Finanzen
Wie man Bankgebühren zurück erhält
Kreditinstituten brechen in der Zinsflaute die Erträge weg. Viele Geldhäuser verlangen daher höhere Gebühren. Doch nicht alle Kunden haben das bislang bemerkt.
Kreditinstituten brechen in der Zinsflaute die Erträge weg. Viele Geldhäuser verlangen daher höhere Gebühren. Doch nicht alle Kunden haben das bislang bemerkt.
Foto: Franziska Gabbert, dpa
Augsburg – Gebührenerhöhungen vom BGH für unrechtmäßig erklärt: Damit Kunden Geld zurück erhalten, müssen sie selbst aktiv werden.

In der Branche schlug das Urteil gewaltige Wellen, viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die davon profitieren, haben aber bisher nichts davon mitbekommen. Der Bundesgerichtshof hatte Ende April entschieden, dass die Praxis vieler Banken bei Gebührenerhöhungen nicht rechtmäßig ist. Geklagt hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen die Postbank. Das Urteil betrifft auch Millionen Kunden anderer Institute. Diese können nach Einschätzung von Verbraucherschützern unrechtmäßig erhobene Bankgebühren zurückfordern.

1. Was besagt das Urteil? Bisher informierten die Banken und Sparkassen ihre Kunden mindestens zwei Monate im Voraus, wenn sie ihre Preise oder Geschäftsbedingungen änderten. Widersprachen die Kunden nicht, galt die Änderung als vereinbart. „Viele Bankkunden haben erst nachträglich, beim Blick auf den Kontoauszug, die Erhöhung der Gebühren wahrgenommen“, erklärt Rechtsanwalt Max Baumeister. Nach dem Urteil gilt nun: Ein Kunde muss bei einer Gebührenerhöhung aktiv Ja sagen. Die Folge: „So ziemlich alle Gebührenerhöhungen von Banken und Sparkassen der letzten Jahre sind unwirksam“, sagt Christoph Herrmann, Rechtsexperte der Stiftung Warentest. „Wir raten den Kunden, das Geld zurückzufordern.“ Dies sei für Gebühren möglich, die seit dem 1. Januar 2018 erhoben wurden. Eine Bedingung gibt es aber: Das Kontomodell darf zwischenzeitlich nicht gewechselt worden sind. Sonst gelten die Bedingungen des neuen Kontos.

2. Um wie viel Geld geht es? Es kann sich um dreistellige Beträge drehen. Die Verbraucherzentrale rechnet dies an einem Beispiel vor: Angenommen, man hat 2015 ein gebührenfreies Konto eröffnet. Anschließend wurde ab Mai 2017 die Kontogebühr auf 5 Euro pro Monat erhöht, ab Februar 2020 dann auf 10 Euro. „Sie können in diesem Fall mindestens die Gebühren zurückfordern, die ab dem 1. Januar 2018 erhoben wurden“, berichtet die Verbraucherzentrale. Dies sind für die 25 Monate vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Januar 2020 insgesamt 125 Euro. Und für die 16 Monate vom 1. Februar 2020 bis zum 31. Mai 2021 nochmals 160 Euro. Unter dem Strich können mindestens 285 Euro zurückgefordert werden.

3. Wie fordere ich

die Erstattung ein? Nach Ansicht der Stiftung Warentest werden die Banken und Sparkassen das Geld nicht von sich aus zurückzahlen. Die Kunden müssen selbst aktiv werden, berichtet Rechtsexperte Herrmann. Sie können die Rückerstattung schriftlich einfordern. Die Stiftung Warentest hat auf ihrer Homepage einen Musterbrief bereitgestellt, ebenso die Verbraucherzentralen. Der Brief sollte zum Nachweis als Einschreiben mit Rückschein verschickt werden.

4. Woher weiß ich, wie viele

Gebühren unrechtmäßig

erhoben worden sind?

Der Betrag muss selbst ausgerechnet werden. Helfen kann eine Entgeltaufstellung, die Kunden bei ihrer Bank anfordern können und auf die sie seit Oktober 2018 ein Recht haben, sagt Herrmann. „Damit weiß man, was ab Oktober 2018 an Gebühren angefallen ist“, erklärt Herrmann. Damit sei es recht einfach, die Kosten bis Anfang 2018 zurückzurechnen. Zudem kann man aus älteren Kontoauszügen herleiten, wie die Kosten aussehen würden, wenn noch die alten Gebühren gelten würden. Die Differenz kann man bei der Bank geltend machen.

5. Was sagen

die Banken dazu? Die Deutsche Kreditwirtschaft insgesamt genauso wie der Genossenschaftsverband Bayern mit den Volks- und Raiffeisenbank halten sich bisher noch bedeckt und berichten, dass man dabei sei, das Urteil auszuwerten. Die Commerzbank will sich ebenfalls erst nach der Analyse „detailliert zu den konkreten Auswirkungen äußern“. Angekündigte Gebührenerhöhungen hatte die Bank auf Eis gelegt. Auf Dauer wird es aber nicht so bleiben: „Die Commerzbank plant gleichzeitig, die vorgesehene Preiseinführung umzusetzen.

Mit Informationen von dpa