Modellprojekt stößt auf Interesse
Das autonome Schienenfahrzeug vor dem Walberla
Das autonome Schienenfahrzeug vor dem Walberla
Foto: Andreas Vogler Studio
LKR Forchheim – Nahverkehr  Autonom fahrende Züge im Wiesenttal? Die Initiatoren stellten ihr Vorhaben in Ebermannstadt vor.

Kann das autonome Bahnfahren eine Chance sein, den ländlichen Raum endlich vom Pendlerstau zu befreien und den Anschluss an die Metropolregion zu bekommen? Im Rahmen der Klimawoche Forchheim wurde dies jetzt in Ebermannstadt bei einer Podiumsdiskussion diskutiert. Wobei die Teilnehmer ein konkretes Projekt vor Augen hatten: die Wiesenttalbahn.

Mit ihr hatten sich Andreas Vogler und Robert Künzler, die die Diskussion moderierten, vor allem deshalb beschäftigt, weil die Strecke als Teststrecke für ihr Modellprojekt „Bahnautonom Bayern 2029“ dienen soll, die das künftige technische und wirtschaftliche Potenzial des digitalisierten und hochautomatisierten Fahrens im Bahnbetrieb auf Nebenstrecken aufzeigen soll. Technisch betrachtet, besteht der grundlegende Ansatz von „Bahnautonom Bayern2029“ demnach darin, in erster Linie das Fahrzeug und nicht Strecke und Stellwerke zu automatisieren.

Die Vorstudie zeigt unter anderem auf, wie auf der weiterführenden Bahnstrecke von Ebermannstadt nach Forchheim das Fahrplanangebot durch autonom fahrende Züge wesentlich verbessert und die Anbindung an das S-Bahn-Netz der Metropolregion Nürnberg erreicht werden kann.

Mehr als 40 Gäste waren gekommen, um Vogler und Künzler kennenzulernen. Bei der Begrüßung würdigte Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer das Projektteam für das Engagement und die Art, Zukunft neu zu denken. Das Projekt mit einem autonom fahrenden Schienenfahrzeug biete die Chance für die Fränkische Schweiz, zur Modellregion einer nachhaltigen Verkehrswende auf dem Land zu werden und eine bessere Anbindung an die Metropolregion Nürnberg zu schaffen.

Laut Prof. Cichon von der TH Nürnberg geht es dabei nicht nur um die technische Realisierbarkeit, sondern auch um die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auf dem Land. Agilis-Geschäftsführer Axel Hennighausen als Betreiber sieht vor allem die Chance, in den Randstunden das Angebot auszubauen.

Die Bürgermeister der Gemeinden im Wiesenttal hoben die Problematik der Mobilität für die Bevölkerungsgruppen ohne Führerschein und die Staubelastung in ihren Kommunen hervor, die durch neue Umfahrungstrassen auch nur an andere Stellen verlagert werden.

Und für Ministerialrat Schell vom Bayrischen Verkehrsministerium gilt es, den Spagat zu schaffen, durch Digitalisierung die Zukunft der Nebenbahn langfristig zu sichern, ohne den heute dringend gesuchten Triebfahrzeugführern die Zukunftsperspektive ihres Berufes zu nehmen.

Als nächste Schritte sind die Gründung einer Projektgesellschaft und Gespräche mit der Industrie vorgesehen, um im Rahmen von Joint Ventures und Forschungsförderung das Projekt Bahnautonom Bayern 2029 noch vor Ende dieses Jahrzehnts zu vollenden. red