Gesundheit
Wann wird der Impfpass digital?
Noch ist der Impfpass ein gelbes Büchlein.
Noch ist der Impfpass ein gelbes Büchlein.
Foto: Sophia Kembowski/dpa
Berlin – Es wird wohl noch dauern: Der Deutsche Hausärzteverband zweifelt an der geplanten Einführung eines digitalen Impfpasses bis Ende Juni.

Auf dem digitalen Impfpass ruhen riesige Hoffnungen für den Weg aus der Corona-Pandemie. Doch wird er wirklich schon in wenigen Wochen verfügbar sein, wie es die Bundesregierung versprochen hat? Daran gibt es erhebliche Zweifel. Skeptisch zeigt sich etwa Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands. Dieser Redaktion sagte er: „Digitale Impfnachweise helfen den Menschen ganz besonders dann, wenn sie nicht bloß in Aussicht gestellt werden, sondern tatsächlich auch kommen – und wenn klar ist, welche konkreten Vorteile mit ihnen verbunden sind.“ Weigelt weiter: „Und da darf man mit Blick auf bürokratische Vorgaben und weitere leidvolle Verkomplizierungen schon Zweifel haben, ob den vollmundigen Ankündigungen dann auch zeitnah Taten folgen werden.“ Bislang jedenfalls deute wenig darauf hin, dass ein digitaler Impfausweis bis zum Beginn der Reisesaison im Sommer flächendeckend in Deutschland verfügbar sein wird, so der Hausärzte-Chef.

Mit dem digitalen Dokument sollen geimpfte, negativ getestete oder von Covid-19 genesene Personen in den kommenden Monaten zahlreiche Erleichterungen bei den Infektionsschutzmaßnahmen bekommen. Sie könnten dann wieder reisen, Urlaub machen, im lauschigen Biergarten sitzen.

Einführung im Juni geplant

Wie jetzt aus Regierungskreisen zu hören war, soll die Entwicklung der Smartphone-Anwendung im Zeitplan liegen, der so genannte „CovPass“ noch vor den Sommerferien an den Start gehen. Die beginnen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bereits am 21. Juni. Viel Zeit bleibt also nicht. Auch die Digitalexpertin Anke-Domscheit-Berg ist sich „nicht sicher, was diesen digitalen Impfausweis angeht“. Dieser Redaktion sagte die Linken-Politikerin, sie glaube nicht, „dass er wie angekündigt bis Ende Juni kommt“. Domscheit-Berg: „Die Hürde, einen digitalen Impfpass sicher hinzubekommen, ist einfach zu hoch, um das in zwei Monaten zu schaffen.“ Digitalexpertin Domscheit-Berg sieht erhebliche praktische Probleme bei der Einführung. Sie verweist auf die vielen Millionen Menschen, die schon geimpft sind: „Wer soll das alles nachtragen? Das kann ich von den Hausärzten und den Impfzentren nicht verlangen.“

Das sieht Hausärzte-Chef Weigeldt genauso. „Unabhängig davon, ob ein digitaler Impfnachweis eines Tages doch kommen wird – den Hausarztpraxen darf dadurch keinesfalls noch mehr Bürokratie aufgebürdet werden.“

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