Liebenswert bis ins Detail
Szene aus „Dorn-Röschen“
Szene aus „Dorn-Röschen“
Foto: Lea Sebald
Bamberg – Premiere  Das Bamberger Marionettentheater kündigt die Neuinszenierung „Dorn-Röschen“ an.

Mit „Dorn-Röschen“ feiert das Bamberger Marionettentheater am Freitag, 9. Juli, um 20 Uhr Premiere im Staubschen Haus.

„Ich nenne dich Dorn-Röschen, weil ich dich unter den Dornen gefunden habe.“ Mit dieser Äußerung des Prinzen im gleichnamigen Märchen erklärt sich die etwas ungewöhnliche Schreibweise der Theateradaption des bekannten Grimm’schen Märchens, das in der Textfassung des Autors und Librettisten Marec Béla Steffens einen spürbaren Akzent auf dieses Motiv der Dornen legt, das natürlich sowohl auf das verwunschene und sogenannte Königskind wie auch auf die bösartige dreizehnte Fee Bezug nimmt, die aus gekränktem Stolz und verletzter Eitelkeit den schlimmen Fluch des hundertjährigen Schlafes über das unschuldige Mädchen bringt.

In einer sinnenfreudigen Inszenierung wird ein Märchen für Groß und Klein, Kinder und Erwachsene gleichermaßen geboten, das romantische und dunkle, liebenswerte und abgründige, tragische und glückliche Wendungen spannungsvoll miteinander vereint und nicht zuletzt durch die eigens für diese Inszenierung komponierte Musik des Bamberger Komponisten Franz Tröger im Zusammenspiel mit dem von der Bamberger Mädchenkantorei eingesungenen Leitmotiv von Dorn-Röschen eine gelungene künstlerische Gesamtdarbietung darstellt. Unterstrichen wird dieser Eindruck zusätzlich dadurch, dass die Inszenierung in den hierfür detailgetreu nachgebildeten Räumlichkeiten der Bamberger Neuen Residenz stattfindet. Schlösser, Prinzen, Könige und Königinnen, dornige Rosensträucher und verwunschene Prinzessinnen bieten in diesem Rahmen nicht nur eine gewohnt märchenhafte Kulisse, sondern weisen, wie dies bei den Grimm’schen Märchen zumeist der Fall ist, über eine vordergründige Lesart hinaus auch eine sehr bemerkenswerte und treffsichere symbolisch-psychologische Zeichnung auf, die sowohl zum eigenen Nachdenken als auch zum weiter- und tiefergehenden Verständnis dieses Märchens einladen. Die Inszenierung des Bamberger Marionettentheaters kommt der hier angedeuteten Vielschichtigkeit von „Dorn-Röschen“ mit spielerischer Leichtigkeit entgegen und bietet einen kurzweiligen und anregenden Kunstgenuss.

Das Bamberger Marionettentheater rund um die Prinzipalin Maria Sebald beginnt mit dieser lang ersehnten Premiere von „Dorn-Röschen“ den eigentlichen Spielplan für das Jahr 2021, in der Hoffnung, dass aufgrund stabiler Corona-Zahlen die Saison weitgehend unter den normalen Bedingungen stattfinden kann. red