Sie sangen, und sangen, und singen
Zweimal unterbrachen Kriege das Vereinsleben. Aber es ging jeweils wieder weiter, wie das Archivbild von einem Vortrag nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt.
Zweimal unterbrachen Kriege das Vereinsleben. Aber es ging jeweils wieder weiter, wie das Archivbild von einem Vortrag nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt.
Foto: Alexandra Kemnitzer
Ketschenbach – Jubiläum Der Gesangverein Ketschenbach besteht 125 Jahre. Die Mitglieder blicken auf eine bewegte Geschichte.

Die Mitglieder des Gesangvereins Ketschenbach feiern am Samstag, 21. Mai, das 125-jährige Bestehen mit einem Ehrungsabend und Freundschaftssingen um 18 Uhr im Gasthaus „Lindenhof“. Als Gastchor ist der Gesangverein Grub am Forst zu hören.

Pandemiebedingt gab es zwei Jahre keine Ehrungen, weshalb der Abend genutzt wird, um 13 Mitgliedern für ihre langjährige Zugehörigkeit Dank und Anerkennung auszusprechen. Für die Sängerschaft war die Zeit der pandemischen Lage nicht einfach. „Trotz der großen Einschränkungen habe ich bei den wenigen Chorproben, die wir durchführten, festgestellt, dass das Interesse am Singen ungebrochen ist und der Zusammenhalt in unserer Chorgemeinschaft weiter besteht“, freut sich Vorsitzende Christine Wiegand.

Proben hinter der Scheune

Während noch letzten Sommer anstatt in der alten Schule hinter der Scheune eines Sangesbruders geprobt wurde, um den Bestimmungen Rechnung tragen zu können, sind seit Mitte März die Singstunden wieder in bewährter Form möglich. Unter ihrem Chorleiter Markus Häßler werden fleißig Lieder einstudiert, um damit den Besuchern der Festveranstaltung Freude zu bringen.

Eigentlich war ein größerer Rahmen für das Jubiläum geplant, was den Mitgliedern aufgrund der noch nicht ganz überstandenen Pandemie jedoch zu unsicher war. Sollten es die Entwicklungen zulassen, wird der Chor im Laufe des Jahres bei verschiedenen Anlässen zu hören sein und auch gesellige Veranstaltungen durchführen.

Wie fing alles an? Am 10. Mai 1897 lud der erste Ketschenbacher Lehrer Georg Müller alle sangeslustigen Männer des Dorfes zu einer Versammlung ein, um einen Männergesangverein ins Leben zu rufen. Zwei Tage später wurde im ehemaligen Gasthaus Schilling, heute „Lindenhof“, von 21 aktiven und sechs passiven Mitgliedern der Gesangverein gegründet. Den Vorsitz übernahm Georg Müller. Er wirkte gleichzeitig als Chorleiter. Als Zweck wurde in der Vereinsstatuten festgelegt, den deutschen Männergesang zu hegen und zu pflegen. Wöchentlich fanden Chorproben statt.

Während des Ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben, bis es im Februar 1919 wieder mit 26 aktiven und sieben passiven Mitgliedern aufgenommen wurde. Im Juli 1926 gab der Gesangverein sein eigenständiges Vereinsleben auf und schloss sich mit den Turnverein Ketschenbach als „Turn- und Gesangverein Ketschenbach“ zusammen. Seit dieser Zeit hat das gemeinsame Ausrichten der „Kerwa-Ständla“ Tradition. Der Zusammenschluss währte bis zum 7. Mai 1932.

Nach der Trennung nahmen die Sänger wieder den alten Vereinsnamen an und konnten eine besonders erfolgreiche Zeit erleben, denn es gab neben dem Männer- auch einen gemischten Chor. Es wurden Sängerfeste und Theateraufführungen sowie Operetten dargeboten. Das Vereinsleben ruhte erneut wegen des Zweiten Weltkriegs, ehe es am 28. November 1948 wieder aktiviert werden konnte. Sofort fanden viele junge Sänger den Weg in den Verein.

Diese Aufbruchstimmung erlebte Horst Martin als aktiver Sänger mit. Er sang noch bis zur Pandemie im Zweiten Tenor und ist derzeit ältestes Mitglied.

An die erfolgreichen Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Operetten, Sing- und Lustspiele wurde angeknüpft und das kameradschaftliche Miteinander gepflegt. 1949 erfolgte die Gründung eines Damenchors, der bis 1962 aktiv war. Als das 100-jährige Bestehen begangen wurde, fungierte Günther Rudolf als Chorleiter. Er übte dieses Amt drei Jahrzehnte aus und singt heuer seit 65 Jahren.

Im Jubiläumsjahr zählte der Chor 33 Sänger. Durch die allgemeine Entwicklung wurde schon frühzeitig allerdings erkannt, dass nur gemeinsam eine Weiterführung des Chorbetriebs möglich sein wird und nach Möglichkeiten gesucht werden muss. So entstand ab 2008 die erste Chorgemeinschaft mit Ketschendorf. Weitere wurden mit den Sängern des Annawerkes und des Gesangvereins Oberwohlsbach gebildet.

Derzeit 19 Aktive

Nachdem sich der Ketschendorfer Verein aufgelöst hatte, schlossen sich die verbliebenen Aktiven dem Ketschenbacher Verein an. Personell konnte sich weiter verstärkt werden, nachdem sich auch der Steinbacher Chor aufgelöst hatte und auch dort Aktive ihr Hobby nicht aufgaben, sondern es beim Gesangverein Ketschenbach weiter ausüben.

„Unser Chorleiter Markus Häßler hat es verstanden, die Sänger aus den verschiedenen Vereinen bei uns zusammenzubringen, alle zu begeistern und zu motivieren“, findet Christine Wiegand. Das Ziel, den Verein zu erhalten, wurde erreicht. Derzeit besteht er aus 87 Mitgliedern, von denen 19 aktiv sind.

Besonders stolz ist die Vorsitzende, dass alle nach wie vor engagiert an einem Strang ziehen. Um auch weiter singfähig zu sein, ist der Chor auch weiterhin auf Sängerzuwachs angewiesen. ake