Corona
Maskenpflicht: Söder gegen schnelle Lockerung
Das Ostseebad Ostseebad auf der Insel Rügen. Soll die Maskenpflicht fallen? Darüber ist ein Disput entstanden.
Das Ostseebad Ostseebad auf der Insel Rügen. Soll die Maskenpflicht fallen? Darüber ist ein Disput entstanden.
Foto: Stefan Sauer, dpa
München – Gegenwind für Ministerpräsident Söder. Er will bei Lockerung der Maskenpflicht abwarten, aber Opposition und Teile seiner Regierung sehen das anders.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die Maskenpflicht in Bayern vorerst wohl nicht lockern: „Ich rate noch zur Zurückhaltung“, sagte er am Montag in München. Die jüngsten Öffnungsschritte lägen gerade mal gut eine Woche zurück. Zudem gebe es derzeit viele Partys überall im Land, nicht nur im Zusammenhang mit der Fußball-EM, warnte er: „Es ist noch nicht absehbar, wie das alles wirkt.“

Auch eine Lockerung der Maskenpflicht an Schulen sieht Söder skeptisch: Schule sei Pflicht und finde meist drinnen statt. Deshalb mache es gerade hier Sinn, länger an den Masken festzuhalten. Demgegenüber hatte Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bereits in der vergangenen Woche ein Ende des Mund-Nasen-Schutzes in den Klassenzimmern angemahnt.

Der Landkreis Rhön-Grabfeld hatte angesichts einer niedrigen Inzidenz vor Ort schon die Aufhebung der Maskenpflicht an den Grundschulen beantragt, scheiterte damit aber an der Regierung von Unterfranken.

Auch Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger plädiert für Lockerungen an den Schulen: „Wenn's 30 Grad hat und das Wasser unten raustropft, dann müssen wir doch am Sitzplatz die Masken wegbekommen“, verlangt er. Auf Nachfrage präzisierte der Wirtschaftsminister seine Forderung: Bei einer „Inzidenz unter 50“ müsste die Maskenpflicht in den Schulen schnellstmöglich fallen.

Inzidenz bei Jugendlichen doppelt so hoch

Ob bei der Kabinettssitzung am heutigen Dienstag Lockerungen beschlossen werden, scheint angesichts des Widerstands in der CSU fraglich: Man dürfe bei diesem Thema „nicht in einen Überbietungswettbewerb eintreten“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei „die Inzidenz noch immer sehr hoch“, mahnte er. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wies zuletzt bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren eine Inzidenz von 49 aus. Im Vergleich: Die Inzidenz aller Altersgruppen zusammen lag da bei 24.

Im Landtag steigt indes der politische Druck auf die Staatsregierung: Außer beim Einkaufen und im ÖPNV müsse die Maskenpflicht fallen, fordert etwa FDP-Fraktionschef Martin Hagen: „Wir sind nicht mehr in einer Phase, in der der Staat Masken vorschreiben sollte.“ Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, Julika Sandt, warf Söder Kaltherzigkeit vor. „Ministerpräsident Markus Söder ignoriert kaltherzig, was sich an diesen heißen Tagen bis zum späten Nachmittag in der Kinderbetreuung abspielt“, betonte sie. Der Maskenzwang für Kinder in Horten oder auf Schulhöfen müsse fallen.

SPD: Nicht mehr nur FFP2-Masken

SPD-Fraktionschef Florian von Brunn will zumindest die FFP2-Masken durch die leichtere OP-Masken ersetzen: „Das wäre für viele Menschen schon eine große Erleichterung.“

Zunächst könne die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt. In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und hoher Impfquote könne die Pflicht auch drinnen nach und nach entfallen. FDP und AfD hatten zuvor die komplette Aufhebung der Maskenpflicht gefordert.

Wissenschaftler skeptisch gegenüber Aufhebung der Maskenpflicht

Eine generelle Aufhebung der Maskenpflicht in Deutschland könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern ein Wiederaufflammen der Pandemie nach sich ziehen. „Wenn wir nach dem Wegfall der Testpflicht in vielen Situation nun auch noch die Maskenpflicht fallen lassen, sind wir im Grunde in einem ungestörten Leben wie vor der Pandemie“, sagte Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Das Virus aber sei noch da und wesentlich infektiöser durch Mutationen. „Warum soll die Pandemie dann nicht wiederkommen?“

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