Die Corona-Pause genutzt
Die Tür des Gemeindehauses steht am Sonntag allen offen.
Die Tür des Gemeindehauses steht am Sonntag allen offen.
Foto: Petra Malbrich
Gräfenberg – Kirchengemeinde  Das Gemeindehaus Gräfenberg wurde vor 200 Jahren ursprünglich als Pfarrhaus gebaut. Am Tag der offenen Tür am Sonntag gibt es Neues zu entdecken.

Ein wenig schaurig begannen die Arbeiten am evangelischen Gemeindehaus in Gräfenberg, das ursprünglich als Pfarrhaus gebaut wurde. Das war vor 200 Jahren. Das damalige Pfarrhaus, hinter dem jetzigen Gemeindehaus, war derart baufällig, dass Dekan Witschel schon vor Ende seiner Amtszeit Gräfenberg verließ und damit im ganzen Land Bekanntheit erlangte. „Dessen Nachfolger Georg Leonhard Tretzel hat die Stelle nie angetreten. Er hat sich geweigert“, erzählt der heutige Dekan Reiner Redlingshöfer, warum ein neues Pfarrhaus gebaut werden musste. Doch wer sollte das bezahlen?

Vier Jahre lang wurde deshalb mit der bayerischen Staatsregierung gestritten. 1819 kaufte man für 1000 Gulden das alte Haus neben dem Pfarrhaus. Es gehörte dem Taglöhner Müller. Im März 1821 konnte dann der Grundstein gelegt werden. Damals sah Gräfenberg noch anders aus. Um den Kirchplatz herum war früher der Friedhof.

Als sich die Arbeiter dann auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs mit den Spaten an die Arbeit machten, erlebten sie zunächst eine weniger schöne Überraschung: Sie gruben zwei noch nicht ganz verweste Leichen aus. Im Oktober 1821 wurde der Dachstuhl angebracht und dann konnte Pfarrer David Billmann mit seiner Frau und den neun Kindern einziehen. Unten waren die Arbeitsräume und ein Gemeinderaum, oben die Räume für die Familie.

Der letzte Dekan lebte 1946 in dem Pfarrhaus. Eine neue Lösung musste gefunden werden, denn die Gemeinde war gewachsen und benötigte mehr Räume. Das Pfarrhaus wurde komplett zum Gemeindehaus, ein neues Pfarrhaus wurde errichtet. Das war 1960, es wurde 1962 eingeweiht, erzählt Redlingshöfer.

Das Pfarrhaus steht hinter der Kirche, beim Friedhof. Das große gelbe Sandsteinhaus wurde hingegen komplett zum Gemeindehaus umgebaut und bietet heute vielen Gruppen Platz. „Jetzt geht der Betrieb langsam wieder los“, sagt Dekan Redlingshöfer.

Neben den Amtsräumen ist im Erdgeschoss ein großer Aufenthaltsraum, im oberen Stockwerk sind die Verwaltung, das Büro für das evangelische Bildungswerk oder die kirchliche Sozialarbeit. Auch der Konfirmandenunterricht findet im Gemeindehaus statt. Eine Krabbelgruppe trifft sich, und oben ist ein Mehrzweckraum mit Sofa und Billard, in dem die Jugendgruppe ihre Zeit verbringen kann.

Das Pilgerzimmer

Auch das Pilgerzimmer war oft besetzt. „Wir haben Pilger aufgenommen, die auf dem Jakobsweg unterwegs waren“, sagt Redlingshöfer. Auch Menschen im Kirchenasyl haben das Zimmer bewohnt.

Mit dem Tag der offenen Tür am Sonntag, 24. Oktober, von 14 bis 17 Uhr soll nicht nur die Geschichte des Gemeindehauses aufgezeigt werden, sondern vor allem die bestehenden Gruppen und neu geplante Gruppen sollen an den Start gehen. Die Einweihung der Küche ist um 14 Uhr, ein Auftritt des Gospelchors um 15 Uhr. Bei Kaffee und Kuchen können offene Büros von Dekanat und Pfarramt von 14.30 bis 16.30 Uhr besichtigt werden.

Die Corona-Pause ist genutzt worden. Die Firma Datev hat zwei gut erhaltene Teeküchen ausrangiert, die kostenlos an die Kirchengemeinde ging. „Aus den zwei Küchen haben Ehrenamtliche unter der Federführung von Horst Weber, Siegfried Krieger und Uwe Ingrisch eine tolle Küche gezimmert“, lobt Dekan Redlingshöfer. In dieser Küche können beispielsweise die Mütter der Krabbelgruppe, der Männerkreis und Besucher des Eine-Welt-Ladens, der dort im neuen Jahr fair gehandelte Ware anbietet, Kaffee trinken. Einen Einblick in den neuen Fair-Trade-Laden erhalten die Besucher ebenfalls am Tag der offenen Tür.