Bremsklötze für die Unternehmen
Der seit Mai 2020 zu beobachtende Aufwärtstrend reiße ab, heißt es in einer Pressemeldung der IHK.
Der seit Mai 2020 zu beobachtende Aufwärtstrend reiße ab, heißt es in einer Pressemeldung der IHK.
Foto: Firma Waasner/ Archiv
Forchheim – Wirtschaft  75 Prozent der Betriebe in Oberfranken stehen wegen der Rohstoff- und Materialknappheit unter Druck. Der Ukrainekrieg wirkt sich aus. Die Lieferketten sind instabil.

„Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Hoffnung auf eine spürbare Erholung der Wirtschaft zunächst zunichte gemacht“, sagt Michael Waasner, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken. Aber der Forchheimer meint laut Pressemitteilung der IHK auch: „Unsere heimischen Unternehmen schlagen sich aber besser als erwartet. Allerdings ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung sehr hoch.“

Der seit Mai 2020 zu beobachtende Aufwärtstrend bei den Erwartungen reiße ab. Steigende Energiepreise – nicht zuletzt aufgrund des Krieges in der Ukraine – setzen viele Unternehmen erheblich unter Druck. Hinzu kommen Preissteigerungen für Rohstoffe und Waren, denen durch die stockenden Lieferketten deutlich Vorschub geleistet wird.

Zugleich rutscht, so die IHK, die Konsumlaune der oberfränkischen Verbraucher wegen der hohen Inflation und des Ukrainekriegs auf ein Rekordtief. „Was mit unterbrochenen Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie begann, hat sich längst zu einem dauerhaften Stresstest für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt“, macht Gabriele Hohenner deutlich, Hauptgeschäftsführerin der IHK Oberfranken.

Die Geschäftslage

Die gegenwärtige Geschäftslage der oberfränkischen Wirtschaft bleibt im Saldo positiv, trotz der vielen Hemmnisse und Herausforderungen. 36 Prozent der Befragten sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, 19 Prozent unzufrieden.

Während sich die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage im Tourismussektor spürbar gebessert haben, in der Summe aber weiterhin negativ sind, beurteilen alle anderen Wirtschaftsgruppen die Geschäftslage positiv, wenn auch meist mit nachlassendem Saldo, vor allem im Dienstleistungssektor. Im Auslandsgeschäft können dabei Zuwächse im Euroraum und vor allen im Nordamerika-Geschäft verbucht werden. Eine sinkende Nachfrage melden die Unternehmen hingegen aus China und natürlich im Russland-Geschäft.

Die oberfränkische Wirtschaft sieht sich mit immer mehr Herausforderungen konfrontiert. Waasner erläutert: „Der Krieg in der Ukraine hat deutliche Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen. Insbesondere die extrem gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise machen unseren Unternehmen dabei zu schaffen.“

Die größten Risiken

Die größten Risiken sehen die Unternehmen in der Entwicklung der Rohstoffpreise (86 Prozent aller Befragten) und der Energiekosten (84 Prozent). 75 Prozent der Betriebe stehen durch die Rohstoff- und Materialknappheit unter Druck, mehr als die Hälfte der Unternehmen außerdem durch instabile Lieferketten und die Auswirkungen des Ukrainekrieges. „Somit sind die Preisentwicklung und die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen direkt oder indirekt die meistgenannten Hemmnisse für die oberfränkischen Wirtschaft“, macht Waasner deutlich.

Keine Normalisierung in Sicht

Eine Normalisierung der Versorgungssituation scheint für viele der befragten Unternehmen nicht in Sicht zu sein. Gerade einmal 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Versorgungssituation noch in diesem Jahr. Insgesamt erwarten 28 Prozent der Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäftslage.

Einzig der Tourismussektor ist mehrheitlich positiv gestimmt. Besonders pessimistisch und rückläufig sind dagegen die Prognosen im Baugewerbe, im Groß- und im Einzelhandel. red