Verfahren
Bataclan-Prozess beginnt in Paris
Eine Frau trauert nach dem Terrorattentat am Musikclub Bataclan in Paris.
Eine Frau trauert nach dem Terrorattentat am Musikclub Bataclan in Paris.
Foto: picture alliance, dpa, Archiv
Paris – Am Mittwoch beginnt das auf achteinhalb Monate angesetzte Verfahren gegen die mutmaßlichen Täter der Terroranschläge des 13. November 2015 in Paris.

Es ist der bisher größte Prozess in Frankreichs Geschichte. Polizisten und Gendarmen haben sich ab dem heutigen Mittwoch um den Pariser Justizpalast positioniert, um den Bereich um das historische Gebäude abzusichern. Im Inneren sitzen die Männer auf der Anklagebank, die an den Terroranschlägen des 13. November 2015 in Paris beteiligt waren – als Täter, Organisatoren oder Helfer.

Zumindest jene, die überlebt haben. Sie stellten Waffen, Autos oder Wohnungen zur Verfügung oder galten selbst als Kandidaten für Selbstmordattentate. Achteinhalb Monate wird der Prozess gegen sie dauern.

Gerichtssaal wurde extra errichtet

Der geräumige Saal mit dem Mobiliar aus hellem Holz innerhalb des Justizpalastes wurde extra zu diesem Anlass gebaut. 550 Menschen kann der Hauptsaal fassen, zugleich wird das Geschehen noch in mehrere weitere Säle übertragen.

Zum bisher 13. Mal wird ein Prozess in Frankreich für die Staatsarchive gefilmt. Die ersten zwei Tage sind allein dafür reserviert, alle Namen der 1765 Nebenkläger aufzurufen. Viele von ihnen sind Überlebende der Anschläge oder Hinterbliebene der Todesopfer.

Prominente Zeugen geladen

Erst ab Freitag geht es um das eigentliche Tatgeschehen. 140 Verhandlungstage sind angesetzt und die Urteile sollen Ende Mai fallen. Über 300 Anwälte sind anwesend. Auch prominente Zeugen wie der ehemalige Präsident François Hollande und Ex-Innenminister Bernard Cazeneuve werden aussagen.

Nicht nur die Nebenkläger, von denen rund 300 selbst Zeugenaussagen machen werden, beschäftigt und betrifft der Prozess. Sondern ganz Paris, ja das ganze Land.

Altersdurchschnitt der Opfer beträgt 35 Jahre

Es war schwer getroffen von diesem Freitag, dem 13., an dem insgesamt 130 Menschen ermordet und Hunderte verletzt wurden. Fröhliche Menschen, die eigentlich nur gemeinsam feiern, ausgehen, sich amüsieren wollten. Der Altersdurchschnitt der Todesopfer lag bei 35 Jahren.

Drei Mord-Kommandos waren an diesem Abend an verschiedenen Orten in Paris unterwegs. Vor dem Fußballstadion Stade de France im Vorort Saint-Denis, wo gerade ein Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland lief, wurde ein Passant von einem Selbstmordattentäter mit in den Tod gerissen.

39 Gäste auf den Terrassen von Pariser Cafés und Restaurants wurden erschossen.

Gleichzeitig richteten drei Attentäter in der Konzerthalle Bataclan ein Blutbad mit 90 Toten an.

Verantwortliches Terrornetzwerk trat vorher schon in Erscheinung

Bei den Verantwortlichen handelte es sich um ein umfassendes, von Brüssel aus operierendes Terrornetzwerk von Mitgliedern oder auch Führungsfiguren des selbst ernannten „Islamischen Staates“.  Auf ihr Konto gingen auch die Attentate auf den Flughafen und eine U-Bahn-Haltestelle am 22. März 2016 mit 32 Toten.

Kurz zuvor konnte in der belgischen Hauptstadt der Franko-Marokkaner Salah Abdeslam festgenommen werden. Als einziger des zehnköpfigen Mord-Kommandos von Paris hatte er überlebt, während sich sein Bruder Brahim vor einem Café in die Luft sprengte.

Nun gehört er, der bislang zu den Vorwürfen schwieg, zu den 20 angeklagten Männern. Aber er ist nicht der einzige, der in der ersten Front der Verantwortlichen steht. Unter ihnen ist auch Mohammed Bakkali, der als einer der Logistiker der Attentate gilt, ebenso wie der Schwede syrischer Herkunft Osama Krayem.

Zwölf der 20 Männer droht eine lebenslange Haftstrafe. Über sechs von ihnen wird in Abwesenheit gerichtet; von fünf der Angeklagten wird vermutet, dass sie inzwischen in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind.