Bad Rodach
In Bad Rodach wurden die ersten Stolpersteine verlegt
Gunter Demnig aus Köln, der Initiator der Aktion, baute die Stolpersteine selbst in das Pflaster im Zentrum von Bad Rodach ein.
Gunter Demnig aus Köln, der Initiator der Aktion, baute die Stolpersteine selbst in das Pflaster im Zentrum von Bad Rodach ein.
Martin Rebhan

Bisher erinnert in Bad Rodach nichts an das schreckliche Los jüdischer Familien, die in der Kurstadt lebten. Bisher. Jetzt wurden auf Initiative von Johanna Rosenzweig acht Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal der Familie Sachs und des Ehepaars Marie und Konrad Balmberger erinnern sollen.

Bürgermeister Tobias Ehrlicher führte im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier aus, dass in Bad Rodach erstmals Gedenksteine gegen das Vergessen in Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Die beiden Familien mussten nach seinen Worten Bad Rodach verlassen und vor den Nationalsozialisten fliehen. „Ihr Schicksal steht für das Tausender Jüdinnen und Juden, politisch Verfolgter, Sinti und Roma sowie behinderter Personen, und es zeigt, dass auch in den kleinsten Orten der Nationalsozialismus erstarken konnte und sich Verfolgte keines Schutzes mehr sicher sein konnten“, betonte Ehrlicher.

Um die Geschichte der beiden Familien näher zu bringen verlas der Bürgermeister eine von Johanna Rosenzweig verfasste Ausarbeitung über das Leben der Verfolgten und beleuchtete dabei die Zeiten vor und während des Nationalsozialismus.

Den Ausführungen zufolge flohen Ludwig, Martha, Salomon, Rosa, Berta und Sigmund Sachs nach Bogota (Kolumbien), wo sie bis zu ihrem Tod lebten. Marie und Konrad Balmberger entkamen mit ihrer Tochter Luise den Nazischergen durch eine ständige Reise durch Deutschland. Schutz fand die Familie immer wieder beim evangelischen Pfarrer Gerhard Voß in Pokrent (Mecklenburg-Vorpommern). Nach Kriegsende wanderte die Familie nach Kolumbien und lebte dort ebenfalls in Bogota.

Tobias Ehrlicher zeigte sich dankbar, dass der Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig, die Gedenksteine selbst verlegte. Es werde nicht bei dieser Aktion bleiben. Im nächsten Jahr sollen in der Coburger Straße weitere Steine verlegt werden. „Des Weiteren werden wir eine Gedenktafel aufstellen, um an verfolgte Sozialdemokraten zu erinnern“, so Tobias Ehrlicher abschließend.