Interview
Demonstration: Warum Omas gegen Rechts auf die Straße gehen
Die „Omas gegen Rechts“ mit Astrid Schön (r.) demonstrierten in Wunsiedel gegen einen rechtsradikalen Aufmarsch.
Die „Omas gegen Rechts“ mit Astrid Schön (r.) demonstrierten in Wunsiedel gegen einen rechtsradikalen Aufmarsch.
Foto: privat
bamberg – Bamberg  — In Wunsiedel marschierte am Wochenende eine rechtsradikale Gruppierung zum „Heldengedenken“. Gegendemonstranten wollten sich der faschistis...

Bamberg  — In Wunsiedel marschierte am Wochenende eine rechtsradikale Gruppierung zum „Heldengedenken“. Gegendemonstranten wollten sich der faschistischen Gruppe entgegenstellen. Darunter auch Astrid Schön aus Burgebrach. Sie gehört zu den Bamberger „Omas gegen Rechts“. Die 68-jährige Sängerin und Gesangspädagogin erzählt im Interview von der Initiative und den Ereignissen in Wunsiedel.

Wer sind die Omas gegen Rechts?

Astrid Schön: Wir sind eine bundesweite, zivilgesellschaftliche, überparteiliche Initiative. Wir setzen uns gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen faschistische Bewegungen ein. Fridays for Future finden wir auch gut. Vor kurzem hat sich dann auch eine Bamberger Ortsgruppe „Omas gegen Rechts“ gebildet. Vor vier Wochen haben wir uns das erste Mal getroffen. Im Bamberger Raum sind wir mittlerweile sechs Mitglieder.

Was hat Sie persönlich dazu bewegt, bei den Omas gegen Rechts mitzumachen?

Ich wollte mich schon lange politisch engagieren, aber mit Berufstätigkeit und Familie war ich immer zu beschäftigt. Jetzt habe ich mehr Zeit dafür. Außerdem ärgere ich mich tierisch über aktuelle rechtsradikale Bewegungen, die immer salonfähiger und damit gefährlicher werden. Ich kenne selber Menschen mit Migrationshintergrund und bin entsetzt darüber, welche rassistische Anfeindungen sie bekommen. Das erleben wir hautnah mit. Ich habe das Gefühl, jungen Leuten hört man nicht wirklich zu. Auf die Älteren wird eher gehört. Wir, die Omas gegen Rechts, erheben unsere Stimmen und werden gegen Diskriminierung aktiv. Die Antifa fände ich auch nicht schlecht, nur kann ich nicht mehr so schnell rennen.

Wie haben sie am Wochenende den Fackelmarsch in Wunsiedel erlebt?

Wir wollten unseren Unmut gegen den menschenverachtenden und ekelerregenden Aufmarsch zum Ausdruck bringen. Schlussendlich konnten wir dort gar nichts machen. Die Polizei hatte uns und viele engagierte junge Leute in ein Wohngebiet geführt und dort eingekesselt. Den rechtsradikalen Demonstranten wurde dann ein anderer Weg zum Laufen gegeben. Wir Gegendemonstranten wurden hinters Licht geführt. Wir wollten ja keine Schlägerei anfangen, wir wollten nur gegendemonstrieren, was unser Recht ist.

Wie kommen die Omas gegen Rechts an?

Die jungen Leute finden gut, was wir machen. Als wir angekommen sind, wurden wir erstmal mit Applaus begrüßt.

Muss man eine Oma sein, um mitzumachen?

Nein, das muss man nicht. Wir sind eine Initiative für alle bürgerlichen Menschen. Auch für Familien. Ein ganz junges Mitglied haben wir auch, das toll findet, was wir machen. Sie unterstützt uns vor allem medial. Und mein Mann ist jetzt auch dabei. Er ist zumindest der erste Opa gegen Rechts. Es wäre toll, wenn sich daraus auch eine Bewegung gegen Rechts entwickelt.

Die Fragen stellte Stefanie Swann