Justiz
Im Strudel übelster Beleidigungen
Forchheim – Dass es nicht besonders klug ist, allerlei Beleidigungen per Sprachnachricht zu versenden, auf dass man sie Monate später noch anhören kann, das musst...

Dass es nicht besonders klug ist, allerlei Beleidigungen per Sprachnachricht zu versenden, auf dass man sie Monate später noch anhören kann, das musste ein 38-jähriger Mann aus Forchheim erfahren. Am Amtsgericht Bamberg kosteten ihn die verbalen Ausraster vom September 2020 nun glatte 900 Euro. Dabei war er zuvor selbst heftig angegangen worden.

"Du Drecks-Zigeuner. Hitler hat vergessen, dich zu vergasen." Für B. ist das der Satz, der das Fass zum Überlaufen bringt. Schließlich ist eine ganze Reihe seiner Familienmitglieder während des Zweiten Weltkriegs in den Todesfabriken wie Auschwitz-Birkenau oder Kulmhof einem Völkermord zum Opfer gefallen. "Samudaripen", also die "Ermordung aller", heißt die planmäßige Vernichtung rund einer halben Million "Zigeuner". Mit diesem abfällig gemeinten Begriff sind die westeuropäischen Sinti und die osteuropäischen Roma gemeint.

Demütigende Worte

"Die Nazi-Zeit haben wir doch hinter uns", ärgert sich B. Solch demütigende Worte verlangen aus seiner Sicht eine deutliche Erwiderung. Die folgt mit einer Vielzahl an Sprachnachrichten. Seinen Bekannten aus dem Landkreis Bamberg nennt er wahlweise "Penner" oder "kleiner Hurensohn" und "Möchtegern-Junkie".

Damit der "Freund" auch gleich weiß, was ihn erwartet, sollten die beiden sich über den Weg laufen, droht B. auch gleich: "Ich schlag dich windelweich", "Ich breche dir die Knochen", "Ich trete dich zu Scheiße" oder "Das war dein Genickbruch". Immerhin habe sein "Freund" ihm auch Fotos mit Messern geschickt und dazu geschrieben, wenn das nicht reiche, gebe es immer noch neun Millimeter, erklärte B. Dieses "Hin und Her", wie es seine Rechtsanwältin Shanti Ray-Vo igt aus Forchheim nannte, sowie sein Geständnis und der nicht erschienene "Freund", der nicht gegen B. aussagen wollte, ersparten diesem letztlich eine Bewährungsstrafe.

Mit einem Schlüssel fing es an

Dabei drehte sich der ganze Zwist um einen mickrigen Wohnungsschlüssel. Den hatte B. ausgeliehen, aber auch nach mehrmaliger, durchaus drastischer Aufforderung nicht zurückbekommen: "Als ich ihn anrief, da wurde er frech." Schließlich musste B. sogar einen Schlüsseldienst beauftragen, damit er wieder in seine eigenen vier Wände kommt. Als Hartz-IV-Empfänger tun ihm die 350 Euro dafür sehr weh, zumal er sich die Summe bei seiner Mutter leihen muss. B. rächt sich auf seine Weise, indem er die Rotlicht-Vergangenheit der Ehefrau seines "Freundes" ausplaudert: "Sie war früher anschaffen."

Schon öfter vor Gericht

Freilich wird im Laufe des Verfahrens auch klar, dass B. ein ernsthaftes Problem damit hat, sich unter Kontrolle zu halten und nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Seit fast 15 Jahren ist er immer wieder zu Gast vor dem Amtsgericht Forchheim.

Mal geht es um Vermögensdelikte wie Betrug oder Diebstahl, dann um Verkehrssachen wie Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Fahren ohne Haftpflichtversicherung. Zumeist aber handelt es sich um Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, üble Nachrede, versuchte Erpressung und vorsätzliche Körperverletzung. Einmal beschäftigt sich sogar das Amtsgericht Bayreuth mit einer Drogengeschichte.

Am Ende verhängte Strafrichter Florian Kratzer wegen der Beleidigungen eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à zehn Euro. "Da waren schon gravierende Worte dabei", konstatierte er. Die Bedrohungen waren von der Staatsanwaltschaft Bamberg freilich schon gar nicht mehr angeklagt worden. Auch die Kosten des Verfahrens bleiben an B. hängen.

Arbeitslos und verschuldet

Ob das Geld allerdings irgendwann in die Staatskasse gelangen wird, darf angesichts der schon länger andauernden Arbeitslosigkeit B.'s, seiner gravierenden gesundheitlichen Schwierigkeiten und der mehr als 250 000 Euro Schulden, die er in seinem Leben angehäuft hat, mehr als bezweifelt werden.

"Ersatzfreiheitsstrafe" droht

Falls ein Gerichtsvollzieher auf absehbare Zeit erfolglos bleiben wird, muss B. die Geldstrafe notfalls 90 Tage lang als "Ersatzfreiheitsstrafe" absitzen. Das muss dann aber die Staatsanwaltschaft in die Wege leiten.