Kreisjugendausschuss
„Sehr, sehr überrascht“ über die Schulschließung unter der Woche
Forchheim – Eine breite Diskussion löste am Ende der Sitzung des Jugendhilfeausschusses ein „Appell“ von Reiner Büttner (SPD) aus. Bei allem Verständnis für den Z...

Eine breite Diskussion löste am Ende der Sitzung des Jugendhilfeausschusses ein „Appell“ von Reiner Büttner (SPD) aus. Bei allem Verständnis für den Zwang zu schnellen Entscheidungen war er „sehr, sehr überrascht“ über die Schulschließung unter der Woche am dritten Tag nach den Ferien. Damit sich Leute an Regeln hielten, so folgerte er, müsse man sich auch beim Aufstellen der Regeln an die eigenen Vorgaben halten.

„Alle Regeln wurden eingehalten“, konterte Landrat Hermann Ulm (CSU). Es sei eine rein fachliche Entscheidung gewesen. Es sei keine Differenzierung zwischen Grund- und weiterführenden Schulen vorgesehen und die weiterführenden wollten nicht länger zuwarten, als die Inzidenzzahlen anstiegen.

Frithjof Dier (Geschäftsbereichsleiter kommunale/soziale Angelegenheiten) ergänzte, es habe sich um eine „absolute Ausnahmesituation“ gehandelt. Das Robert-Koch-Institut habe selbst darauf hingewiesen, dass wegen der Feiertage die Zahlen am Freitag nicht belastbar seien. Kinder seien durch die englische Mutante deutlich ansteckender. Am Montag und Dienstag mussten vier Schulklassen und eine Kitagruppe in Quarantäne geschickt werden.

Daniela Drummer, die Konrektorin der Schule in Igensdorf, brachte die Probleme aus Sicht der Kinder zur Sprache: „Sie brauchen Kontinuität.“ Derzeit seien die vierten Klassen in der Schule, objektiv bräuchten aber die ersten und zweiten Klassen mehr Präsenzunterricht. Dem stehe, so Dier, die Infektionsschutzverordnung entgegen, die keine Differenzierung nach Schularten und Klassenstufen vorsehe.

Wolfgang Badura von der Lebenshilfe-Förderschule verwies auf die logistischen Probleme. 15 Buslinien aus dem ganzen Landkreis bringen seine Schüler ins Haus. „Wir müssen operativ denken; deshalb ist der Freitagtermin für uns nötig.“ Ulm hofft, dass keine solche unglückliche Situation mehr auftritt.

Planung der Jugendhilfe

Martin Hempfling stellte die Jugendhilfeplanung für 2021 bis 2026 vor. Seit 1996 wird diese Planung im Landkreis fortgeschrieben. Diesmal, so Hempfling, müsse man auch die Folgen der Corona-Pandemie in den nächsten Jahren im Auge haben. Alle begonnenen Projekte werden fortgeführt, insbesondere die zwei Familienstützpunkte.

Derzeit läuft eine Befragung der Eltern zur Kindertagesbetreuung. 6400 Befragungsunterlagen mit weiterem Informationsmaterial zur Tätigkeit und den Angeboten des Jugendamts wurden verschickt. „Wir müssen stärker inklusiv und sozialraumorientiert planen“, erläuterte der Amtsleiter.

Reiner Büttner empfahl wegen der Pandemiefolgen, einen Arbeitskreis zu gründen, um Erfahrungen austauschen zu können. Der Landrat will das Thema in einer Ausschusssitzung beraten und „dann weiterschauen“. Nach Hempfling handelt es sich um ein „Querschnittsthema“. Er riet dazu, befristete Arbeitsgruppen zu Einzelpunkten ins Leben zu rufen. Einen solchen Punkt sprach Lisa Hoffmann (Arbeiterwohlfahrt) an.

Bis Mai müssten Eltern ihre Kinder für die Offene Ganztagsbetreuung anmelden. Sie wüssten derzeit aber nicht, was sie machen sollten. Denn die Gruppen werden im Herbst kleiner sein müssen. Durch die Unsicherheiten sieht Hofmann die ganze aufgebaute Struktur gefährdet.

Mehr Sozialarbeit an Schulen

Die Jugendsozialarbeit an Schulen wird im Kreis gestärkt. Dazu erhält die Martinschule in Forchheim eine Stundenaufstockung, und an der Realschule Gräfenberg wird eine Stelle geschaffen. Der Antrag dazu stammt schon von 2019, aber 2020 hatte der Freistaat keine höheren Mittel zur Verfügung gestellt. Insgesamt gibt es im Kreis zehn Stellen für innerschulische Sozialarbeit. Zur Finanzierung werden aus der Kreiskasse rund 43 000 Euro zur Verfügung gestellt. Der große Rest kommt vom Staat.

Da es im Juni 2020 keine Erhöhungen des Pflegegelds für Tagesmütter und Pflegeeltern gab, erhöhen sich nun die Sätze rückwirkend zum 1. Januar. Bei Tagesmüttern steigt das monatliche Entgelt für Kinder unter drei Jahren von 647 Auf 702 Euro, für über Dreijährige von 544 auf 575 Euro.

Ein Online-Qualifizierungskurs für neue Tagesmütter ist in diesem Jahr schon mit sechs interessierten Frauen gelaufen. Nach den bisherigen Erfahrungen wie Wegzüge und Ähnliches werden zwei bis drei bleiben, so dass diese allseits gelobte Versorgungsform aufrechterhalten werden kann.

126 Kinder befinden sich derzeit im Landkreis in Vollzeitpflege; etliche davon sind bei Verwandten. Dagegen sind nur 59 in Heimen und stationären Einrichtungen untergebracht. Die Zahlen steigen, berichtete Hempfling. Die Gründe dafür seien mangelnde Erziehungsfähigkeit, nicht zuletzt ausgelöst durch Suchtproblematiken bei den Eltern, und psychische Beeinträchtigungen.

Die Kosten für Pflegefamilien sind deutlich geringer als die für Heime, wo bis zu 7000 Euro im Monat anfallen. Entsprechend den Empfehlungen des Städtetags erhöhte der Kreis einstimmig die Pflegepauschalen. Sie liegen je nach Alter zwischen 917 und 1187 Euro. Auf die Kreiskasse kommen Mehrausgaben von rund 22 000 Euro zu.

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