Soroptimist-Jubiläum
Diskussion mit starken Frauen
Prof. Areti Papastavrou (von links), Daniela Singer und Rebecca Ottmann sprachen auf Einladung des Soroptimist-Clubs Forchheim über „Karrierefrauen – Frauenkarriere?“
Prof. Areti Papastavrou (von links), Daniela Singer und Rebecca Ottmann sprachen auf Einladung des Soroptimist-Clubs Forchheim über „Karrierefrauen – Frauenkarriere?“
Foto: Mike Claußen
Forchheim – Nur ein Viertel der Podienteilnehmer in Deutschland ist weiblich. Das möchte der Soroptimist-Club Forchheim-Kaiserpfalz ändern und hat eine neue Podie...

Nur ein Viertel der Podienteilnehmer in Deutschland ist weiblich. Das möchte der Soroptimist-Club Forchheim-Kaiserpfalz ändern und hat eine neue Podienreihe gestartet: Aufs Podium eingeladen sind künftig jedes Jahr starke Frauen aus der Region.

Den Auftakt machte eine Runde anlässlich des 100. Geburtstag des internationalen Dachverbandes der Frauenorganistation Soroptimist International zum Thema „Karrierefrauen – Frauenkarriere?“. In der Digitalwerkstatt Forchheim diskutierten Prof. Areti Papastavrou, Daniela Singer und Rebecca Ottmann über Gleichberechtigung, die Frauenquote und wie man junge Mädchen besser an technische Berufe heranführen kann. Moderiert wurde der Abend von Melanie Ebert und Annika Falk-Claußen.

Papastavrou, die Professorin für Mathematik und Technische Mechanik an der TH Nürnberg ist und in Forchheim lebt, wünscht sich, dass Mädchen früher mit Mathematik in Verbindung kommen. Die fünffache Mutter hat selbst Bauingenieurwesen studiert und musste sich auf dem Weg zur Professorin „sichtbar machen“, wie sie betont. Das Selbstbewusstsein zu haben, sich das zuzutrauen, sei wichtig.

„Einfach machen“ ist das Motto von Singer. Die Geschäftsführerin von Schmetterling Reisen aus Obertrubach erzählte davon, wie sie sich in einer männerdominierten Branche durchgesetzt hat: „Entweder du hast Autorität oder du hast sie nicht“, so Singer, die sich als Chefin in einer Männerwelt, in der ein hoher Anteil der Mitarbeiter Migrationsanteil hat, Respekt erarbeitet hat. Zur Not fährt sie den Bus selbst vom Hof, wenn es aus ihrer Sicht unnötige Diskussionen gibt.

Ottmann, die in Kleinsendelbach wohnt, hat für Siemens viele Jahre lang verschiedene Initiativen begleitet, um Mädchen für technische Berufe zu begeistern. „Die Wirkung ist ziemlich übersichtlich“, ist ihr nüchternes Fazit. „Wir bedienen wieder Stereotype, wenn wir sagen, dass ein Girls’ Day notwendig ist und Mädchen gezielt gefördert werden müssen.“ Man würde suggerieren, dass die Mädchen es sonst nicht alleine schaffen.

Die zweifache Mutter sieht die Verantwortung bei den Lehrkräften, diese Themen unterschwellig im Unterricht unterzubringen. Ottmann, die für die Siemens-Stiftung viel in afrikanischen Ländern unterwegs ist, bewundert es, wenn Frauen beispielsweise im nördlichen Teil Nigerias, der muslimisch geprägt ist, selbstbewusst aufstehen und den Mut haben, gegen Strukturen anzukämpfen: „Da können wir uns eine Scheibe abschneiden.“

Beim Thema gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sei es wichtig, Frauen in Dingen wie Verhandlungsgeschick und entsprechendem Einfordern für einen fairen Lohn zu schulen. „Und wir sollten mehr Transparenz leben und darüber sprechen, wer was verdient. Das ist in anderen Ländern definitiv anders als in Deutschland“, so Ottmann, die sich mehr familienfreundliche Betriebe wünscht. „Die Pandemie hat uns etwas in die Karten gespielt, da Arbeitgeber gesehen haben, dass der Arbeitnehmer, auch wenn er nicht im Büro ist, die Leistung erbringt“, so Ottmann.

Singer, die von spätabendlichen Aufsichtsratssitzungen erzählte, die nicht mehr zeitgemäß seien, berichtet von einer Leistungssteigerung nach der Geburt der Kinder: „Die Arbeit, die ich vorher in teilweise 18-Stunden-Tagen im Büro erledigt habe, habe ich dann in acht Stunden geschafft“, so die Governor des Rotary-Distrikts 1950.

Bei der Frauenquote waren sich die Podienteilnehmerinnen nicht ganz einig. Auch an Hochschulen wird sie gerade diskutiert. „Ich hadere etwas damit und bin eher für ein Kaskadenmodell“, so Papastavrou. „Wenn nur 10 bis 20 Prozent Frauen das Studium in unserem Bereich starten, kann man nicht erwarten, dass oben 50 Prozent Professorinnen herauskommen.“

Nach der Diskussion lud Birgit Rosbigalle, die amtierende Präsidentin des Clubs, die eingeladenen Frauen (und einige Männer) zur Jubiläumsfeier. Auch während der anschließenden Netzwerkrunden waren sich die Frauen einig: Auf dem Weg der Gleichberechtigung gibt es noch viel zu tun. Dafür setzt sich der SI-Club Forchheim-Kaiserpfalz ein, sammelt seit 17 Jahren Spenden für Projekte, die in der Region Frauen, Kinder und Jugendliche unterstützen. Und will durch Veranstaltungen wie die Podienreihe künftig weiter auf Frauenrechte aufmerksam machen. red

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