Zahn der Zeit nagt an der Kirche
Die Bonifatiuskirche in Unfinden wurde im Rahmen einer Masterarbeit grundlegend auf Schäden untersucht.
Die Bonifatiuskirche in Unfinden wurde im Rahmen einer Masterarbeit grundlegend auf Schäden untersucht.
Foto: Gerold Snater
Unfinden – Untersuchung  Das Gotteshaus in Unfinden weist zahlreiche Schäden auf. Expertin aus Bamberg schaute ganz genau hin.

Schön sieht sie aus, die Bonifatiuskirche in Unfinden. Doch beim genauen Hinsehen muss man feststellen, dass das Gotteshaus im Königsberger Stadtteil in die Jahre gekommen ist und Schäden aufweist, die in nicht allzu ferner Zukunft beseitigt werden sollten.

Exakte Darstellung

Ganz genau unter die Lupe hat diese Schäden Katharina Hartl aus Bamberg in ihrer Masterarbeit zur „Schadenskartierung und Ursachenforschung an der Bonifatiuskirche in Unfinden“ genommen. Sie hat in München und Heidelberg Geschichte (im Bachelor) und Mittelalterstudien studiert. Im Anschluss hatte sie die Möglichkeit, an dem Projekt mitzuarbeiten und eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands, Sankt Johannis in Mainz, zu erforschen. In diesem Jahr schloss sie in Bamberg den Master Denkmalpflege/Heritage Conservation ab und blieb in ihrer Masterarbeit dem Schwerpunktthema Kirchen treu. Im Zentrum dieser Masterarbeit stand im Studiengang Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg die spätgotische Bonifatiuskirche in Unfinden.

Hierzu wurden im Bearbeitungszeitraum vom April 2020 bis April 2021 der Be- und Zustand des Gebäudes sowie Schadensbilder im Dach, am Boden, an Wänden, Fenstern sowie Ausstattungsobjekten dokumentiert, analysiert und in den Zusammenhang von Bauwerk und Umwelt gestellt. Ziel war dabei, eventuell vorhandene Schäden mittels verschiedener Methoden aus dem Bereich der Restaurierungswissenschaften zu erfassen und zu analysieren. So wurden an verschiedenen Stellen des Gotteshauses – innen und außen – Risse und Verformungen festgestellt. Hartl entdeckte und dokumentierte zudem Ablösungen von zahlreichen dünnen Materialschichten bei Putz, Stein und Holzanstrichen sowie Formen des Materialverlustes.

„Biologische Besiedlung“

So haben sich Aushöhlungen auf Steinoberflächen gebildet, die miteinander in Verbindung stehen könnten. Weiterhin sind Verfärbungen und Ablagerungen augenscheinlich. Ebenso eine Verschmutzung durch die Ablagerung einer sehr dünnen Schicht von Fremdpartikeln, zum Beispiel Ruß, die mancher Oberfläche ein schmutziges Aussehen verleihen, wie sie in ihrer Arbeit schreibt.

Unter dem Oberbegriff „Biologische Besiedlung“ fasst sie die Inanspruchnahme der Kirche durch Tiere wie Vögel, Insekten und Nagetiere, aber auch die Ablagerung von Algen, Flechten und Moosen zusammen. Sie wurden von ihr in verschiedener Ausprägung an verschiedenen Stellen des Gotteshauses gefunden. Der Schimmel hat sich auch an unterschiedlichen Stellen in der Kirche ausgebreitet. Über ihn schreibt Frau Hartl: „Mikroskopische, Kolonien bildende Pilze, die bei bloßem Auge wie ein flaumiger Film oder wie ein Netzwerk oder wie sternenförmige, Millimeter große Flecken, bestehend aus Fäden verschiedener Farbe (weiß, grau, schwarz), aussehen.“

Zur Aufdeckung dieser Erscheinungen wurden die Bonifatiuskirche und ihre unmittelbare Umgebung mit Hilfe 3D-bildgebender Verfahren erfasst und auf der Datengrundlage eine Schadenskartierung erstellt. Diese wurde nach verschiedenen Materialgruppen wie Stein, Holz, Glas, Malereien, Mörtel und Putze aufgeschlüsselt.

Raumklima

Zusätzlich wurde mittels Datenlogger, einer prozessorgesteuerten Speichereinheit, welche Daten in einem bestimmten Rhythmus über eine Schnittstelle aufnimmt und auf einem Speichermedium ablegt, an unterschiedlichen Standorten in der Kirche das Raumklima über zehn Monate hinweg dokumentiert und anschließend ausgewertet. An die Erfassung, Kartierung und Klimamessung schloss sich dann eine Analyse der Ursachen dieser Schäden an.

Nach einer ersten Begehung war zu erwarten, dass die Ursachen der auftretenden Schadensphänomene in aufsteigenden Salzen oder einem ungünstigen Raumklima sowie gegebenenfalls Schädlingen und nicht zuletzt durch von den Menschen verursachten Einflüssen zu suchen sind.

Im Zusammenhang mit den Untersuchungen durch Katharina Hartl wurden auch die Restaurierungs- und Veränderungsgeschichte sowie mögliche Auswirkungen erfolgter Maßnahmen auf den heutigen Zustand der Kirche betrachtet.

Das Ergebnis ihrer informativen und tiefgründigen Untersuchungen übergab Katharina Hartl, die derzeit als Denkmalpflegerin in einem Büro für Archäologie und freiberuflich als Bauvermesserin und Historikerin tätig ist, Pfarrer Peter Hohlweg. Er zeigte sich sehr interessiert und will, wie er unterstrich, über weitere Schritte nachdenken.