Kleine Karte bietet große Vorteile
Bamberg – Bedürftigkeit  Was hinter dem Konzept der SozCard Bamberg steckt und wer sie erhalten darf.

„Das ist ein Meilenstein für die Bamberger Sozialpolitik“, betont Michael Schmitt. Was der Stadtrat von Grünes Bamberg in der jüngsten Sitzung des Familien- und Integrationssenats feiert, nennt sich nun SozCard Bamberg. Die Idee: ein Sozialpass, welcher im Scheckkartenformat die Prüfung der Bedürftigkeit vereinfacht, damit die Passträger ohne peinliche Situationen und aufwendiges Auflisten ihrer finanziellen Situation in den Genuss von Vergünstigungen bei Geschäften und Einrichtungen in der Stadt kommen können.

Für 5300 Menschen relevant

Der Personenkreis, welcher eine solche Karte beantragen kann, umfasst in Bamberg beachtliche 5300 Menschen. Das sind mit 3900 Menschen vor allem jene, die Leistungen nach Sozialgesetzbuch II erhalten. Zudem zählen Empfänger von Sozialhilfe oder auch Grundsicherung im Alter dazu. Und auch Asylbewerber außerhalb des Ankerzentrums sind inbegriffen.

Die Beantragung läuft über das Rathaus am ZOB oder online über

www.stadt.bamberg.de/sozialpass. So vielfältig wie der Personenkreis sind auch die Auswahlmöglichkeiten. Darunter befinden sich Eintrittskarten für städtische Museen, Kulturangebote im Rahmen der Kulturtafel, günstigere Badetickets bei den Stadtwerken oder auch Theaterkarten von freien Bühnen. 22 Partner und Institutionen kamen bereits zusammen.

Neu ist, dass zu den städtischen Leistungen, welche ohnehin schon gewährt werden, nun auch private Geschäfte mit Ermäßigungen einsteigen können. „Wir haben eine große Offenheit bei den Partnern erlebt. Diese Liste ist noch nicht abschließend, und wir versuchen, noch weitere Institutionen und Geschäfte an Bord zu holen“, erklärt Gabriele Kepic. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bamberg ist gespannt, wie die Karte angenommen wird, wenn sie nach einer Werbekampagne zum 1. Oktober anläuft.

Seit rund zehn Jahre haben unterschiedliche Fraktionen Ähnliches gefordert, damit gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen der Stadtgesellschaft möglich ist. Der neueste Antrag des städtischen Seniorenbeirates vom Oktober 2020 hat zusammen mit dem entsprechenden Geld im Haushalt die Sache möglich gemacht. Vorbild sei das Modell des Nürnberg-Passes gewesen.

Für CSU-Stadträtin Anna Niedermaier ist wichtig, dass die Karte nicht einfach kopierbar ist, damit niemand zu Unrecht Vergünstigungen bekommt. Lucas Büchner von der ÖDP fragt nach, ob die Karte irgendwelche Daten speichert. Die Gleichstellungsbeauftragte Kepic kann die Bedenken entkräften: Die Plastikkarte sie nicht einfach herstellbar und speichere auch keine Daten der Personen. „Es ist schade, dass Wohngeldbezieher nicht mit einbegriffen sind“, bemängelt Stephan Kettner von der Bamberger Linken Liste. Für Kettner müsse ähnlich wie in Nürnberg auch ein Sozialticket mit günstigen Busfahrkarten in die SozCard integriert werden.

Und Schmitt fordert eine Ausweitung auf benachteiligte Familien, welche noch nicht in die aktuell bedachten Gruppen fallen. Ein Streitpunkt war, ob die SozCard auf Antrag ausgestellt wird oder direkt per Post mit den sonstigen Leistungsbescheiden an alle Berechtigten geht. Während sich Andreas Triffo vom Bamberger Bürger Block für Ersteres stark machte, um die Wertigkeit des Passes hochzuhalten, wollen Kettner, Schmitt und Büchner die direkte Zusendung, damit alle unkompliziert an die SozCard kommen. Sozialreferent Jonas Glüsenkamp versprach die zweite Variante datenschutzrechtlich prüfen zu lassen. Mit Blick auf den Prozess und die zusätzlichen Ideen meinte er: „Wir setzen das Kind in die Welt und prüfen dann die Erweiterungen.“ Der Senat schickte die SozCard einstimmig auf den Weg.