Coronafolgen
Schule startet mit Maskenpflicht
In Bayern beginnt in der kommenden Woche, am 14. September, das neue Schuljahr.
In Bayern beginnt in der kommenden Woche, am 14. September, das neue Schuljahr.
Foto: Angelika Warmuth, dpa
München – „Mehr Normalität“ verspricht Schulminister Michael Piazolo zum Schulstart in Bayern. Dafür habe die Regierung ein dichtes Sicherheitsnetz geknüpft

Am Dienstag, 14. September, beginnt für rund 1,64 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern das neue Schuljahr – darunter rund 121 000 Schulanfänger. „Alle wünschen sich Präsenzunterricht, das ist auch meine oberste Maxime“, beteuert Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Die Staatsregierung habe „alles getan, um Präsenzunterricht möglich zu machen“. Was aber sagt der Minister zu den wichtigsten Fragen zum Schulstart?

1. Ist die Rückkehr in den Präsenzunterricht dauerhaft garantiert?

„Wir haben ein dichtes Sicherheitsnetz für die bayerischen Schulen geknüpft“, sagt Piazolo. Denn stabiler Unterricht im Klassenzimmer sei „auch ein pädagogisches Gebot“. Die wichtigste Änderung zum vergangenen Schuljahr: Präsenzunterricht ist ab sofort unabhängig von der regionalen Corona-Inzidenz geplant. Eine Präsenz-Garantie für das ganze Schuljahr will Piazolo dennoch nicht geben: Dafür sei Corona schlicht zu unberechenbar.

2. Welche Corona-Tests wird es an den Schulen geben?

Ab der zweiten Schulwoche sollen laut Piazolo rund 500 000 Grundschüler an gut 3000 Schulen zwei Mal pro Woche mit den sicheren PCR-Pooltests getestet werden. Das Ergebnis soll jeweils spätestens am nächsten Morgen allen Eltern digital vorliegen. Die Test-Organisation sei sehr komplex, deshalb werde man in der ersten Woche noch mit den bekannten Schnelltests beginnen, erklärt der Minister.

An weiterführenden Schulen soll künftig drei Mal pro Woche ein Schnelltest stattfinden. Voll geimpfte oder genesene Schüler sind davon ausgenommen. Schüler, die keinen negativen Testnachweis vorlegen können, dürfen weiter nicht am Unterricht teilnehmen. Die Schul-Tests gelten auch als 3G-Nachweis für Restaurants, Kinos oder Schwimmbäder. Zunächst bis Anfang Oktober gilt zudem ab Klasse 5 eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer.

3. Wie hoch ist zum Schulstart die Impfquote von Lehrern und Schülern?

Eigene Zahlen zur Impfquote bei Lehrern hat das Kultusministerium nicht. Erhebungen von Lehrerverbänden zeigen aber offenbar eine Impfquote von über 90 Prozent. Piazolo verweist zudem darauf, dass ungeimpfte Lehrer sich regelmäßig testen lassen müssen, um im Klassenzimmer unterrichten zu dürfen.Von den über zwölfjährigen Schülern sind laut Piazolo inzwischen mehr als 30 Prozent zumindest einmal geimpft. Möglichst alle Schulen in Bayern sollen zudem in den nächsten Wochen einfach zugängliche Impfangebote für ihre impffähigen Schüler organisieren. Eine Pflichtvorgabe gebe es hier zwar nicht, so Piazolo. Dies sei aber „der Wunsch und dringende Appell“ des Ministers an die Schulleiter.

4. Was ist aus dem Versprechen „Luftfilter für alle Klassenzimmer“ geworden?

Im Frühsommer hatte die Söder-Regierung für September einen Luftfilter für alle rund 75000 Klassenzimmer versprochen. Dieses Ziel wird offenbar weit verfehlt: Nach den Zahlen des Kultusministeriums wurden bislang rund 26 000 Luftfilter staatlich gefördert. Einige Klassenzimmer haben zudem fest installierte Belüftungsanlagen. Zum Schulbeginn wird damit wohl nur gut ein Drittel der Klassenzimmer Luftreiniger haben.

5. Müssen auch geimpfte Schüler bei einem Corona-Fall in der Schule in Quarantäne?

„Wir wollen Quarantäne mit Augenmaß und Sachverstand“, beteuert Piazolo. Neben dem Infizierten sollen deshalb möglichst nur Banknachbarn in Isolation, aus der man sich nach fünf Tagen freitesten kann. Geimpfte und genesene Schüler müssen nicht in Quarantäne. Allerdings soll die gesamte Klasse eine Woche lang jeden Tag getestet werden.

6. Gibt es genug Lehrer, um die Corona-Lücken der Schüler auszugleichen?

„Nie gab es in Bayern mehr Lehrkräfte als in diesem Schuljahr“, beteuert Piazolo. Insgesamt stünden rund 150 000 Lehrkräfte zur Verfügung. Der Freistaat hat laut Piazolo rund 1250 Lehrerstellen neu geschaffen. Rund 800 „Team-Lehrer“ werden als Corona-Verstärkung weiter beschäftigt. Die Zahl der Schul-Berater stieg um zehn Prozent auf rund 1800, dazu kommen etwa 970 Schulpsychologen. Für Brückenkurse und individuelle Förderung sei zusätzliches Geld vorhanden, beteuert Piazolo. Ein allzu enges Korsett will der Minister dafür aber nicht schnüren: „Ich habe hier großes Vertrauen in den pädagogischen Sachverstand unserer Lehrkräfte“, sagt er. Auch im neuen Schuljahr könnten jedoch zum Beispiel im Lehrplan Schwerpunkte gesetzt werden, „um zusätzliche Zeit für Vertiefung und Wiederholung zu gewinnen“.

Ausbauen will Piazolo den „Schwung der Digitalisierung“ in den Schulen . Dafür sollen neue pädagogische Konzepte entstehen und die technische Ausstattung weiter verbessert werden: „Die Schüler werden damit mehr als früher aktive Gestalter im Unterricht.“ Erste Pilotprojekte seien bereits geplant.