Bundestagswahl
Transfrau will als Tessa in den Bundestag
„Wer  Tessa  will, muss Ganserer wählen“ steht auf dem Wahlplakat der Grünen wie hier  in Nürnberg-Kraftshof.
„Wer Tessa will, muss Ganserer wählen“ steht auf dem Wahlplakat der Grünen wie hier in Nürnberg-Kraftshof.
Foto: Nikolas Pelke
Nürnberg – Die Transsexuelle Tessa Ganserer hätte gerne ohne den Ex-Männernamen in Nürnberg auf dem Stimmzettel gestanden. Doch ein Verfahren läuft noch.

Vorname Markus, Beruf Försterin: Den Wahlschein zur Bundestagswahl werden viele Nürnberger diesmal wohl zwei Mal lesen müssen, um ihren Augen trauen zu können. Weil der grüne Direktkandidat Markus Ganserer offiziell noch nicht Tessa Ganserer heißt, hat sich der Nürnberger Wahlleiter Wolf Schäfer dafür entschieden, den neuen Frauenvornamen hinter dem ehemaligen Männervornamen in Klammern zu setzen.

Schäfer habe diese Lösung gewählt, weil die offizielle Personenstandsveränderung von Mann zur Frau noch nicht abgeschlossen sei. Aufgrund der rigiden Vorgaben des Bundeswahlrechts müsse daher noch der alte Vorname auf dem Wahlzettel stehen.

Der neue Vorname könne bis zum Ende des Verfahrens nach dem Transsexuellengesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit daher nur in Klammern angegeben werden.

Explizit die weibliche Form

Das heißt im Klartext: Markus darf sich zwar Perücken aufsetzen und in Frauenkleider schlüpfen, aber nicht als Tessa auf dem Wahlschein stehen. Aber was ist mit der Berufsbezeichnung?

Wundern dürften sich einige Wähler am 26. September schon ein wenig, wenn im Wahlkreis mit der Nummer 244 im Nürnberger Norden hinter der Berufsbezeichnung von Direktkandidat Markus Ganserer (Tessa) mit „Försterin“ explizit die weibliche Form des Forstmannes anzukreuzen steht.

Laut dem Wahlkampfbüro von Tessa Ganserer falle die Berufsbezeichnung der Ingenieurin, die Wald- und Forstwirtschaft an der Fachhochschule in Weihenstephan (Freising) studiert hat, nicht unter die strittige Gesetzgebung. „

Tessa ist eine Frau, die im falschen Körper geboren ist“, bringt Paul Müller, Mitarbeiter im Wahlkampfbüro von Ganserer, die Gefühlslage der grünen Direktkandidatin auf den Punkt. Ganserer hoffe immer noch darauf, dass bis zur Stimmenabgabe im September vielleicht doch noch der „tote“ Männervorname vom Wahlzettel verschwindet. Auf den Wahlplakaten greift die Försterin die Namensfrage mit dem Slogan „Wer Tessa will, muss Ganserer wählen“ sogar bewusst auf.

Von den Grünen selbst eingereicht

Derweil weist der Sprecher der Stadt Nürnberg, Andreas Franke, ausdrücklich darauf hin, dass die Grünen selbst einen Kreiswahlvorschlag mit dem Namen „Markus (Tessa) Ganserer“ mit dem Beruf „Försterin, MdL“ eingereicht hätten. Im Wissen, dass Ganserer seit 2019 als Frau in Erscheinung tritt, habe der Kreiswahlausschuss den Kreiswahlvorschlag mit dieser Berufsbezeichnung laut Franke einstimmig zugelassen. „Das war keine Entscheidung des Wahlleiters“, erklärt Andreas Franke auf Anfrage weiter.

Derweil hat Tessa (Markus) Ganserer bereits angekündigt, für die Abschaffung der ihrer Meinung nach erniedrigenden Prozedur zur Personenstandsänderung aus dem Transsexuellengesetz an der Spree politisch kämpfen zu wollen. Derzeit müssten teure Gutachter bezahlt und ein transsexueller Lebenslauf beim zuständigen Amtsgericht vorgelegt werden, um Vornamen und Geschlecht im Pass ändern zu können.

Die Konkurrenten

Die anderen der insgesamt 23 Direktkandidaten, die sich in den beiden Nürnberger Wahlkreisen im Norden und Süden der Frankenmetropole um ein direktes Mandat für den Bundestag bemühen, sorgen mit Namensfragen und Berufsbezeichnungen weniger für Aufsehen.

Im Süden will Rechtsanwalt Michael Frieser für die CSU erneut das Direktmandant gewinnen. Herausgefordert wird Frieser von Erziehern wie Thomas Grämmer (SPD) und Sonja Mack (Freie Wähler) oder dem Fachinformatiker Marco Ramon Preißinger (FDP) und neben vielen anderen auch Sportjournalist Sascha Müller (Grüne).

Im Norden will Steuerberater Sebastian Brehm (CSU) der Wahlkreisabgeordnete bleiben und muss sich neben Försterin Markus alias Tessa Ganserer beispielsweise gegen Orthopädiemechaniker Titus Schüller (Linke), Redakteurin Gabriela Heinrich (SPD) oder Kaufmann Martin Sichert (AfD) behaupten.

In Nürnberg ist der offizielle Startschuss für die Briefwahl für den Urnengang am 26. September gegeben worden. Die organisatorischen Vorbereitungen des Wahlamts seien dafür laut einer Mitteilung der Stadt schon voll im Gange. Wählerverzeichnisse seien erstellt und Stimmzettel gedruckt worden.