St. Wendelin steckt voller Geheimnisse
Bramberg – Der Glaube steht für die Bramberger ebenso im Mittelpunkt wie die Kirche in ihrem Dorf. Das kleine Gotteshaus St.Wendelin erzählt Geschichte und birgt Überraschungen.

Eckehard Kiesewetter

Bramberg — Die Bramberger halten große Stücke auf ihre Kirche. Vor über 230 Jahren teils mit Steinquadern der zerstörten Burg erbaut, erinnern Schätze im Innern an die verschollene Magdalenenkapelle zu Vorberg (heutiger Friedhof). Den Bombenangriff aufs Dorf 1945 überstand das Kirchlein unbeschadet. Ein Wunder? St. Wendelin gibt dem katholisch geprägten Dorf bis heute Rätsel auf.

Da geht es um den Wert eines verborgenen Deckenfreskos, einer Himmelfahrtsszene aus dem Jahr 1911, wohl aus der Hand eines durchaus angesehenen Malers: Josef Huber aus dem österreichischen Feldkirchen. Bei einer Kirchenrenovierung in den 1960er Jahren wurde es übermalt. Der Stil des Historismus war nicht mehr angesagt. Zurück blieb der weiße Stuckrahmen und ein Foto des Freskos aus den 1940er Jahren, gefertigt von Pfarrer Georg Heelein. Später wurde laut Mesner Hubert Ankenbrand festgestellt, dass der weiße Anstrich das Gemälde zerstört habe - unwiederbringlich? So etwas weckt Mythen: Ist's ein Schatz, der mit heutigen Techniken und Geld doch noch geborgen werden könnte?

Im Dorf rätselt man obendrein, was aus dem Geläut von St. Wendelin geworden ist, laut Inschrift gegossen 1886 von Gebr. Klaus in Heidingsfeld. Im Zweiten Weltkrieg in Sicherheit gebracht, um zu verhindern, dass sie für die Waffenproduktion eingeschmolzen wurden, kehrten die Glocken nicht mehr an ihren Platz zurück. Stimmt das Gerücht, das Geläut sei auf unerfindlichen Wegen in die Marienkapelle Ebern gelangt?

Der FT forschte nach, kletterte mit Albert Kuhn, Eberner Kirchenpfleger mit Bramberger Wurzeln, in den Glockenturm der Marienkapelle. Tatsächlich hängen dort oben die Wendelini-Glocke und ihre Nachbarin aus der Bramberger Kirche. Wie beide Glocken den Weg dorthin fanden, bleibt rätselhaft. In Bramberg läuten seit 1959 Glocken, die Johannes Stühlein und Johannes Och stifteten.

"Johann Lorenz Hofmann, Uhrmacher, Dörflis, 1829" stand auf dem handbetriebenen Uhrwerk von St. Wendelin, das Ende der 1990er Jahre einen elektrischen Nachfolger erhielt. Eines Tages war das historische Läutwerk aus dem Turm verschwunden. Wieder eine Plünderung? Pfarramtssekretärin Gabi Morgenroth winkt ab: Um den Erhalt zu sichern, habe man das Läutwerk bei Ausbesserungsarbeiten vom Turm geholt und dem Bürgerverein in Ebern fürs Heimatmuseum vermacht.