Kein Platz für Wohnmobile
Der Kellerwald-Parkplatz Pretzfeld unterhalb vom Pretzfelder Keller ist einer der beiden von der Verwaltung ausgemachten möglichen Wohnmobilstellplätze.
Der Kellerwald-Parkplatz Pretzfeld unterhalb vom Pretzfelder Keller ist einer der beiden von der Verwaltung ausgemachten möglichen Wohnmobilstellplätze.
Foto: Steffen Lipfert
Pretzfeld – Ablehnung  Der Marktgemeinderat Pretzfeld hat sich bei seiner jüngsten Sitzung gegen ein Wohnmobilstellplatzkonzept entschieden.

Bürgermeister Steffen Lipfert (FW) hatte den Marktgemeinderat vor der Sitzung darüber informiert, dass die Integrierte Ländliche Entwicklung „Fränkische Schweiz aktiv“ aufgrund des enormen Zuwachses von Wohnmobiltourismus und damit verbundenen negativen Erfahrungen der Bürger durch widerrechtlich abgestellte Wohnmobile ein Wohnmobilkonzept in Auftrag gegeben habe. Durch neu ausgewiesene Stellplätze soll eine Besucherlenkung erwirkt werden und die Gemeinden sollen an der Wertschöpfung dieser Art von Tourismus teilhaben können.

„Das sind immerhin etwa 50 Euro pro Person, die am Tag in der Gemeinde bleiben“, ergänzte Lipfert. Weiter erklärte er: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, ein weiteres Leader-Projekt anzustoßen. Hiermit kann die Gemeinde den Tourismus fördern.“ Außerdem zeigte er deutlich auf, dass es sich bei diesem Beschluss nur um eine Interessensbekundung handle. Leader sei ein staatliches Förderprogramm, um die Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhalten, das Miteinander zu stärken und die Zukunftsqualität von Dörfern zu sichern.

Zwei mögliche Standorte ermittelt

Die Verwaltung hatte zwei gemeindliche Flächen ermittelt, die zu Wohnmobilstellplätzen umfunktioniert werden könnten: Parkplätze am Kellerwald und am Festplatz in Wannbach.

Lipfert rechnet mit einer Zunahme des Wohnmobiltrends und schlug vor, am Kellerwaldparkplatz Anschlüsse einzurichten. In Wannbach seien diese bereits vorhanden. „Wir sind schließlich einer von 100 Genussorten“, fügte er hinzu.

„Das hört sich alles erst mal schön an“, meinte Marktgemeinderat Gerhard Mühlhäußer (CSU/BB). Doch seien in der Gemeinde genügend wichtige Aufgaben für die nächsten Jahre vorhanden. Er erachtete den Wohnmobil-Trend als pandemiebedingt. Die Gemeinde solle nicht in Panik verfallen und jetzt Parkplätze ausweisen, die dann an anderer Stelle fehlen würden. Den Standort Wannbach lehne er ab, da der Platz für die Dorfgemeinschaft erstellt worden sei und unter anderem von der Feuerwehr zu Übungszwecken genutzt werde.

Marion Heinlein (FW) sprach sich für das Konzept aus, denn das wilde Parken der Wohnmobile ärgere die Bürger.

Walther Metzner (WPA) wies darauf hin, dass der Kellerwaldparkplatz sehr frequentiert werde. Man solle dort die Tagestouristen parken lassen. Außerdem habe er Sorgen wegen der Kosten für das Anlegen und Pflegen der notwendigen Infrastruktur.

Zum Geschäftverrichten in den Wald

Gerhard Kraft (FW) glaubt nicht, dass die Eigentümer von Wohnmobilen diese gleich wieder verkaufen werden. Er war der Ansicht, dass man das Konzept unterstützen solle.

Bürgermeister Lipfert berichtete, dass der Pächter vom Pretzfelder Keller, Mike Schmitt, bereits bei „Landvergnügen“, einem Stellplatzführer für Wohnmobile, Wohnwagen und Campingbusse, Werbung mache. Auch gebe es positive, aber auch schlechte Bewertungen beim Stellplatzführer „park4night“. Hier beschwere sich jemand, dass mindestens zehn weitere Mobile im Juni dort geparkt hätten: „Morgens ist gefühlt die Hälfte der Übernachtungsgäste zum Geschäftverrichten im Wald verschwunden.“

Dazu meinte Lipfert: „Wenn wir nichts machen, wird das so weiter genutzt wie bisher. Jetzt haben wir eine Fördermöglichkeit über Leader und könnten etwas tun.“

Kosten für Anschaffung und Unterhalt

Walther Metzner sagte, dass man, um das „Wildpinkeln“ zu verhindern, eine Toilette aufstellen müsse. Das koste Geld für Anschaffung und Unterhalt: „Das ist ein irrer Aufwand, die zu erhalten. Man kann doch nicht so blauäugig sein und glauben, dass andere weiterfahren, wenn die Stellplätze belegt sind. Die stellen sich dann einfach so hin.“

Gerhard Mühlhäußer meinte, dass man übers Ziel hinausschießen würde. Man solle lieber den Nahverkehr und das Wegenetz fördern, damit die Gäste mit dem Zug anreisen könnten.

Der Bürgermeister forderte das Gremium auf, sich für oder gegen ein Wohnmobilstellplatzkonzept auszusprechen. Mit sechs Gegenstimmen wurde dieses dann abgelehnt.