Brauchtum
Keine Sommer-Wiesn - Ausschuss gegen Vorverlegung
Oktoberfest
Doch keine Hitze-Wiesn - das Fest findet Mitte September statt.
Foto: Tobias Hase/dpa
München – Das Volksfest wird nicht früher gefeiert. Die Idee war entstanden, um die Chancen zu erhöhen, dass das Fest trotz Corona stattfinden kann. Fürs Feiern im Herbst steht schon jetzt eine Voraussetzung fest.

Eine Vorverlegung des Oktoberfests auf den Sommer wegen Corona ist vom Tisch.

Das habe ein interfraktioneller Ausschuss aus Stadträten und Vertretern der Verwaltung am Freitag entschieden, sagte der Festleiter und Münchner Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. «Die Wiesn bleibt wo sie ist, wann sie und wie sie ist.» Unter anderem der Bayerische Rundfunk hatte über die Entscheidung berichtet.

Wie geplant am 17. September

Damit soll es wie geplant am 17. September «Ozapft is» heißen - sofern die Pandemie es zulässt. Die endgültige Entscheidung darüber soll laut Baumgärtner Anfang Mai fallen.

Im vergangenen Jahr war das größte Volksfest der Welt zum zweiten Mal in Folge wegen der Pandemie abgesagt worden. Rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt kamen vor Corona zu dem gut zweiwöchigen Volksfest nach München - Abstand halten ist in den oft brechend vollen Bierzelten unmöglich.

Schon jetzt sei klar, dass - sofern es dieses Jahr ein Oktoberfest gibt - nur Geimpfte und Genesene Zugang haben sollen, sagte Baumgärtner. Das habe der Ausschuss am Freitag unterstrichen. Experten befassen sich derzeit weiter damit, wie die Kontrollen konkret stattfinden könnten - etwa digital über eine App. Eine Wiesn light soll es aber nicht geben. «Wir planen keine Cabrio-Wiesn oder reduzierte Wiesn. Wir machen die Wiesn, wie wir sie immer schon hatten», sagte Baumgärtner.

Organisatorische Gründe gegen Vorverlegung

Gegen eine Verlegung der Wiesn sprachen vor allem organisatorische Gründe. Viele Vorbereitungen haben langen Vorlauf. Unter anderem läuft seit Jahreswechsel die Bewerbung von Wirten sowie Schaustellern und Marktkaufleuten, die auch auf anderen Volksfesten unterwegs sind und möglicherweise umplanen müssten. Zudem nehmen sich viele Helfer wie Bedienungen extra frei, um auf der Wiesn zu arbeiten - und könnten nicht so einfach zu einem anderen Termin kommen. Eine Verlegung berge somit die Gefahr, dass Arbeitskräfte fehlten.

Baumgärtner begrüßte die Entscheidung nun vor allem auch mit Blick auf die Tradition. «Eine Verlegung entzaubert die Wiesn und nimmt ihr den Charakter. Das ist nicht wie ein Popkonzert, das man einfach verschieben kann», sagte Baumgärtner. «Die Wiesn ist ein historisches Ereignis und solche historischen Ereignisse zu verschieben tu' ich mich persönlich schwer.»

Dennoch habe man die Verlegung geprüft, da viele ernsthaft den Wunsch dazu geäußert hätten. Beschicker hatten damit etwa die Hoffnung verbunden, dass die Wiesn überhaupt stattfinden kann.

Die Debatte lief seit einiger Zeit, weil im Sommer niedrigere Infektionszahlen zu erwarten sind. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte die Idee ins Spiel gebracht. Er sagte Anfang Januar, im Sommer sei die Corona-Lage deutlich entspannter. «Es ist deshalb ernsthaft zu überlegen, Feste mit größeren Menschenansammlungen mehr in den Sommer zu verlegen», sagte er damals der «Bild»-Zeitung.

Baumgärtner hatte sich zuletzt zurückhaltend geäußert, auch die Wiesnwirte zeigten sich skeptisch. Deren Sprecher Peter Inselkammer sagte Anfang Januar, er würde ein Oktoberfest zum geplanten Termin vom 17. September bis 3. Oktober bevorzugen, mit Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. «Schon von der Tradition her - es heißt ja Oktoberfest.»

© dpa-infocom, dpa:220114-99-714031/2

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