Corona
Bayern wählt Sonderweg für Gastronomie
Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) bei der Pressekonferenz nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts.
Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) bei der Pressekonferenz nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts.
Foto: Tobias Hase, dpa
München – Entgegen der Bundesvorgabe bleibt es in Bayern für Gaststätten nur bei 2G. Wie aber ist die Quarantäne jetzt geregelt und was gilt aktuell?

Bayern verzichtet – zumindest vorerst – entgegen des jüngsten Bund-Länder-Beschlusses auf verschärfte Zugangsregeln für die Gastronomie: Im Freistaat dürfen Geimpfte und Genesene damit nach der 2G-Regel weiter auch ohne dritte Booster-Impfung oder aktuellen Schnelltest in Restaurants oder Cafés. Bund und Länder hatten vergangenen Freitag mehrheitlich eine Verschärfung mit der 2G-Plus-Regel beschlossen.

„Die Gastrobranche ist ohnehin schon stark eingeschränkt in Bayern“, erklärte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag den Sonderweg. Er verwies auf die seit Ende November geltende komplette Schließung von Bars, Kneipen und Clubs im Freistaat sowie auf die Sperrstunde für Gaststätten ab 22 Uhr. In vielen anderen Bundesländern gibt es diese Einschränkungen nicht.

„Diese Maßnahmen haben gegriffen“, sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Deshalb könne man nun „Spielräume nutzen“ und von der bundesweiten Vorgabe abweichen. Holetschek machte nach der Kabinettssitzung am Dienstag allerdings deutlich, dass der Sonderweg bei stark steigenden Neuinfektionen enden könnte: „2G-Plus kann für die Gastronomie schon noch ein Thema werden.“

Weiter so: bis mindestens 9.Februar

Im Großen und Ganzen verlängerte die Regierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die zuletzt geltenden Corona-Regeln um knapp einen Monat bis zum 9. Februar. Änderungen gibt es nur im Detail: So wird die bisherige Ausnahmeregel für ungeimpfte Jugendliche unbefristet verlängert. Sie haben trotz 2G-Regel Zugang zu Gastronomie, Hotels, Sport und Musik.

Als „geboostert“ im Sinne der 2G-Plus-Regel gilt ab sofort neben dreifach Geimpften auch, wer nach einer vollständigen Grundimmunisierung eine Corona-Infektion überstanden hat. Ein aktueller Test ist dann - etwa beim Besuch von Kino, Theater oder Schwimmbad - nicht mehr nötig.

Zudem gilt diese Erleichterung nach der dritten Impfung sofort – und nicht wie bisher erst nach 14 Tagen. Wer gerade erst seine zweite Impfung hinter sich hat, braucht bei 2G-Plus in Bayern weiter zusätzlich einen Test.

Im Sinne der Bundesvorgaben lockert Bayern die Regeln für eine Corona-Quarantäne und Isolation: Sie dauert für Infizierte wie Kontaktpersonen künftig zehn statt 14 Tage. Nach sieben Tagen ist bei allen, bei denen in den letzten 48 Stunden keine Symptome vorlagen, eine „Freitestung“ mit PCR- oder Schnell-Test möglich.

Beschäftigte in Kliniken und Altenheimen brauchen zum Freitesten verpflichtend einen PCR-Test oder negative Schnelltests an fünf Folgetagen.

Schüler und Kita-Kinder können sich als Kontaktperson bereits nach fünf Tagen freitesten.

Wer geboostert ist, ist auch als enge Kontaktperson von der Quarantäne befreit. Die gilt auch für alle, die zweimal geimpft und dann genesen sind, oder aktuell die zweite Impfung erhalten haben.

Hotspot-Regel verlängert

Ebenfalls verlängert wurde die bayerische Hotspot-Regel, die ab einer regionalen Inzidenz von 1000 einen weitgehenden Landkreis-Lockdown vorschreibt. Die Staatsregierung wolle bis zur nächsten Woche allerdings die Schwellenwerte überarbeiten, kündigte Herrmann an: „Passt die Logik der Delta-Variante auf Omikron? Das ist die Kernfrage.“

Entscheidend für eine Verschärfung von Maßnahmen bleibe die Belastung der Kliniken und Intensivstationen. Wie sich diese bei Omikron in Bayern entwickelt, sei noch nicht klar absehbar, sagte Gesundheitsminister Holetschek am Dienstag.

Denkbar sei eine erhöhte Inzidenz-Schwelle für den Landkreis-Lockdown oder eine neue Corona-Ampel mit Blick auf die Krankenhäuser: „Denn der Flaschenhals bleibt die Intensivbetten-Kapazität in den Kliniken.“

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