Interviews
„Bäume mit einem gelben Band dürfen gerne abgeerntet werden“
Haßfurt – Johannes Bayer, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege im Landkreis Haßberge, gibt in einem Interview hilfreiche Tipps rund um die Neuanlage ...

Johannes Bayer, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege im Landkreis Haßberge, gibt in einem Interview hilfreiche Tipps rund um die Neuanlage und Pflege von Streuobstwiesen sowie finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und erklärt, welche Bäume geerntet werden dürfen.

Welche Aufgaben hat die Kreisfachberatung und welche Rolle spielt das Thema Streuobstwiese dabei?

Johannes Bayer: Die Aufgaben der Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege sind vielfältig und umfangreich. Wie der Name schon sagt, beraten wir die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gemeinden im Landkreis. Wir unterstützen und geben Empfehlungen für alle Themen rund um den Gartenbau als auch bei der Gestaltung innerörtlicher Bereiche, wie dem Dorfplatz oder dem Friedhof.

Die Themen Streuobst und Streuobstwiesen spielen bei uns eine wichtige Rolle. Wir setzen uns dafür ein, dass das Naturbewusstsein der Bevölkerung für die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen erhalten und gestärkt wird, so dass die Nachfrage nach Streuobst wieder steigt.

Die meisten Anfragen der Bürger beziehen sich auf Fragen rund um empfehlenswerte Sorten und auf die Anlage von Streuobstwiesen. Bei der Neuanlage von Streuobstwiesen stellen wir zum einen Sortenempfehlungen in Form einer Empfehlungsliste hinsichtlich des Standorts, gewünschte Verarbeitung, Reife, etc… aus. Je nach Bedarf helfen wir bei der Neuanlage von Streuobstwiesen mit einer Entwurfsskizze bis zur Übergabe der Empfehlungsliste mit, auch beraten wir, inwieweit die Fläche überhaupt für Streuobst geeignet ist. Die Pflanzung der Bäume übernehmen die Bürger, Bauhofmitarbeiter und Mitglieder der Gartenvereine, die im Herbst oder Frühjahr durchgeführt werden.

Und was würde nun als Nächstes auf der Streuobstwiese an Aufgaben anfallen?

Falls im Stammbereich noch nicht gemäht wurde, ist es jetzt allerhöchste Zeit dafür. Im Hochsommer benötigen die Streuobstbestände jedoch relativ wenig Pflege. In Hitzeperioden müssen die Jungpflanzen bewässert werden, und falls die Bäume zu viel Obst tragen, könnte man das kleinere Obst vereinzelt entfernen, um eine größere Fruchtbildung zu fördern. Ein Sommerschnitt ist nur bei Kirschbäumen oder sehr triebigen Bäumen sinnvoll.

Welche Veranstaltungen werden vom Kreisverband Gartenbau und Landespflege jährlich angeboten?

Die Streuobstexkursion ist ein persönliches Highlight im Jahr. Jedes Jahr sind wir eine Gruppe zwischen 30 bis 50 Leuten, die von einem Pomologen begleitet im Landkreis Streuobstwiesen besucht. Das Ziel der Exkursion ist es, nicht nur den Beteiligten einen tiefen Einblick in die Geschichte, Vielfalt und Schönheit von Streuobst(wiesen) zu ermöglichen, sondern auch unbekannte Flächen und Sorten zu bestimmen und zu entdecken. Dieses Jahr werden wir voraussichtlich am 1. Oktober in Kleinmünster sein. Anmelden kann man sich bereits jetzt schon für die Streuobstexkursion bei der Geschäftsstelle des Kreisverbandes. Falls Sie selbst eine unbekannte Obstsorte im Garten haben, können Sie diese direkt zur Bestimmung durch einen Pomologen mitbringen. Wichtig hierfür ist, dass Sie mindestens fünf Früchte einer Sorte mitnehmen. Auch zum Apfelfest in Ebern im Oktober sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Welche (finanziellen) Fördermöglichkeiten gibt es für Streuobstwiesenbesitzer?

Finanzielle Fördermöglichkeiten zur Neuanlage gibt es durch das relativ neue Förderprogramm FlurNatur, bei diesem können bis zu 75 Prozent der Kosten für Anlage und Planungsleistung bezuschusst werden. Der Mindestbetrag liegt bei 5000 Euro, während der Höchstbetrag von 60 000 Euro erreicht werden darf.

Privatpersonen, Verbände, Vereine des Naturschutzes und der Landschaftspflege als auch Kommunen haben bei der Neuanlage von Streuobstwiesen ebenfalls die Möglichkeit, die Förderung der Kosten bis zu 70 Prozent durch die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) zu nutzen. Der Antrag wird bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Haßberge gestellt. Pflegemaßnahmen von Streuobstbäumen können in Bayern über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) gefördert werden. Bei beiden Programmen läuft die Förderung über einen Verpflichtungszeitraum von fünf Jahren. Das VPN zahlt Landwirten für die fachgerechte Pflege pro Baum zwölf Euro im Jahr. Voraussetzung ist hier eine Stammhöhe von mindestens 1,40 Metern, während KULAP die Landwirte mit acht Euro pro Baum jährlich fördert.

An welchen Bäumen darf ich mir eigentlich (kostenlos) Früchte nehmen?

Da ist die Aktion „Streuobst für alle“ der Gemeinden und des Landkreises: Bäume, die im Landkreis mit einem „gelben Band“ gekennzeichnet sind, dürfen und sollen gerne abgeerntet werden.

Auf der Homepage unter

https://mundraub.org/ findet man eine Übersicht der Obstbäume im Landkreis (und darüber hinaus), deren Früchte ebenfalls geerntet werden können.

Und die Streuobstbörse des Kreisverbandes für Gartenbau in Kooperation mit Bund Naturschutz vermittelt Personen, die ihr Obst anbieten, und Personen, die auf der Suche nach Obst sind. red