Unternehmer kauft Bildungshaus
Die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte in Obertrubach schrieb zuletzt coronabedingt große Defizite.
Die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte in Obertrubach schrieb zuletzt coronabedingt große Defizite.
Foto: Barbara Herbst/Archiv
Obertrubach – Immobilie  Das Erzbistum Bamberg hat die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte in Obertrubach veräußert. Aus dem Gemeinderat kommt heftige Kritik am Vorgehen der Kirche.

Die Ankündigung des Stiftungsrates der Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte Obertrubach Anfang 2021, die weithin bekannte Einrichtung der Erzdiözese Bamberg Ende 2021 für immer zu schließen, sorgte nicht nur in Obertrubach im letzten Jahr für Aufregung. Seit 9. Dezember hat die Bildungsstätte einen neuen Besitzer, wie unsere Zeitung nun erfahren hat.

Der neue Eigentümer ist der Unternehmer Werner Bauer aus Geschwand, der in Ottenhof in der Marktgemeinde Plech eine Firma für Nutzfahrzeuge betreibt. Wie Bauer auf Anfrage bestätigt, wurde der Kaufvertrag zwischen dem Erzbistum und ihm am 9. Dezember notariell abgeschlossen. Über den Kaufpreis schweigt sich Bauer aus.

Gerüchte im Ort

Zu Gerüchten, die in Obertrubach kursieren, das Ganze hätte ein bis zwei Millionen Euro gekostet, sagt Bauer, das so etwas für diesen Preis nicht zu haben sei. Auch einem weiteren Gerücht, die Bildungsstätte mit sämtlichem Areal hätte gar elf Millionen Euro gekostet, erteilt der Unternehmer eine Absage. Er spricht aber von mehreren Millionen.

Ebenso widerspricht er dem Gerücht, dass er aus der einstigen Bildungsstätte nun ein „Asylantenheim“ machen wolle. „Das ist alles Unsinn“, sagt Bauer. Zunächst habe er die Einrichtung als Geldanlage, als „Betongold“ erworben. Was daraus einmal werden soll, wisse er noch nicht genau. „Jedenfalls keine touristische Einrichtung, sondern etwas im sozialen Bereich“, erklärt der neue Eigentümer. Bauer denkt etwa an ein Altenheim oder an betreutes Wohnen in Zusammenarbeit mit einem Träger wie beispielsweise dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Im Frühjahr soll erst einmal eine Begehung mit Fachleuten stattfinden. „Dann sehen wir weiter“, sagt Bauer. Jedenfalls solle es nicht zum Nachteil der Gemeinde sein. Der Gemeinderat könne, wenn er wolle, auch weiterhin seine Sitzungen in einem der Seminarräume abhalten. Für private Feiern stehe das Haus jedoch nicht zur Verfügung.

Vor längerem hatte Bauer in Obertrubach schon das Gemeinschaftshaus der ehemaligen Kettelersiedlung gekauft, um Wohnungen daraus zu machen. Fünf Wohnungen sind bereits fertig, informiert Bauer. Letzte Woche fand die Schlüsselübergabe statt, zu der auch Bürgermeister Markus Grüner (CSU) eingeladen war. Er war jedoch verhindert.

Wie Grüner betont, sei er persönlich und vor allem für die Gemeinde froh, dass die Gebäude nicht leer stehen, weil sie ja dann nicht besser werden. Er freue sich auch, dass die Nutzung im Interesse der Gemeinde sein werde.

Trotz mehrmaliger Nachfragen

Kritik kommt jedoch von Gemeinderäten: nicht am neuem Eigentümer, sondern an der Kirche. Diese hätte ohne jegliche Rücksprache und konzeptionelle Idee trotz mehrmaliger Nachfragen das Bildungshaus verkauft, sagt Roland Wölfel. „Damit hat die Kirche in Bamberg in Obertrubach alles, was von den Bürgern zum Teil mit Hand- und Spanndiensten aufgebaut wurde, verscherbelt. Die Gemeinderäte sind durchweg vom Bistum enttäuscht“, bekundet Wölfel.

Der Dritte Bürgermeister Stefan Lang spricht gar von einer „Riesensauerei“. Jahrelang sei die Gemeinde von der Kirche hingehalten worden. Lang erinnert an die Vorgeschichte, an die 1950er Jahre, als der damalige Pfarrer Grieb das Marienheim bauen ließ, in dem eine Hauswirtschaftsschule und später dann der katholische Kindergarten untergebracht waren. Dies hätten die Bürger damals mit sehr viel Herzblut mitgebaut, so Lang. Und nun würden sie so vor den Kopf gestoßen.

Lang betont ausdrücklich, dass er nichts gegen den neuen Besitzer habe, sondern er dies alleine als Kritik an der Vorgehensweise der Kirche verstanden wissen will. Er freue sich auf eine gute Zusammenarbeit mit Bauer.

Wirtschaftliche Schieflage

Der SPD-Kreisverband Forchheim hatte sich im letzten Jahr für einen Weiterbetrieb des Bildungshauses eingesetzt, notfalls unter einem neuen Träger. Die seit 1999 bestehende Bildungseinrichtung war aufgrund der Corona-Krise im vorletzten Jahr in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage geraten. So waren die Einnahmen aus betrieblicher Tätigkeit im Vergleich zu 2018 aufgrund der coronabedingten Ausfälle von 738 000 auf 234 000 um fast 70 Prozent abgefallen. Das Haus stand bei fortlaufenden Fixkosten in der Corona-Krise weitgehend leer.

Eigentlich wollte der Stiftungsrat das Haus bis Ende 2023 selbst weiterführen und dann gleitend in eine neue Trägerschaft übergeben. Wegen des entstandenen hohen Defizits zog der Stiftungsrat jedoch Anfang 2021 die Notbremse.

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