Ausbildungskurs
„Jeder und jede kann Seelsorger und Seelsorgerin für Mitmenschen sein“
Das hauptamtliche Team der Klinikseelsorge lädt Ehrenamtliche zum Besuchsdienst ein: Pastoralreferentin Loni Meyer, Pfarrerin Kristine Wachter und Pfarrer Roland Huth (von links).
Das hauptamtliche Team der Klinikseelsorge lädt Ehrenamtliche zum Besuchsdienst ein: Pastoralreferentin Loni Meyer, Pfarrerin Kristine Wachter und Pfarrer Roland Huth (von links).
Foto: Marion Krüger-Hundrup
Bamberg – Marion Krüger-Hundrup Seit fast zwei Jahren kann der Besuchsdienst keine Patienten im Klinikum am Bruderwald aufsuchen: Die coronabedingten Besuchsver...

Marion Krüger-Hundrup

Seit fast zwei Jahren kann der Besuchsdienst keine Patienten im Klinikum am Bruderwald aufsuchen: Die coronabedingten Besuchsverbote oder -beschränkungen machten diese Aufgabe unmöglich. Doch nun soll ein Neustart gewagt werden: „Ein Versuch bei aller Unsicherheit, wie sich die Pandemie entwickelt“, sagt Pastoralreferentin Loni Meyer, die mit Pfarrer Roland Huth und Pfarrerin Kristine Wachter die Krankenhausseelsorge am Klinikum verantwortet.

In den vergangenen Monaten hat das Seelsorgeteam, das ungehindert Zugang zu den Patienten auf den Stationen hat, einen „vermehrten Gesprächsbedarf“ registriert. Kranke Menschen leiden obendrein an den Einschränkungen und daran, dass sie kaum oder gar keinen Besuch von Angehörigen bekommen können. Abhilfe schaffen sollen nun ehrenamtliche Männer und Frauen, die in einem Ausbildungskurs für den Besuchsdienst qualifiziert werden. Die hauptamtlichen Klinikseelsorger sehen darin eine Chance, Patienten zu erreichen, „die sonst keinen Pfarrer oder die Pastoralreferentin anfordern“: „Ehrenamtliche können da Türöffner sein, wo es notwendig ist“, betont Pfarrer Huth und freut sich, dass „die Klinikleitung unser Angebot voll und ganz unterstützt“. Und Pfarrerin Wachter ergänzt: „Wir stoßen auf offene Ohren, die Resonanz ist gut.“

„Fest im Leben stehen“

Für das hauptamtliche Team aus studierten Theologen mit Zusatzausbildungen steht fest, dass „jeder und jede Seelsorger und Seelsorgerin für Mitmenschen sein kann“. Unter der Voraussetzung, dass Interessenten am Ökumenischen Besuchsdienst „psychisch stabil sind und fest im Leben stehen“, wie Pfarrerin Wachter erklärt. Denn bei Patientenbesuchen kämen auch existentielle Themen wie Sterben und Tod zur Sprache. Themen, die nicht nur ältere Besuchsdienstler einfühlsam angehen könnten, sondern „auch die gereifte 24-Jährige kann Patienten gut tun!“

Das Seelsorgeteam ist sich bewusst, dass der Besuchsdienst eine „anspruchsvolle Tätigkeit ist“. Daher sei der nun geplante Ausbildungskurs „kein niederschwelliges Angebot“, sondern eine Anfrage an die „eigene Grundhaltung der Mitmenschlichkeit“. Inhalte der acht Ausbildungseinheiten zwischen März und Juli 2022 unter der Leitung der drei Hauptamtlichen Roland Huth, Loni Meyer und Kristine Wachter sind unter anderen die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, dem eigenen Glauben in Bezug auf die Begleitung von kranken Menschen, Umgang mit Krankheit-Sterben-Tod-Trauer, Gesprächsführung, Einführung in verbale und nonverbale Kommunikation, Selbstpflege und Kraftquellen. Auch eine Hygieneschulung gehört zum Kurs, der einen liturgischen Abschluss mit Überreichung der Teilnehmerzertifikate findet. Ziel der Ausbildung sei, so das Seelsorgeteam, dass die Teilnehmer regelmäßig Besuche übernehmen in einem Umfang von drei bis vier Stunden pro Woche.

Austausch mit Hauptamtlichen

Nach Abschluss der Ausbildung und den gemachten Erfahrungen auf den Stationen des Klinikums wird sich der Besuchsdienst regelmäßig mit den Hauptamtlichen treffen, um die Gespräche mit den Patienten zu reflektieren und mögliche Fragen zu besprechen.

Wer sich angesprochen fühlt, kann sich in einer unverbindlichen Einführungsveranstaltung am kommenden Mittwoch, die noch nicht zur Teilnahme am Kurs verpflichtet, informieren.