Landwirtschaft
Die Bauern in der Klemme
Blick in den Rinderstall auf einem Bauernhof im Steigerwald. Die Landwirte sollen immer mehr ins Tierwohl investieren, bekommen aber nicht die dafür notwendigen Preise.
Blick in den Rinderstall auf einem Bauernhof im Steigerwald. Die Landwirte sollen immer mehr ins Tierwohl investieren, bekommen aber nicht die dafür notwendigen Preise.
Foto: Joseph Beck
Bamberg – Die Kreisverbände Bamberg und Forchheim des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hielten wegen Corona ihre Kreisversammlung als öffentliche Onlineveransta...

Die Kreisverbände Bamberg und Forchheim des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hielten wegen Corona ihre Kreisversammlung als öffentliche Onlineveranstaltung ab. Sie war mit 149 Teilnehmern sehr gut besucht und zeigte das große Interesse der Landwirte nach neuen Informationen.

Hermann Greif, oberfränkischer BBV-Präsident und Forchheims Kreisobmann, und Landes-, Bezirks- und Bambergs Kreisbäuerin Anneliese Göller begrüßten außer ihren Berufskollegen auch Bambergs stellvertretenden Landrat Bruno Kellner (FW/ÜWG) und Forchheims Landrat Hermann Ulm (CSU).

In einem Impulsreferat sprach Isabella Timm-Guri, Direktorin Fachbereich Erzeugung und Vermarktung des BBV-Generalsekretariats München, über „Herausforderungen für Bayerns Tierhalter zwischen Markt, Wettbewerb, Politik und Öffentlichkeit“ und zeigte mit dem Titel den Spagat auf, den die Bauern zu bewältigen haben. Bei der Tierhaltung stellte Timm-Guri wegen der katastrophal-niedrigen Preise einen Strukturumbruch fest, da immer mehr Betriebe, besonders in der Schweinehaltung, aufgeben oder aufgeben müssen. Sie wies darauf hin, dass als Folge das Fleisch aus dem Ausland importiert werde. Die Referentin zeigte die große Spannbreite bei den Preisen zwischen Erzeugern und dem Einzelhandel und sagte: „In den Taschen der Erzeuger, der Bauern, landet das Geld nicht.“ Diese aber bräuchten das Geld dringend, da die Betriebskosten deutlich gestiegen seien.

Das Tierwohl werde vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gefordert und ständig auf neue Stufen erhöht, aber den Landwirten wolle man dafür nicht mehr bezahlen. Die Verbraucher ködere man sogar noch mit Ramschpreisen bei der Milch und beim Fleisch, so die Referentin. Besonders die kleinen Betriebe lasse man dabei im Regen stehen, ergänzte sie: „Der Handel hat eine extreme Macht und ist Teil des Problems.“

„Ein Mix aus Markt und Politik“

Da es der Markt nicht richten werde, forderte Timm-Guri ein Eingreifen der Politik. Die Bauern brauchen eine langfristige verlässliche Zusicherung. Der BBV unterstütze deshalb den Ansatz der Borchert-Kommission, die im Chat von Robert Leisgang geforderten langfristigen Zusagen über 15 bis 20 Jahre und besonders im Bau- und Genehmigungsverfahren eine Anpassung, die nicht verhindert, sondern vermehrt. Am Schluss ihrer Rede machte die BBV-Rednerin deutlich: „Die Zeit drängt! Es muss einen Mix aus Markt und Politik geben!“

Im Anschluss hatten die Politiker der Ampelkoalition Gelegenheit, aus ihrer Sicht Antworten zu geben. MdB Andreas Schwarz (SPD) war aus Berlin zugeschaltet. Er sagte, dass Tierwohl und Haltung europaweit gedacht werden müssten: Corona und die Lieferketten hätten gezeigt, dass man sich nicht vollständig vom Ausland abhängig machen dürfe. In Bezug auf LEH und Landwirte war er der Meinung, dass es keine Partnerschaft auf Augenhöhe gebe, denn da werde Macht ausgespielt. Dazu stehe etwas im Koalitionsvertrag. Darin sei auch die Schaffung eines umfassenden Labels enthalten, in dem auch die Schlachtung dabei sei. Wie das im Detail aussehe, werde man sehen, äußerte er sich vage.

MdB Thomas Hacker von der mitregierenden FDP sagte: „Ich will ein offenes Gespräch, damit die Landwirtschaft eine Zukunft hat.“ Er dankte den Landwirten, dass sie sich in die Gesellschaft einbringen.

Den Kreisbäuerinnen Göller und Kraus schienen diese Aussagen zu allgemein. Sie warfen ein, dass die TA-Luft (Red.: Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft, die TA-Luft 21 betrifft auch Geruchsbelästigungen) geändert werden müsse.

Auf weitere Probleme angesprochen, äußerten beide Politiker, der Staat könne Anreize schaffen über Fördermechanismen. Sie verwiesen aber auch auf die Aufgaben der Länder und der Kommunen. Letztere müssten zum Beispiel auch in den Kindergärten und Schulen lokale Lebensmittel verwenden. Dabei spiele der Bioanbau, der ja nach Vertrag bis 2030 auf 30 Prozent steigen solle, eine wichtige Rolle.

MdB Lisa Badum (Grüne), die dritte Politikerin, die eingeladen war, verabschiedete sich schon nach einer halben Stunde wegen anderweitiger Termine, wurde auch nicht durch eine oder einen anderen grünen Politiker ersetzt.

Dies wurde mit Bedauern hingenommen, denn gerade mit der Besetzung des Landwirtschaftsministeriums durch den Grünen Cem Özdemir hatten sich viele Teilnehmer Informationen erhofft. Es folgte der Hinweis, dass Inge Pütz-Nobis die Anregungen weiterleiten werde. job

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: