Pandemie
Kein Lockdown mehr in Bayern
Auf einem Zettel an einer Scheibe von einem Café wird auf die Anwendung der verschärften „3G+ Regeln“.
Auf einem Zettel an einer Scheibe von einem Café wird auf die Anwendung der verschärften „3G+ Regeln“.
Foto: Matthias Balk, dpa
München – Neuinfektionen steigen in Bayern sprunghaft an, aber keine neuen Corona-Einschränkungen folgen: Nach den Ferien will die Staatsregierung entscheiden.

Trotz stark ansteigender Corona-Neuinfektionen in Bayern schließt die Staatsregierung einen neuen Lockdown in diesem Winter kategorisch aus: „Wir wollen auch keinen Lockdown für Ungeimpfte als theoretisch denkbare Maßnahme“, beteuerte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettsitzung in München. Bayernweit lag die Corona-Inzidenz am Dienstag bei den Ungeimpften knapp unter 300, bei Geimpften bei 33.

„Engpässe“ in Krankenhäusern

Zwar steht die bayerische „Krankenhaus-Ampel“ als Frühwarnsystem für mögliche neue Corona-Maßnahmen aktuell auf grün. „Doch der Trend geht stark nach oben, da dürfen wir uns nichts vormachen“, warnte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). In Südbayern gebe es in Krankenhäusern bereits erste „Engpässe“.

Am Dienstag waren deshalb die Landräte und Oberbürgermeister der zehn bayerischen Kreise und Städte mit den aktuell höchsten Corona-Zahlen im Kabinett zu Gast – alle liegen im Süden Bayerns.

Teilweise Schüler stark betroffen

Einen klaren Grund für die hohen Inzidenzen dort gebe es nicht, berichtete Herrmann: Teilweise seien Schülerinnen und Schüler stark betroffen, teilweise mittlere Altersgruppen. Meist könne die Ansteckung nicht zurückverfolgt werden.

„Interessant ist aber ein Zusammenhang zwischen einer regional niedrigen Impfquote und einem hohen Infektionsgeschehen“, sagt der Staatskanzleichef. So liege in manchen der betroffenen Landkreise die Impfquote klar unter 60 Prozent. Deutschlandweit sind gut 66 Prozent der Bevölkerung voll geimpft.

Auch die wichtige Zahl der mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegten Intensivbetten in Bayern stieg im Vergleich zur Vorwoche von 263 auf 352 stark an. Die Warnschwelle liegt hier bei 600.

Auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle im vergangenen Winter waren mehr als 800 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt gewesen. Diese Anzahl dürfe nicht mehr erreicht werden, „weil uns dafür schlicht das Pflegepersonal fehlt“, warnte Holetschek: „Viele Pflegekräfte verabschieden sich aus dem Beruf, weil sie nach eineinhalb Jahren Pandemie am Limit sind.“

Aktuell sieht die Staatsregierung noch keine Notwendigkeit für striktere Corona-Einschränkungen: Die gültige 14. Corona-Verordnung wurde unverändert bis zum 24. November verlängert. „Wir wollen die Lage zunächst weiter beobachten“, erklärte Herrmann. Nach den Allerheiligen-Ferien werde die Regierung dann aber „je nach Entwicklung der Lage Entscheidungen treffen“.

Maskenpflicht für Schüler „denkbar“

Was genau an neuen Vorgaben in Bayern denkbar ist, bleibt unklar: Holetschek hält etwa eine erneute Maskenpflicht für Schüler im Klassenzimmer für „denkbar“.

Herrmann sprach von strikteren Kontrollen der 3G-Regel in der Gastronomie. Angesprochen auf eine zwingende 3G-Regel auch am Arbeitsplatz wie in Italien oder eine Ausgangssperre nur für Ungeimpfte, wie in Österreich angekündigt, reagierte der Staatskanzlei-Chef zurückhaltend: Maßnahmen müssten immer durchsetzbar und kontrollierbar sein.

Kein Verständnis hat Herrmann angesichts der aktuellen Corona-Zahlen für die Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Ende November bundesweit die pandemische Notlage zu beenden. In jedem Fall müsse in Berlin eine bundesweite Regelung für weitere Corona-Einschränkungen geschaffen werden, forderte er: „Denn ohne klare Rechtsgrundlage würde uns der Bund quasi wehrlos alleine stehen lassen.“