Sommerfest
Gegen Waffengewalt und für multilaterale Gespräche
Uwe  Kirschstein
Uwe Kirschstein
Foto:
Forchheim – Auch dies hat Corona durcheinandergewirbelt: die Neujahrsempfänge der Stadt Forchheim. So durcheinander, dass der letzte Neujahrsempfang nun...

Auch dies hat Corona durcheinandergewirbelt: die Neujahrsempfänge der Stadt Forchheim. So durcheinander, dass der letzte Neujahrsempfang nun „Sommerfest“ hieß und bei 37 Grad im Schatten der Kaiserpfalz stattfand.

Eine Plattform für Kommunikation und Austausch möchten die Stadt und der Förderkreis Kaiserpfalz in erster Linie hiermit bieten, betonte Förderkreis-Vorsitzender Ewald Maier. Der Tradition gemäß, Repräsentanten aus Politik, Kultur und Wissenschaft einzuladen, stand dieses Mal der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein im Mittelpunkt. Er war für eine langjährige Weggefährtin eingesprungen – Renate Schmidt, die ehemalige Landesvorsitzende der SPD, musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Traditionsgemäß gibt der Oberbürgermeister beim Neujahrsempfang einen politischen Ausblick. Dieses Mal tat er es eben bei 37 Grad Celsius, in der Backofenhitze eines Zeltes, angestrahlt von gleißendem Scheinwerferlicht. Seine Positionen formulierte Uwe Kirschstein dennoch klar und nüchtern. „Ich glaube, dass Waffengewalt nicht zur Lösung beiträgt“, positionierte er sich zur Frage, wie mit der Aggression Russlands gegenüber der Ukraine umgegangen werden soll. Mit Waffen könne kein dauerhafter Frieden erreicht werden. „Ich vermisse schmerzhaft multilaterale Gesprächsformate“, so der Oberbürgermeister. Auch mit einem Despoten müsse man reden.

Verhandlungen und Diskussionen bei der Suche nach Lösungen stehen im Zentrum von Kirschsteins Politik. Das erfordert natürlich gegenseitiges Verständnis. So auch bei dem Großprojekt Paradeplatz; aktuell laufen die Verhandlungen für das Verkehrskonzept. Bei den wichtigen Themen Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und Gewerbegebiete für die Wirtschaft beklagte er Verzögerungen: Nachbarschaftsklagen behindern fast alle Vorhaben beim Bau von Kitas und rechtliche Probleme mit den vorhandenen Baulücken verzögern den Wohnungsbau.

„Kein Mann für eine Schublade“ – so stellte Moderatorin Corinna Mielke den ehemaligen Staatsminister des Innern, Günther Beckstein, vor. Der schmunzelt dann einige Erinnerung weg. Er hat mit vielen Freunden gestritten und diskutiert. Und Renate Schmidt? „Es war das erste Mal, dass wir Angst vor ’nem Sozi hatten.“

Immer wieder kommt Beckstein auf die Debattierfähigkeit zu sprechen, die den Gegner einschließt. Er sei deswegen auch „nahe bei Scholz“ hinsichtlich des Umgangs mit Putin. Letzterer kenne keine Niederlagen, darum sei Scholz’ zurückhaltende Politik nötig.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen: