Kirche
Die Exorzisten haben viel zu tun
Das Bedürfnis nach Exorzisten in südeuropäischen Ländern wie in Italien nimmt angesichts ungewisser Zeiten offenbar eher zu.
Das Bedürfnis nach Exorzisten in südeuropäischen Ländern wie in Italien nimmt angesichts ungewisser Zeiten offenbar eher zu.
Foto: dpa
Rom – Neun Stunden lang wurde einer verwirrten Frau in Italien der Teufel ausgetrieben. Der Vatikan unterstützt die Praktik.

Zwei Erscheinungen der Madonna soll es in den Jahren der Pest, 1426 und 1428 auf dem Monte Berico bei Vicenza gegeben haben. Vicenza ist eine katholische Kleinstadt auf halbem Weg zwischen Verona und Venedig. Die Gläubigen errichteten der Madonna einen Tempel, der zur Basilika wurde und entsprechenden Gastronomiebetrieben bis heute zahlreiche Pilger empfängt. Eigentlich „ein Ort, von dem sich das Böse fernhalten sollte“, wie das Onlineblatt Vicenzatoday festhielt.

Negative Schlagzeilen

Am vergangenen Sonntag ereignete sich dann aber doch Unerhörtes, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Schlagzeilen machte. An einer jungen Frau wurde am Wallfahrtsort ein neun Stunden langer Exorzismus vorgenommen.

Man sollte meinen, dass die Teufelsaustreiberei heute Geschichte ist. Doch das Bedürfnis nach Exorzisten in südeuropäischen Ländern wie in Italien aber auch in Polen nimmt angesichts ungewisser Zeiten offenbar eher zu.

Bischof beruft Exorzisten

Rund 500 000 Exorzismen sollen jährlich in Italien vollzogen werden, jede italienische Diözese verfügt über mindestens einen Priester, der vom Bischof zum Exorzisten berufen wird. Oft sind es angesichts der Nachfrage mehr als ein Exorzist pro Diözese, in Vicenza wirken derzeit vier.

Der Vatikan, der vorschreibt, die „psychologische und psychiatrische Situation“ der Betroffenen sorgsam zu begutachten, unterstützt die Praxis. Seit 15 Jahren veranstaltet die päpstliche Universität Regina Apostolorum in Rom mehrtägige Ausbildungskurse für Exorzisten.

Bei der letzten Edition waren 137 Teilnehmer angemeldet, so viele wie noch nie. Der Kurs in der von den umstrittenen Legionären Christi gegründeten Universität verspricht eine „konkrete, tiefgründige und professionelle Antwort auf diese aktuelle und noch wenig bekannte Thematik“.

Ein besonders schwerer Fall

In Vicenza wurde die Theorie dann konkret. Hauptexorzist Giuseppe Berardi bekam es mit einem angeblich besonders schweren Fall zu tun. Eine 28-Jährige aus der Umgebung kam mit ihrer Familie auf den Monte Berico. Nachdem sie den Beichtstuhl betreten hatte, begann die Frau nach Darstellung der Lokalpresse wie verrückt zu schreien, zu fluchen und Obszönitäten zu verbreiten.

Offenbar hatte sie es dabei vor allem auf den Beichtvater abgesehen.

Der Corriere del Veneto berichtete, die Frau habe in verschiedenen Sprachen gebrüllt, darunter sogar in Latein. Sie habe „jeden angegriffen, der sich ihr näherte“ und sogar die eigene Mutter geohrfeigt. „Sie rannte von einer Seite zur anderen uns sprang dabei sogar über Möbelstücke“, referierte der Corriere. Für die Mönche des Ordens der „Sklaven Marias“, die den Wallfahrtsort betreiben, war die Diagnose klar: die 28-Jährige war vom Teufel besessen.

„Viele Gläubige waren verängstigt“

Ein Teil des Wallfahrtsortes wurde wegen des Vorfalls sogar geschlossen. „Viele Gläubige waren verängstigt, es ist noch nie vorgekommen, dass wir schließen mussten“, sagte Prior Carlo Maria Rossato. Mehrere Gottesdienstbesucher seien Zeugen des Vorfalls gewesen, einige hätten die Einweisung der Frau in ein Krankenhaus empfohlen. Andere riefen Polizei und Krankenwagen.

Als die Polizei eintraf, fanden die Beamten die Frau ruhig und im Gespräch mit einem Priester vor, deshalb fuhr die Streife wieder davon. „Die Mutter war die einzige, die erkannte, dass ihre Tochter unter dem Einfluss des Bösen steht“, sagte der Prior.

Das Böse mag keine Ave Marias

Was folgte, war der längste Exorzismus, an den man sich in Vicenza in jüngerer Zeit erinnern kann. Von 11 Uhr morgens bis 20 Uhr abends, neun Stunden lang. Vier Priester gingen dem Hauptexorzisten Berardi dabei zur Hand und sollen die 28-Jährige festgehalten haben.

„Normalerweise haut das Böse nach ein paar Ave Marias wieder ab. Aber in manchen Fällen krallt es sich an den Personen fest und lässt nicht locker“, berichtete Prior Rossato. Am Ende seien alle total erschöpft gewesen. Die Frau, die dann von ihrem Bruder in eine Pflegeeinrichtung gebracht wurde, sei zusammen gebrochen. Vicenzatoday schrieb von „Szenen wie aus einem Horrorfilm“. Wie es heißt, hat die Staatsanwaltschaft Vicenza Ermittlungen aufgenommen.