Valeo-Mitarbeiter fordern Perspektiven
Quasi vor Valeo (Bildmitte), aber doch etwa 200 Meter vom Werk entfernt, wurde am Mittwoch gestreikt. Oben auf der Hebebühne die Funktionäre (von links): Sonja Meister, Andrea Sicker, Mario Bornkessel und Thomas Werner.
Quasi vor Valeo (Bildmitte), aber doch etwa 200 Meter vom Werk entfernt, wurde am Mittwoch gestreikt. Oben auf der Hebebühne die Funktionäre (von links): Sonja Meister, Andrea Sicker, Mario Bornkessel und Thomas Werner.
Foto: Helmut Will
Ebern – Zum dritten Mal gab es vor der Firma in Ebern eine Kundgebung: für ein Zukunftskonzept und für mehr Geld in der Tasche.

Helmut Will

Nach einem "stillen Protest" am 1. März vor dem Werkstor in der Andreas-Humann-Straße sowie einer Kundgebung am 10. März brachten nun am gestrigen Mittwoch zum dritten Mal mit einem Warnstreik die Indus-triegewerkschaft (IG) Metall Bamberg und die Vertreter des Betriebsrates des Unternehmens Valeo in Ebern ihre Sorgen um ihre Arbeitsplätze zum Ausdruck, verbunden mit der Forderung nach einer Lohnerhöhung.

Diesmal wurde als Ort des Protestes der Parkplatz der Firma an der Verteilerspange gegenüber dem Friedhof in Ebern ausgewählt. "Friedhofsstimmung" herrschte allerdings nicht. Im Gegenteil, "flammende Reden" waren zu hören. Es mögen etwa 300 Arbeitnehmer gewesen sein, die ihren Arbeitsplatz drei Stunden vor dem offiziellen Arbeitsschluss verlassen hatten, um, verteilt über den Großparkplatz, lautstark mit den Hupkonzerten ihrer Autos und Trillerpfeifen ihre Sorge um ihren Arbeitsplatz und ihren Unmut über die Arbeitgeber zum Ausdruck zu bringen. Unterstützt wurden sie hierbei von Delegationen aus dem Werk in Fischbach und dem Werk der Spindeltechnologie Weiss in Maroldsweisach.

Von einer Hebebühne aus sprachen Funktionäre zu den Beschäftigten, wobei die Forderungen der IG Metall vorgebracht wurden. Der gemeinsame Tenor der Aussagen: Hände weg vom Tarifvertrag, Arbeitsplatzsicherung sowie vier Prozent Lohnerhöhung.

Thomas Werner, Vertrauenskörperleiter und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Valeo, sagte, dass mit dem dritten Protest ein weiteres Zeichen gesetzt werden soll. Deshalb hole man die Arbeitnehmer dreieinhalb Stunden vor Schichtende von ihren Arbeitsplätzen weg, um mit ihnen den Warnstreik durchzuführen. "Bisher, nach über drei Wochen Warnstreik von fast 200 000 Beteiligten bayernweit, hat sich der Arbeitgeberverband nicht weiter bewegt; deshalb müssen wir den Druck weiter erhöhen", sagte Werner.

Der Arbeitgeberverband wolle nicht sehen, dass die Ideen der IG Metall letztlich der ganzen Branche helfen. Es werde eine Lohnerhöhung von vier Prozent gefordert, und man verlange nachhaltige Zukunftssicherungsverträge und Perspektiven zur Standorterhaltung, erklärte der Betriebsrat.

Andrea Sicker, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg, freute sich, als die Beschäftigten am Ort des Streiks eintrafen. "Danke, dass Ihr gekommen seid, bleibt eine halbe Stunde hier und kämpft mit uns gemeinsam für den Erhalt Euerer Arbeitsplatze, für Eure Zukunft am Standort Ebern", rief die Funktionärin den Leuten zu.

Kaum Bewegung

In Bayern habe man vier Verhandlungstermine mit der Arbeitgeberseite hinter sich, wobei kaum Bewegung auf der Arbeitgeberseite zu erkennen sei. "Un-sere Beschäftigten sind sauer und erwarten endlich mal ein faires Angebot, und heute wollen wir bei FTE-Valeo ein Zeichen für unsere Tarifforderungen setzten, gegen das, was von Arbeitgeberseite auf dem Tisch liegt, nämlich eine Nullrunde in 2020/21, und auch 2022 soll es nicht viel geben, im Gegenteil, die Arbeitgeber wollen Verschlechterungen unter anderem beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld."

Weiter wird die Gestaltung der Transformationsprozesse über einen Zukunftstarifvertrag gefordert, was gerade bei Valeo in Ebern eine wichtige Forderung ist. "Es fehlt hier an Investitionen, Produktinnovationen und an Qualifizierung. Streichkonzerte und Personalabbau wollen wir nicht", sagte Andrea Sicker. Eine Reaktion von Valeo in Ebern gebe es darauf noch nicht, aber: "Ich möchte an der Stelle die Arbeitgeber hier vor Ort bitten, entsprechend auf den Verband einzuwirken, dass wir eine schnelle und gute Lösung hinbekommen, wobei gut vor Schnelligkeit geht, sonst werden wir nichts abschließen, wir haben einen langen Atem", so die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg.

Dass sich um die 300 Personen eingefunden hatten, zeigte, dass sich die Arbeitnehmer mit den Forderungen der IG Metall solidarisieren. Ein Insider, der nicht genannt werden möchte, beschrieb: "Vom Arbeitgeber wird intern Druck aufgebaut, und es fällt sicher nicht jedem leicht, seinen Arbeitsplatz für diesen Streik heute frühzeitig zu verlassen. Aber ich denke, meine Kolleginnen und Kollegen haben es begriffen, dass sie sich wehren und um ihren Arbeitsplatz kämpfen müssen."

Produkte gefordert

Begeistert zeigte sich Betriebsratsvorsitzende Sonja Meister über die Teilnahme ihrer Kollegen. In der Fertigung habe man aktuell gut zu tun, und sogar Samstagsarbeit sei in einigen Bereichen notwendig. "Es fehlt an neuen Produkten, die in Zukunft hier am Standort gefertigt werden können und womit ein Geld verdient werden kann. Das merken wir aktuell zum Beispiel in der Entwicklung und weiteren Zentralfunktionen, wo Kurzarbeit ansteht und Stellenabbau die Ängste von Euch schüren", so die Betriebsratsvorsitzende.

Stellenabbau wäre nur begrenzt sinnvoll, meint sie, weil ein Unternehmen ohne Facharbeiter und Spezialisten nicht bestehen könne.

Der Standort Ebern brauche für die Zukunft ein Konzept. Das alles werde beim Management angesprochen, auch um zweigleisig zu fahren. "Schließlich können wir in Ebern auch Medizintechnik", so Sonja Meister.

Sicherung der Aus- und Weiterbildung und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen forderte Meister. Auch die Auszubildenden müssten übernommen werden, sagte sie.

Für diese sprach Mario Bornkessel, Vertreter für Jugend und Auszubildende. Alles könne nur funktionieren mit einer guten und soliden Ausbildung. "Hört auf, der jungen Generation Steine in den Weg zu legen", rief er. Der Warnstreik wurde am gestrigen Mittwoch für die Spätschicht um 18 Uhr und für die Nachtschicht am Donnerstagmorgen um 2 Uhr wiederholt.