Entwicklungsschub für die Stub?
Bei der Stub gibt es viele Diskussionspunkte.
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Foto: Michael Busch/Archiv
Forchheim – Kreistag  Der Landkreis Forchheim sieht den Ostast der Stadtumlandbahn von Erlangen aus positiv. Allerdings sei eine Anbindung an die Gräfenbergbahn wichtig, um das Oberland an den Regnitzraum anzuschließen.

In seiner ersten Sitzung in der Stadthalle Ebermannstadt entschied sich der Forchheimer Kreistag einstimmig für den Beitritt zum Zweckverband Stadtumlandbahn-Stub-Ostast. Der Beitritt wurde zuvor bereits in den Kreisausschüssen behandelt.

Schon dort stellte Landrat Hermann Ulm (CSU) „positives Wohlwollen“ fest. Für ihn sei es ein „Projekt für Jahrzehnte“. Wichtig sei dabei eine „Durchbindung“ an die Gräfenbergbahn, weil so das Oberland des Landkreises besser an den Regnitzraum angebunden werde. Die Zustimmung steht unter dem Vorbehalt, dass sich auch die Stadt Erlangen und der Kreis Erlangen-Höchstadt dem Zweckverband anschließen.

„Eine Förderung ist in greifbare Nähe gerückt“, betonte Referatsleiter Frithjof Dier. Seit 2015 war seitens des bestehenden Zweckverbands der Ostast in Planung. Eine Überarbeitung des Bewertungsverfahrens, besonders für den Raum Neunkirchen am Brand, könnte aber volkswirtschaftliche Rentabilität ergeben. Man setzt durchaus auf einen Entwicklungsschub, wie es ihn in der hiesigen Region vor 100 Jahren durch den Bau der Lokalbahnlinien gegeben hat, wie Edwin Dippacher (CSU) in Erinnerung brachte.

Das finanzielle Risiko liegt für den Landkreis Forchheim für die Planungskosten bei maximal 880 000 Euro von Gesamtkosten von zwei Millionen Euro. Berechnet nach der Trassenlänge fallen beim Ostast rund 44 Prozent auf den Landkreis Forchheim. Die Planungskosten sind zwar ebenfalls förderfähig, aber nur dann, wenn das Gesamtprojekt auch verwirklicht wird.

Flächenentwicklung

Flächenentwicklung und Regionalprodukte sind die Aufgaben von Reprola, einem regionalspezifischen Management der Metropolregion Nürnberg. Das Flächenkonzept steht unter dem Leitbild Heimat der Regionalprodukte durch eine ausgewogenen Verflechtung von Stadt und Land. Der politische Sprecher davon ist Landrat Ulm.

Christa Standecker und Andrea Früh-Müller stellten dem Kreistag Notwendigkeit und Ziele vor. Ein nettes Ergebnis bei den Regionalprodukten ist schon vorhanden: eine kulinarische Landkarte der Metropolregion, deren Spezialitätendichte überrascht. Wesentlich mehr Zündstoff steckt aber in der Flächenentwicklung, reicht doch die Spannweite der Auswirkungen von ökonomischen Gesichtspunkten wie Arbeitsplätze und Einkommen bis zur ökologischen Relevanz wie Erhalt der Kulturlandschaft und Biodiversität. Von 2011 bis 2018 untersuchten die Fachfrauen die Veränderungen der Flächennutzung.

Deutlich erkennbar ist dabei eine Zunahme der Verkehrsflächen und des Waldes. 11 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche gingen in dem Zeitraum verloren. Auf Jahr und Einwohner umgerechnet sind das 4,6 Quadratmeter. Auf Bauernhöfe umgerechnet, bedeutet das, dass 40 Betriebe ohne Flächen dastehen.

Ein zusätzliches Problem sah Früh-Müller in der schwindenden Akzeptanz der Landwirtschaft durch die Verbraucher und in der Konkurrenzsituation zwischen Nahrungs- und Energieproduktion.

Als Aufgabe sieht sie, diese schleichende Entwicklung sichtbar zu machen. Als einen Lösungsansatz nannte sie, dass 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche nachhaltig und ökologisch bewirtschaftet werden solle. An den einzelnen Kommunen sei es nun, die Leitbildmaßnahmen durch konkrete Einzelprojekte umzusetzen – eine Flächenspardefensive, bei der Gemeinden auf die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme hinwirken und so den Bestand der landwirtschaftlichen Nutzfläche schützen.

Sah Matthias Striebich von den Grünen eine „massive Konkurrenz zwischen Landwirtschaft und Siedlung“, sprach hingegen Hermann Greif (CSU) von „ein bisschen Themaverfehlung“, wenn man zwischen Bio und Nicht-Bio differenziere. Seiner Ansicht nach sind die Kommunen „Landfresser“, noch dazu, weil in Oberfranken Wald- und Grünlandflächen ausgeweitet würden und damit weniger Ackerland zur Verfügung stehe. Da keine Ernährungsautarkie angestrebt werde, so Früh-Müller, sei Umwandlung von Ackerfläche zu Grünland eher ökologisch wertvoll.

Auch Sebastian Körber (FDP) wandte sich gegen eine Gleichsetzung von konventioneller Landwirtschaft mit versiegelter Fläche. In Bayern, so argumentierte er weiter, sind 88 Prozent der Landesfläche Natur, Wald und Landwirtschaft. Von den zwölf Prozent für Siedlungsbedarf zählte nur die Hälfte als versiegelt. Für den Landkreis brauche man Vergleichszahlen, um den Versiegelungsgrad einordnen zu können.

Manfred Hümmer (FW) setzt statt auf Flächenverbrauch im Außenbereich auf Verdichtung im urbanen Bereich. Nicht nur der Verbraucher müsse im Kopf umdenken und weniger nach dem Preis einkaufen. 40 Hektar solches Potenzial habe Ebermannstadt, ergänzte Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE).

An Ulm wandte Hümmer sich: „Wie geht es in unserem Landkreis weiter?“ Flächennutzungspläne seien, so Ulm, originäre Aufgaben der Kommunen; man könne nur durch einen pädagogischen Prozess überzeugen. Zuvor hatte Wolfgang Fees (SPD) einen möglichen politischen und gesellschaftlichen Druck angesprochen.

Dieser Appell genügte Lisa Badum (Grüne) nicht; sie fragte nach konkreten Ansätzen. „Wir müssen die Menschen überzeugen“, antwortete Ulm dennoch und verwies auf Bürgermeister-Dienstbesprechungen und ähnliche Einwirkungsmöglichkeiten des Kreises auf die Gemeindehoheit. Den Ebermannstadtern kann das Landratsamt dann wohl die von Meyer gewünschte Rückendeckung bei komplexen Bebauungsplänen geben.

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