Forchheim
Radioaktive Belastung entfällt
Chefarzt Stefan Weingärtler arbeitet mit dem Sentimag-Gerät zur Lokalisation der Wächterlymphknoten (im Klinikum herrscht weiterhin Maskenpflicht).
Chefarzt Stefan Weingärtler arbeitet mit dem Sentimag-Gerät zur Lokalisation der Wächterlymphknoten (im Klinikum herrscht weiterhin Maskenpflicht).
Foto: Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz

Die Frauenklinik am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz verwendet ein neues Verfahren zur Markierung der Wächterlymphknoten bei Brustkrebserkrankungen, das sogenannte Sentimag-Verfahren.

Stefan Weingärtler, Chefarzt der Frauenklinik, erläutert die Vorteile: „Nach der Diagnosesicherung der Brustkrebserkrankung werden die Achsellymphknoten begutachtet mittels Tastbefund und Ultraschall. Bei der anschließenden Brustkrebsoperation entnehmen wir zum einen den Tumor und zum anderen standardmäßig Lymphknoten im Achselbereich. Heutzutage entfernen wir eigentlich nur den Wächterlymphknoten. Der muss während der Operation untersucht werden.“ Der Wächterlymphknoten gibt Auskunft über Metastasenbefall.

Als Wächterlymphknoten (engl. sentinel lymph node) werden diejenigen Lymphknoten bezeichnet, die im Abflussgebiet der Lymphflüssigkeit eines bösartigen Tumors an erster Stelle liegen. Wenn sich in diesen Knoten keine Tumorzellen mit dem Lymphfluss angesiedelt haben, finden sich höchstwahrscheinlich auch keine Metastasen in der Umgebung, die anderen Lymphknoten müssen also nicht entfernt werden. Ödeme oder „dicke Arme“ werden vermieden.

Markierung mit radioaktivem Material

Bei dem Sentinel-Node-Biopsieverfahren werden die Lymphknoten vor der Operation markiert, bisher mit Technetium. Dieses radioaktive Präparat wird vom Nuklearmediziner eingespritzt, lagert sich im Wächterlymphknoten an und wird mittels einer Gammasonde gefunden und lokalisiert. Aufgrund der begrenzten Halbwertzeit der radioaktiven Substanz musste der Eingriff immer einen Tag vor der geplanten Operation erfolgen. Beim Sentimag-Verfahren wird zur Markierung ein Eisenpräparat anstatt des radioaktiven Materials verwendet.

Zeitliche Unabhängigkeit

Den Vorteil dieses schonenden Verfahrens sieht Stefan Weingärtler laut Pressemitteilung des Klinikums in der größeren zeitlichen und örtlichen Unabhängigkeit: „Die Einspritzung kann sieben Tage oder 20 Minuten vor der Operation erfolgen, und der Operateur kann diese selbst durchführen. Ein Besuch in der Nuklearmedizin erübrigt sich für die Patientin. Es kommt zu keiner radioaktiven Belastung.“ Auch der stationäre Aufenthalt im Krankenhaus verkürze sich.

In der Regel wird das Präparat vor der Operation eingespritzt, während der Narkose werden dann die markierten Lymphknoten durch eine Sonde detektiert und entfernt. Mit Hilfe einer Schnellschnittuntersuchung überprüft ein Pathologe das Gewebe, und die Operateure erfahren noch während der OP, ob die Lymphknoten befallen sind oder nicht. Wenn mehr als ein mikroskopischer Befall ersichtlich ist, werden die Lymphknoten komplett entfernt, um Metastasen auszuschließen. „Wir steigen jetzt komplett auf das Sentimag-Verfahren um bei Brustkrebs-OPs und zum Teil bei Schamlippenkrebserkrankungen, weil die betroffenen zehn Frauen, bei denen wir die neue Methode bisher angewandt haben, begeistert von der zeitlichen Unabhängigkeit sind. Mit dem radioaktiven Technetium-Marker musste aufwendig ein Termin beim Nuklearmediziner vereinbart werden und die Patientin genau einen Tag vor der Operation mit dem Taxi oder von einem Familienmitglied hin- und hergefahren werden – auch eine psychische Belastung. Das ersparen wir jetzt unseren Patientinnen“, unterstreicht der Chefarzt Stefan Weingärtler. red

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