Teurer Blick auf Nürnberg von oben
Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König würde diesen Blick von der Aussichtsplattform des Fernsehturms gerne auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Die Stadt alleine kann das allerdings nicht bezahlen.
Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König würde diesen Blick von der Aussichtsplattform des Fernsehturms gerne auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Die Stadt alleine kann das allerdings nicht bezahlen.
Foto: Sven Heublein
Nürnberg – Sanierung  Fast 35 Millionen Euro würde eine Wiederbelebung des für Besucher seit 1991 geschlossenen Fernsehturms kosten, hat eine neue Studie jetzt herausgefunden.

Erst Sorgenkind, dann Denkmal und jetzt bald schon Touristenmagnet? Die Entwicklung des Nürnberger Fernsehturms bleibt weiterhin eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Auch nach der Vorstellung der neuesten Machbarkeitsstudie zur Wiederbelebung des Bauwerks fehlt offensichtlich noch eine Antwort auf die drängendste Frage: Wer soll das alles bezahlen?

Fest steht laut Oberbürgermeister Marcus König (CSU) nach der Vorstellung der Eckdaten aus der Studie bislang nur die bereits vorher befürchtete Tatsache, dass die Kosten durchaus beachtlich ausfallen werden. „Allein könnte es die Stadt nicht schaffen. Jetzt brauchen wir Bund und Land, um eine Finanzierung zu prüfen“, sagt König.

Brandschutz als größter Kostenfaktor

Die „Deutsche Funkturm“ hat als Eigentümerin des „Nürnberger Eis“ untersucht, was eine Renovierung zur Revitalisierung von Aussichtsplattform und Drehrestaurant kosten würde. Laut Lea Borgers, Sprecherin des Tochterunternehmens der „Deutschen Telekom“ aus Münster, werden die Kosten der Instandsetzungsmaßnahmen in der neuen Machbarkeitsstudie mit insgesamt rund 34,3 Millionen Euro angegeben. Im Rahmen der Studie seien laut Borgers mehrere Bereiche untersucht worden, die für eine mögliche Wiedereröffnung zu beachten seien.

„Den größten Kostenfaktor wird der Brandschutz darstellen“, teilt die Sprecherin der „Deutschen Funkturm“ auf Anfrage weiter mit und verweist darauf, dass beispielsweise die vorhandenen Feuerwehr- und Personenaufzüge aufgerüstet werden müssten, damit über diese auch im Brandfall noch eine Evakuierung sichergestellt werden könne.

Dass die Frage des Brandschutzes in dem 292,80 Meter hohen Fernsehturm eine heikle wird, hat auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als wohl „größter Fan“ und „wichtigster Fürsprecher“ des fränkischen Wahrzeichens immer schon geahnt und befürchtet. Kurz nach seinem Amtsantritt im Finanzministerium hat Söder im Jahr 2013 prüfen lassen, wie hoch die Sanierungskosten für den 1980 erbauten Fernsehturm ausfallen würden. Auf rund 15 Millionen Euro sind die Investitionskosten für die Modernisierung von Brandschutz und Sicherheitstechnik plus Drehrestaurant seinerzeit veranschlagt worden.

Ein Herzenswunsch von Markus Söder

Söder macht keinen Hehl daraus, dass er die Schließung des Turms für den Publikumsverkehr im Jahr 1991 als schmerzlichen Verlust für die Attraktivität seiner Heimatstadt versteht. Dass Nürnberg von oben noch schöner aussehe, hat Söder bei der Ernennung des Turms zum höchsten Baudenkmal im Freistaat im Juni diesen Jahres gesagt und den Dornröschenschlaf des Gebäudes als offene Wunde im Herzen aller Nürnberger bezeichnet. Oberbürgermeister König hat die feierliche Verleihung der Urkunde vor einem Vierteljahr als „ersten Schritt zur Reaktivierung von Aussichtsplattform und Drehrestaurant“ gefeiert.

Drei Monate später liegen nun also die ersten Zahlen vor, was die Realisierung der Turm-Renaissance kosten würde. Neben der möglichen Instandsetzung des Drehrings für das 360-Grad-Restaurant betrachtet die Studie auch, ob ein Neubau eines unterirdischen Parkhauses für den erhofften Besucheransturm nach einer erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahme möglich wäre.

Beflügelt werden die Nürnberger Pläne offensichtlich von den aktuellen Wiederbelebungsmaßnahmen der Fernsehtürme in Hamburg und Dresden. Die Idee: Nach dem gleichen Muster könnte in den nächsten Jahren auch das Wachküssen des Nürnberger Wahrzeichens gelingen. Knackpunkt dürften weiterhin die Kosten für die zeitgemäße Ertüchtigung bleiben. In Hamburg und Dresden habe sich der Bund laut „Deutscher Funkturm“ mit 50 Prozent an den Ausgaben beteiligt. Voraussetzung für die Förderung vom Bund sei die Einstufung des Nürnberger Fernsehturms als nationales Denkmal.

In die Bayerische Denkmalliste hat es der Nürnberger Fernsehturm bereits geschafft. Nach der Überwindung der nationalen „Denkmal-Hürde“ könne erst die Suche nach geeigneten Betreibern und einem langfristig tragfähigen Nutzungskonzept für die auf 185 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform und das vier Meter höher gelegene Drehrestaurant mit dem spektakulären Ausblick erfolgen, heißt es aus Münster.

Bedeutet wohl im Klartext: Die Renaissance des Turms gibt es nicht auf Knopfdruck. Und nur wenn alle mithelfen, kann der Traum tatsächlich Wirklichkeit werden. „Die Revitalisierung unseres Nürnberger Fernsehturms ist eine Idee, die viele Menschen begeistert“, ist sich Oberbürgermeister König jedenfalls sicher.

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