Lützelbuch
Das Erbe einer guten Freundschaft
Die Urkunde über die Patengemeinde hängt in der früheren Lützelbucher Ortskanzlei. Der Bürgerverein (hier Vorsitzender Dietmar Wächter) kümmert sich um das Erbe.
Die Urkunde über die Patengemeinde hängt in der früheren Lützelbucher Ortskanzlei. Der Bürgerverein (hier Vorsitzender Dietmar Wächter) kümmert sich um das Erbe.
C. Winter

Ein friedliches und vereintes Europa – das haben sie sich vor 51 Jahren gewünscht, als der Bürgerverein von Lützelbuch und die Gemeindevertreter der Fraktion Gais als Beauftragte der gesamten Bevölkerung beider Dörfer einen besondere Urkunde unterzeichnet haben. Gais in Südtirol und Lützelbuch bei Coburg sind seitdem befreundete Ortschaften.

Weiter heißt es im Text der Urkunde: „Wir haben beschlossen, alle erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen, welche zur Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Orten notwendig sind.“

Damals haben das Papier Bürgermeister Florian Kronbichler von der Fraktion Gais in Südtirol und Rolf Forkel, damals Vorsitzender des Bürgervereins Lützelbuch, unterschrieben. Die Partnerschaft zwischen Coburg und Gais bestand 2021 ein halbes Jahrhundert.

Feiern ging wegen Corona nicht. Doch an diesem zweiten Adventswochenende findet der Gegenbesuch einer Delegation aus Gais in Coburg statt. Am Samstag um 15 Uhr gibt es zudem einen Empfang im Coburger Rathaus. Die Partnerschaft hat die damals selbstständige Gemeinde Lützelbuch im Zuge der Gebietsreform nach Coburg mitgebracht.

Die alte Lützelbucher Gemeindeverwaltung nutzt heute der Bürgerverein als Versammlungsraum und Lager. Einige Buchstaben des Schriftzuges „Ortskanzlei Lützelbuch“ an der Tür des früheren Amtszimmers sind heruntergefallen. Zwei Türen weiter sind noch viele Bücher der damaligen Gemeindebücherei zu finden. „Und hier hängt auch die Urkunde, mit der die Patenschaft zwischen Gais und Lützelbuch ins Leben gerufen werden sollte“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins Lützelbuch, Dietmar Wächter.

Es begann mit einer Autopanne

Es war einer Autopanne zu verdanken, dass zwischen den beiden kleinen Ortschaften eine enge Beziehung entstehen sollte. „Es muss im Jahr 1963 oder 1964 gewesen sein, als der Gesangverein Lützelbuch zu einer Busfahrt an den Gardasee unterwegs war“, gibt Dietmar Wächter die Geschichte wieder. Aber in Bruneck hatte der Reisebus eine Panne und die Lützelbucher suchten eine Unterkunft. In der nahe gelegenen Ortschaft Gais fanden sie Unterschlupf im Gasthaus Kronbichler. Für so viele Menschen reichten die Zimmer aber nicht, und daher kamen einige Lützelbucher privat unter. „Daraus entwickelten sich Freundschaften und Gegenbesuche. Anfangs wurden Gäste aus Gais auch bei uns in Privathäusern untergebracht“, erinnert sich Dietmar Wächter. „Auch in meinem Elternhaus war das so.“

In den ersten 20 Jahren habe es eine richtige Euphorie gegeben, weiß Wächter. Es sei damals etwas Besonderes gewesen, dass ein so kleiner Ort wie Lützelbuch eine internationale Beziehung unterhielt. 1975 wurde in Gais die „Via Lützelbuch“ eingeweiht, eine Gaiser Straße gibt es auch in Lützelbuch. Partnerschaftstafeln weisen auf die Beziehung der Orte nördlich und südlich des Alpenhauptkammes hin. Mittlerweile sind die Begegnungen seltener geworden. 1981 begann der Schüleraustausch zwischen den Ortschaften, viele Jahre fanden die Skilager der Coburger Gymnasien im Ahrntal statt. Zur 1000-Jahr-Feier von Gais fuhren 1986 Martin Prause, Dietmar Wächter und Hartmut Hauck mit Rennrädern nach Gais. Ebenso machte es Alt-Oberbürgermeister Norbert Kastner. Zum 50. Jubiläum im vergangenen Jahr war eine Delegation um Oberbürgermeister Dominik Sauerteig in Gais. Bei oberfränkischem Bier, Südtiroler Schinken und Wanderungen wurde die Freundschaft aufs Neue mit einer Urkunde besiegelt. Übrigens: In diesem Jahr gibt es auch wieder Südtiroler Spezialitäten auf dem Weihnachtsmarkt.