Coburg
Neu im Job – im Grünen
Ingo Günther ist neu im Grünflächenamt.
Ingo Günther ist neu im Grünflächenamt.
Dominik Merkwirt
Sebastian Weiß zeigt Einsatz beim Pflanzen.
Sebastian Weiß zeigt Einsatz beim Pflanzen.
Edwin Meißinger

Im sogenannten grünen Arbeitsbereich (Garten- und Forstwirtschaft) fehlen seit vielen Jahren qualifizierte Arbeitskräfte. Umso erfreuter verkündete Bernd Ledermann, der Leiter des Coburger Grünflächenamtes, dass es gelungen sei, über die Initiative „Biwaq“, zusammen mit der Volkshochschule Coburg Stadt und Land und dem Jobcenter Coburg, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu bieten und sie ins vollwertige Berufsleben zurückzuführen. Zwei Herren gingen diesen Biwaq-Weg und absolvierten für ein Vierteljahr ein Praktikum beim Grünflächenamt. Für ihr Engagement und ihr Durchhaltevermögen wurden sie mit je einer Vollzeitstelle im Grünflächenamt belohnt.

Ledermann und die Gärtnerin und Anleiterin Sophie Sigmund zeigten sich von ihren neuen Kollegen beeindruckt. Der 48-jährige Ingo Günther und der 36-jährige Sebastian Weiß waren erfreut und dankbar für alle Hilfe, die ihnen zuteil wurde. Weiß, alleinerziehender Vater, hatte sich vor ein paar Jahren schon einmal um eine Stelle beim Grünflächenamt bemüht. Damals war es ihm allerdings nicht möglich gewesen, in Vollzeit zu arbeiten. Jetzt, mit der Unterstützung der VHS, des Jobcenters und des Grünflächenamtes und seiner Eltern, die sich um seinen Sohn kümmern, wenn er arbeitet, ist es ihm gelungen, eine gute Arbeitsstelle beim Grünflächenamt zu erhalten. Ledermann sagte: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dauerhafte Mitarbeiter gewonnen haben.“

20.000 neue Bäume

Gerade die Zuverlässigkeit und das angeeignete Fachwissen der beiden Männer seien äußerst wichtig, schon allein im Hinblick darauf, dass das Grünflächenamt sich vorgenommen habe, in den nächsten Jahren aufzuforsten und 20.000 Bäume zu pflanzen. Diese Bäume müssten gepflegt und manchmal auch gewässert werden. Auch die Anleiterin Sigmund hob hervor, dass sie sehr zufrieden mit ihren neuen Kollegen sei.

Ebenso positiv äußerten sich Stephanie Herrmann vom Jobcenter der Stadt Coburg und Petra Flehmig, VHS-Projektleiterin. Sie bescheinigten den beiden Teilnehmern den Willen und die Bereitschaft, sich auf diesen Weg einzulassen und ihr Leben entsprechend umzustellen. Weiß gestand, dass es nicht einfach gewesen sei, beispielsweise acht Stunden auf den Knien am Schlossplatz herumzurutschen und Pflanzen zu setzen. Hier sei er schon sehr an seine Grenzen gekommen. „Da fragt man sich schon: Warum machst du das? Alles in dir schreit ,Gib auf!‘. Jetzt bin ich umso stolzer, dass ich das geschafft habe!“, betonte Weiß. Er gab zu, ohne die ermutigende und tatkräftige Unterstützung seiner Kollegen und Kolleginnen hätte er das nicht geschafft. Ein weiterer und starker Motivationsantrieb sei sein Sohn gewesen. Ihm möchte er ein Vorbild sein. Für ihn sei es anfangs auch ungewohnt gewesen, früh um 5 Uhr aufzustehen, sich Pausenbrote für die Arbeit zu machen und dann zur Arbeit zu gehen. Als sie für sich ein Resümee zogen, sagten Günther und Weiß gleichermaßen: „Das mit Biwaq war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe!“ Er könne jeden Langzeitarbeitslosen verstehen, sagte Weiß, jedoch lohne es sich, derartige Wege zu beschreiten.