100. Geburtstag
Die bewegte Lebensreise von Juliane Saller dauert schon hundert Jahre
Die Jubilarin Juliane Saller mit Urenkelin Victoria und Enkel Uwe
Die Jubilarin Juliane Saller mit Urenkelin Victoria und Enkel Uwe
Foto: Heidi Amon
Forchheim – Als ein Beispiel für ein glückliches Alter könnte Juliane Saller gesehen werden. Kürzlich feierte die Forchheimerin, der man ihr Alter gar nicht ansie...

Als ein Beispiel für ein glückliches Alter könnte Juliane Saller gesehen werden. Kürzlich feierte die Forchheimerin, der man ihr Alter gar nicht ansieht, ihren 100. Geburtstag. Und da gab es viel Besuch.

„Da war einiges los“, berichtet Saller. Auch Landrat Hermann Ulm (CSU) sowie Pfarrer Mariadas Kalluri kamen vorbei und gratulierten namens des Landkreises Forchheim und der Pfarrei Hl. Drei König. Für eine Überraschung sorgte der Sozialverband VdK Buckenhofen, der Juliane Saller für ihre Treue und ihr ehrenamtliches Engagement zum Ehrenmitglied ernannte. Und aus München schickte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Glückwunschschreiben mit einer Medaille.

Drei Enkel und vier Urenkel

Ihren Ehrentag ließ die Jubilarin mit 40 Gästen im Gasthaus Nagengast in Schlaifhausen ausklingen. Mit dabei waren ihre Schwiegertochter sowie ihre drei Enkel und vier Urenkel mit Familien. „Alle waren sie wegen mir gekommen“, freut sich die Jubilarin. Bei einem Besuch trifft man eine liebenswerte Jubilarin mit wachen, freundlichen Augen an, die viel erlebt hat und stets positiv in die Zukunft sah. „Sie hat sich nie gehen lassen und hatte immer einen starken Willen“, verrät Enkel Uwe. Für die Seniorin, die auch gerne mal einen Eierlikör mag, ist Stillstand auch im Alter nichts. „Sie war immer in Bewegung, sie braucht immer etwas zu tun“, weiß Enkel Uwe. Ob im Haus oder im Garten, sie hat stets eine Betätigung. Ihren täglichen Spaziergang lässt sie jedenfalls nicht aus.

Bevor Corona kam, war für sie der regelmäßige Kirchgang wichtig. Nun verfolgt sie den Sonntagsgottesdienst und das Weltgeschehen am Fernseher. Auch die Lektüre der Tageszeitung gehört zu ihrem Tagesablauf.

Zwischen 1921 und 2021 liegen diese 100 Jahre, Jahre voller Arbeit, aber auch voller Höhen und Tiefen. „Immer viel“ habe sie gearbeitet. Die in der Batschka (damals Ungarn) geborene Landwirtstochter hatte sehr bald den Ernst des Lebens kennengelernt. Schon in jungen Jahren half sie auf dem elterlichen Hof mit Weinanbau mit. Sie war noch sehr jung, 18 Jahre, als sie 1939 den Landwirt Stefan Saller heiratete. Er leistete seinerzeit Kriegsdienst in ihrer Heimat. Doch über ihr weiteres Leben bestimmte dann der Zweite Weltkrieg. Ihr Mann Stefan fiel 1944. Seinen Sohn hat er nie kennengelernt.

Flucht in den Westen

1945 floh sie mit Verwandten Richtung Westen. Eine erste neue Heimat fand sie in Chemnitz, wo Sohn Stefan zur Welt kam. Weiter ging die Reise Richtung Naila, wo die talentierte Juliane als Kunststickerin in Heimarbeit für ein Unternehmen arbeitete. Diese besondere Stickkunst handhabte die Seniorin zeitlebens weiter.

Schließlich kam sie mit ihrer kleinen Familie in den Landkreis Forchheim, wo sie ihre endgültige zweite Heimat fand. 1972 gab es für sie jedoch ein schmerzvolles Tief: Sohn Stefan starb mit 27 Jahren bei einem Autounfall.

Ihre Familie ist nun im Frankenland verwurzelt. Im Haus ihres Enkels Uwe fühlt sie sich wohl und ist glücklich, von der ganzen Familie liebevoll umsorgt zu werden. Mit einem zufriedenen Lächeln sagt die 100-Jährige, die sogar noch die ungarische Sprache beherrscht: „Ich habe eine liebe Familie, auf die ich sehr stolz bin.“ Gesund zu bleiben und dass der Zusammenhalt in der Familie so wie bisher bleibt – das ist Sallers größter Wunsch. dia

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