Leserbrief
Die Wiesent und mein Job
Wiesenttal – Zur Diskussion um das Kajakfahren auf der Wiesent: Bei dem ewigen „Streit um den Fluss“ blutet mir das Herz. Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich bei e...

Zur Diskussion um das Kajakfahren auf der Wiesent:

Bei dem ewigen „Streit um den Fluss“ blutet mir das Herz. Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich bei einem der Kajakverleiher im Wiesenttal. Ich habe das Glück, so vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unsere faszinierende Natur auf dem Wasser näherbringen zu dürfen. Auch wer die „Fränkische“ gut kennt: Sie auf dem Wasserweg entdecken zu können, ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Ich bin schon oft auf der Wiesent gepaddelt und immer wieder beeindruckt, wie wunderschön unsere Heimat ist. Deshalb liegt es mir und meinen Kollegen sehr am Herzen, dass dies auch so bleibt. Bei jeder unserer Einweisungen ist das Thema Naturschutz und Verhalten auf dem Fluss ein ganz wichtiger Bestandteil. Wir sensibilisieren unsere Gäste, wir sorgen dafür, dass unser Fluss sauber bleibt und nur bestimmte Ein- und Ausstiege benutzt werden.

Seit Jahren gibt es strenge Regeln auf der Wiesent, um die Natur im Gleichgewicht zu halten und verschiedenen Interessen gerecht zu werden. Und das ist auch gut so. Und nach all den Jahren sehe ich noch immer einen wunderbaren Fluss mit seltenen Pflanzen und Tieren, der so naturbelassen ist wie wenige andere, und ich frage mich nach den wirklichen Hintergründen und Sinn dieser ständigen wiederkehrenden gerichtlichen Klagen und Vorwürfe.

Wenn Menschen die Schönheit der Natur nicht mehr erleben dürfen, wie soll man sie dann sensibilisieren, diese zu schützen? Und dann gibt’s da noch unsere Kinder, die die Welt entdecken; die mir erzählen, dass sie noch nie in ihrem Leben so viel Natur erleben durften wie auf der Wiesent. Dass sie stolz darauf sind, was sie gerade gemeistert haben, was sie durch eigene Kraft erreicht haben, was sie alles entdecken durften. Die am Ende einer Tour glücklich strahlend aus dem Boot steigen. Die Kinder, die noch Jahre später von diesem tollen Erlebnis erzählen und die vielleicht später mit ihren eigenen Kindern die Wiesent runterpaddeln. Die Kinder, die es sich später vielleicht eher mal überlegen, Müll im Wald zu hinterlassen oder ihn doch lieber wieder mitzunehmen.

Und das soll vielleicht bald gar nicht mehr möglich sein, weil sehr wenige Personen für sich entschieden haben, dass es nicht richtig ist? Zu guter Letzt: Ja, es stimmt, mit dem Verleih der Kajaks wird auch Geld verdient. Geld, mit dem Arbeitsplätze geschaffen, Familien und Kinder ernährt werden. Die jetzt bangen, wie es weitergeht. Genau wie ich auch. Dabei wünschen wir uns nichts meh, als gemeinsame Lösungen zu finden (Beispiel fränkisches Kletterkonzept).

Unsere Türen standen und stehen jederzeit offen – für alle: Naturschützer, Fischer, Kajakfahrer und alle anderen. Aber ohne ehrliches Interesse an einer gemeinsamen Lösung wird es diese nicht geben. Wir möchten unseren Job nicht verlieren und unsere Heimat erhalten, weil wir unseren Fluss lieben. Beides ist möglich.

Steffi Kneitz

Wiesenttal