Kirche
Königsberg gedenkt eines standhaften Bekenners des protestantischen Glaubens
Auf einem Fensterbild im Chorraum der Marienkirche in Königsberg ist Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar zu sehen.
Auf einem Fensterbild im Chorraum der Marienkirche in Königsberg ist Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar zu sehen.
Foto: Gerold Snater
Königsberg in Bayern – In der Marienkirche in Königsberg sind im Altarraum einige farbenprächtige Glasfenster zu sehen. Alle sind Stiftungen aus der Umbauphase der Kirche zu...

In der Marienkirche in Königsberg sind im Altarraum einige farbenprächtige Glasfenster zu sehen. Alle sind Stiftungen aus der Umbauphase der Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eines dieser Bilder hat für Königsberg eine besondere Bedeutung, denn es zeigt Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar, der sich vor vielen Jahren mit Königsberg sehr verbunden fühlte.

Zu seinen Ehren wird jedes Jahr am 27. Januar in der Marienkirche ein besonderer Gottesdienst zelebriert, der von den geschichtskundigen Königsbergern als Herzog-Wilhelm-Kettenfeier genannt wird. Er findet am Donnerstag um 18.30 Uhr statt.Viele Königsberger wissen aber nicht genau, was der eigentliche Hintergrund ist.

Militärische Laufbahn

Sie erinnert an Herzog Wilhelm, der am 11. April 1598 in Altenburg geboren wurde und ein Spross des Herzogshauses Sachsen-Weimar war. Zum Besitz dieses Hauses gehörten zu dieser Zeit auch Königsberg und rund 32 Dörfer, die dem damaligen Herzog Johann Ernst IV. untertan waren. Während sich dieser mehr um die Verwaltung kümmerte, beschritt sein Bruder Wilhelm die militärische Laufbahn.

Durch den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 entstand im 16. Jahrhundert viel mehr, als sich der Mönch und Theologieprofessor seinerzeit hatte träumen lassen. Eigentlich war ihm daran gelegen, die römische Kirche zu verändern. Aber wenige historische Ereignisse haben nachhaltig so viel verändert wie die Reformation. Diese hatte das deutsche Volk in ein protestantisches und katholisches Lager gespalten.

In einzelnen Gebieten Deutschlands galt nur der Glaube, für den sich der Landesherr entschieden hatte. Diesen Glauben mussten auch die Bewohner des jeweiligen Gebietes annehmen. Das Weimarer Haus schloss sich als eines der ersten der Reformation an, und deshalb wurde auch Königsberg evangelisch.

Die evangelischen Fürsten fanden sich 1608 zur sogenannten „Union“ zusammen, die katholischen Fürsten zur „Liga“. Damit war, wie ein Chronist schreibt, der „erste Zunder des nachfolgenden 30-jährigen Krieges (1618-48) und anderer, darinnen entstandenen Unheils gelegt“.

Königsberg in der Klemme

Königsberg, welches sich der Union angeschlossen hatte, lag eingekeilt zwischen den zur katholischen Liga gehörenden Bistümern Bamberg und Würzburg. Darunter hatte Königsberg zu leiden. Während in den ersten Kriegsjahren des 30-jährigen Krieges schon bischöfliche Soldaten in Königsberg manchen Frevel verübt hatten, waren um 1632 rund 8000 Mannen unter der Führung von Tilly in der Stadt einquartiert.

In diesem Jahr wurde fast ganz Königsberg durch einen Stadtbrand ein Raub der Flammen. Eine Tafel am „Tilly-Haus“ am Salzmarkt in Königsberg erinnert noch heute an diese Katastrophe.

 Treu im Glauben

Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar nahm auf protestantischer Seite an diesem Religionskrieg teil. Dabei fiel er, in den Diensten des Herzogs von Braunschweig stehend, in die Hände des Feindes und wurde in Neustadt in der Steiermark in Festungshaft gelegt. Dort sollte ihm die Freiheit erst wiedergegeben werden, wenn er als Fürst von der erkannten Wahrheit abfallen, also zum katholischen Glauben übertreten würde. Herzog Wilhelm blieb jedoch seinem Glauben treu. Am 27. Dezember 1624 wurde er unter der Bedingung, dass er nicht mehr zum Schwert greift, wieder auf freien Fuß gesetzt. Gleich nach seiner Freilassung kündete er dem Amtmann von Königsberg seinen baldigen Besuch an und zeigte dadurch seine tiefe Verbundenheit mit dem „Castra Kunegesperch“, dass er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft zuerst nach Königsberg zurückkehrte, bevor er den Weg über Coburg nach Weimar nahm.

Am 25. Januar 1625 traf er hier gegen Abend ein, wo er von der Bevölkerung mit Begeisterung erwartet wurde. Ein Chronist berichtet: „Am Mittwoch Nachmittag hat der Herzog gebeichtet (...) und auf den folgenden Tag, als den 27. Januarie das Heilig-Abendmahl in Christlich-Fürstlicher Devotion und Andacht empfangen und diesen Tag als einen Dank- und Freudentag mit Vor- und Nachmittagspredigt celebrieret“.

Für sein Land war der standhafte Bekenner seines Glaubens später ein fürsorglicher Landesherr. Nicht zu vergessen, dass er 12 000 Gulden für die Stadt Königsberg stiftete von deren Zinsen alljährlich bis ungefähr 1770 ein Volksfest auf dem Schloßberg gefeiert wurde. Herzog Wilhelm starb 64-jährig am 17. Mai 1662 in Weimar.

Bis heute wird jedes Jahr in Königsberg in der Marienkirche „in Memoriam“ Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar ein Gottesdienst abgehalten.

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