„Riesenprojekt“
Gemeinderat Dormitz lehnt 35 Hektar großen Solarpark mehrheitlich ab
Das Gelände östlich von Dormitz bei der Seelaufuhre, auf dem ein Münchner Unternehmen einen Solarpark errichten möchte.
Das Gelände östlich von Dormitz bei der Seelaufuhre, auf dem ein Münchner Unternehmen einen Solarpark errichten möchte.
Foto: Karl Heinz Wirth
Dormitz – Ein international tätiges Münchner Unternehmen will in der Gemeinde Dormitz eine Solaranlage bauen. Dieses Bauvorhaben führte bei der ersten Sitzung 2...

Ein international tätiges Münchner Unternehmen will in der Gemeinde Dormitz eine Solaranlage bauen. Dieses Bauvorhaben führte bei der ersten Sitzung 2022 im Ratsgremium der Gemeinde zu kontroversen Diskussionen.

Bürgermeister Holger Bezold (FW) erläuterte den Räten, dass das Unternehmen die Errichtung eines vollständig subventionsfreien Solarparks in Dormitz realisieren wolle. Das Interesse fokussiere sich dabei auf ein circa 30 bis 35 Hektar großes Gebiet östlich der Seelaufuhre in Dormitz. Mit einem ähnlichen Bauvorhaben, allerdings in einer kleineren Version, hatte sich der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr befasst und diese dann mehrheitlich abgelehnt.

„Beitrag zur Energiewende“

Bezold wies darauf hin, dass durch das neu gefasste Erneuerbare-Energien-Gesetz die Gemeinde finanziell am Stromverkauf beteiligt werde. Ferner werde sie mit 90 Prozent an der Gewerbesteuer beteiligt. Auch wenn für die Umsetzung des Projekts die Grundstückseigentümer überzeugt und gefragt werden müssten, die Bauleitplanung mit dem Bebauungsplan „Sondergebiet Solarpark“ und die Änderung des Flächennutzungsplans erheblichen Aufwand erforderten, schaffe die Gemeinde damit einen Beitrag zur Energie- und Klimawende und durch regelmäßige Einnahmen einen erheblichen Mehrwert. „Die regionale und bürgernahe Umsetzung von Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien ist Ziel des Unternehmens“, umriss Bezold die Freiflächenanlage.

Gemeinderätin Christine Bänsch (FW) machte in der Diskussion deutlich, dass sie gegen diese Anlage ist. Dabei wies sie darauf hin, dass es sicherlich in Dormitz genügend Dachflächen sowie versiegelte Flächen gebe, die erst genutzt werden sollten.

„Dormitzer Flur zu klein dafür“

Bezold machte noch einmal deutlich, dass der Gemeinderat nur darüber entscheiden solle, ob man auf gemeindlicher Ebene etwas zum Klimaschutz beitragen könnte. Das heiße nicht, dass heute über einen Solarpark entschieden werden soll.

Stefan Kammermeyer (CSU) hielt die Idee einer Freiflächenanlage für gut, jedoch sollte man erst mit den Eigentümern sprechen, ob sie ihre Flächen dafür zur Verfügung stellen würden. Kammermeyer erachtete auch die Dormitzer Flur als zu klein für einen so großen Solarpark.

Für Katja Walcher (CSU) ist es ein „Riesenprojekt“, doch zum Gelände fehlten ihr noch viele umfassende Informationen. Sie fragte, ob man jetzt schon darüber einen Grundsatzbeschluss fassen müsse.

Der Bürgermeister betonte noch einmal, das Gremium solle Informationen aus erster Hand erhalten. Doch dazu müsse der Gemeinderat wissen, ob er etwas zum Klimaschutz beitragen will oder nicht.

Andreas Rehm (FW) selbst Landwirt und Eigentümer im geplanten Gebiet, ist nicht einverstanden damit, dass in der Gemeinde eine Solarwüste mit einer Größe von 35 Hektar entsteht. „Wir sollen mehr Bio anbauen und gleichzeitig Flächen für erneuerbare Energien bereitstellen?“ Beides ist für ihn widersprüchlich. „Deshalb bin ich generell dagegen, denn für das fragliche Gelände fehlt jedes Konzept einer naturverträglichen Bewirtschaftung“, sagte Rehm. Die Wortmeldungen aus dem Gremium unterstützten diese Betrachtungsweise.

Mit 9:4 Stimmen abgelehnt

„Wir müssen dieses Projekt nicht mit aller Macht durchsetzen, wenn die Akzeptanz dafür fehlt“, erklärte Bezold. „Der Gemeinderat sollte allerdings stets im Sinne des Allgemeinwohls für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Gemeinde entscheiden.“

Das Gremium lehnte nach ausführlicher Diskussion das Projekt für den Ausbau von Solarenergien in Dormitz mit 9:4 Stimmen ab.

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