Bundestagswahl
Laschet stellt sein Schattenkabinett vor
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet (Mitte) präsentiert das „Zukunftsteam“ der Union (von links):  Andreas Jung,  Dorothee Bär (CSU),  Peter Neumann,  Karin Prien,  Barbara Klepsch,  Joe Chialo,  Silvia Breher und Friedrich Merz.
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet (Mitte) präsentiert das „Zukunftsteam“ der Union (von links): Andreas Jung, Dorothee Bär (CSU), Peter Neumann, Karin Prien, Barbara Klepsch, Joe Chialo, Silvia Breher und Friedrich Merz.
Foto: Christoph Soeder, DPA
Berlin – Mit einem Zukunftsteam will Unions-Kanzlerkandidat seinen Abstieg aufhalten. Die Besetzung führt zu Lästereien der Konkurrenz.

Vier Frauen, vier Männer – sie sollen es irgendwie schaffen, dass Armin Laschet doch noch der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird. „Experten statt Experimente“ hat die CDU als Parole über die Bühne gehängt. Nur einen dieser Experten kennt ganz Deutschland. Es ist Friedrich Merz – er soll im Zukunftsteam Laschets das Gesicht für Wirtschaft und Finanzen sein.

Laschet hat ihm das Wirtschaftsministerium versprochen, wenn er in die Lage kommt, eine Regierung zu bilden. „Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts“, zitiert Laschet die mythische CDU-Gestalt Ludwig Erhard, bevor er Merz am Freitag zu sich holt. In zwei Minuten spult Merz klassische Positionen der Union ab. Stabiler Euro, Rückkehr zur Schuldenbremse, keine Steuererhöhungen. „Dafür steht die Union. Dafür stehe auch ich ganz persönlich ein“, betont der 65-Jährige.

Er, der einstige Konkurrent Laschets und Liebling der Konservativen in der CDU, soll die Stammwählerinnen und Stammwähler mobilisieren, denen der Kanzlerkandidat nicht kernig genug erscheint. Beide Männer haben einen Pakt geschlossen, der den einen ins Kanzleramt und den anderen an die Spitze eines Ministeriums führen soll. Merz ist pragmatisch genug, selbst wenn er natürlich am liebsten selbst K-Kandidat geworden wäre. Doch bei dem Sauerländer schwingt auch immer die Gefahr mit, dass er der Welt einen knackigen Spruch zu viel zuteilwerden lässt oder schlicht seine eigene Linie durchzieht.

So lehnt er zum Beispiel den Klimazoll ab, den die EU-Kommission einzuführen gedenkt, um die europäische Industrie vor den Wettbewerbern zu schützen, die nicht so strenge Umweltauflagen erfüllen müssen. Merz sieht durch den Klimazoll deutsche Exporte bedroht und es gibt Handelsexperten, die das ähnlich bewerten. Nur steht der Klimazoll eben auch im Wahlprogramm der Union.

Neben dem früheren Fraktionschef ist die Digital-Staatsekretärin Doro Bär (CSU) die Einzige aus dem Zukunftsteam, die bundesweit noch halbwegs bekannt ist. „Ich habe Lust auf Zukunft“, sagt Bär. Sie will sich daran machen, dass der Staat endlich schneller und auf der Höhe der Zeit ankommt. Markenziehen in der Amtsstube soll der Vergangenheit angehören. Bär kümmert sich heute im Kanzleramt um dieses Thema – wie die Pandemie gezeigt hat, mit nicht gerade überwältigendem Erfolg.

In Berlin überrascht die Personalie deshalb – und weil eigentlich die CDU-Abgeordnete Nadine Schön als Laschets Favoritin für das Digitale gilt. Doch ohne eine Vertreterin der CSU hätte sich der Mannschaftskapitän den Vorwurf eingehandelt, nichts auf die kleine Schwesterpartei aus Bayern zu geben. Ironie dabei: Bär war eine der lautesten Trommlerinnen für CSU-Chef Markus Söder, als dieser mit Laschet um die Kanzlerkandidatur rang. Nun muss sie für Laschet trommeln, für den gerade keine Geigen im Himmel spielen.

Der neue ARD-Deutschlandtrend hat das Konrad-Adenauer-Haus deprimiert. CDU und CSU sind in allen Belangen unterlegen. Sie kommt nur noch auf 20 Prozent, die SPD auf 25 Prozent. Den Kanzlerkandidaten Laschet halten nur 14 Prozent für den Kompetentesten, den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz 55 Prozent. Dieser steht in der Rangfolge der beliebtesten Spitzenpolitiker auf Platz 2, direkt hinter Kanzlerin Angela Merkel. Armin Laschet erreicht lediglich Rang zehn.

Seine Schwäche versucht die Partei nun durch das Team in eine Stärke umzudeuten. Seht, der Armin ist mannschaftsdienlich und hat gute Leute um sich versammelt. Ob das in den verbleibenden drei Wochen, in denen sich noch einmal alles auf die Spitzenkandidaten fokussiert, genügt, um die Wende herbeizuführen, ist nicht ausgeschlossen, aber fraglich.

An seine Seite hat sich Laschet Mitstreiter und Mitstreiterinnen geholt, die überraschen und überzeugen können. Die quirlige Sozialpolitikerin Silvia Breher, die sich mit einem norddeutschen „Moin“ vorstellt. Der Berliner Musikmanager Joe Chialo („Kelly Family“, „Santiano“) soll Künstler und Kreative von der Union überzeugen. Er bewirbt sich in Berlin um ein Bundestagsmandat, als erster schwarzer Kandidat der CDU.

Sicherheitsexperte dabei

Mehr Sicherheit vor Terroristen soll der aus dem Fernsehen bekannte Sicherheitsexperte Peter R. Neumann vom Londoner King’s College bringen. Der aus Würzburg stammende Neumann wird oft interviewt, wenn Extremisten mit brutaler Gewalt zuschlagen. „Der erste Grund ist Armin Laschet“, begründet der Professor, warum er bei dem bisher glücklos agierenden CDU-Vorsitzenden mittut. Laschet höre zu und wisse nicht schon vorher vermeintlich über alles Bescheid.

Die Sorgen und Nöte des Ostens soll die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch aufnehmen, die Wut der von gestressten Familien mit Kindern die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien. Die Aufgabe, bei der Energiewende den Turbo zu zünden, ohne dass Arbeitsplätze verloren gehen, kommt Fraktionsvize Andreas Jung aus Konstanz zu.

Die Letzteren eint, dass sie für einen modernen Konservatismus stehen könnten. Doch die Zeit, seine Unterstützer bekannt zu machen, hat Laschet nicht mehr. Dazu müssten sie jetzt beinahe täglich im Fernsehen oder in der Zeitung auftauchen.

Bei der FDP, die Partner Nummer 1 der CDU für eine Regierung ist, sorgt das Aufgebot für Kopfschütteln. „Bisher dürfte dieses Team niemanden vom Hocker reißen, die meisten Persönlichkeiten sind dafür schlicht zu unbekannt“, sagte Fraktionsvize Michael Theurer dieser Redaktion. Dass Merz als Wirtschafts- und Finanzexperte eine führende Rolle spielen solle, sei schon vorher klar gewesen. Auffällig findet der Liberale, dass dem Team keine Minister von CDU und CSU angehören. „Verständlich angesichts von Personalien wie Andreas Scheuer und Anja Karliczek, aber auch peinlich für die Union“, moniert Theurer.

Armin Laschet will die Kritik nicht gelten lassen. Er freue sich auf die gegnerische Mannschaft der SPD. „Viele werden im Moment versteckt“, sagt er und meint damit Saskia Esken und Kevin Kühnert. Offen ist, ob Scholz ihm den Gefallen tut.

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