dankte Söder den Bürgern, die am Freitag versucht hätten, den Täter zu stellen und in Schach zu halten: «Das war ein ganz beeindruckendes Engagement. Dies habe möglicherweise dann auch dazu beigetragen, weitere Opfer zu verhindern, sagte Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU).

CDU-Chef Armin Laschet schrieb auf Twitter, er fühle besonders mit den Familien der Toten mit und hoffe auf eine baldige Genesung der Verletzten. «Mein großer Respekt gilt den mutigen Bürgern, die schnell eingeschritten sind.»

In den Blickpunkt der Politik gerieten vor allem die Passanten, die sich dem Angreifer in den Weg stellten. Dank kam unter anderem von vielen Politikern.

Dank kam auch von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger oder dem FDP-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Martin Hagen, der twitterte: «Großen Respekt an die couragierten Bürger, die sich dem Täter in den Weg gestellt und verhindert haben, dass noch mehr Menschen zu Schaden kommen.»

FDP-Chef Christian Lindner und die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock von den Grünen gedachten zudem der Opfer und ihrer Angehörigen. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans bezeichnete die Tat auf Twitter als sinnlos und abscheulich. Den Opfern und ihren Angehörigen gelte sein tiefes Mitgefühl.

Dieser Artikel wird im Laufe des Wochenendes regelmäßig aktualisiert.