„Das ist echte ,Sterbehilfe‘“
Auf der Palliativstation an der Uniklinik in Erlangen werden jährlich etwa 400 Patienten behandelt und betreut.
Auf der Palliativstation an der Uniklinik in Erlangen werden jährlich etwa 400 Patienten behandelt und betreut.
Foto: Symbolbild/Thinkstock
Erlangen – Mit einer eigenen Station versucht der Fachbereich an der Uniklinik in Erlangen, die verbleibende Lebenszeit unheilbar kranker Patienten so lebenswert wie möglich zu gestalten.

Mit der Diagnose „unheilbar krank“ gehen viele Fragen einher. Wie wird die Krankheit verlaufen? Wie sage ich es meinen Angehörigen? Wie soll die Versorgung erfolgen? Ist alles geregelt? Manchen Patienten liegt noch etwas auf der Seele: ein Familiengeheimnis oder verpasste Lebenschancen.

Mit einer eigenen Station, einer Ambulanz, mit Lehre und Forschung widmet sich der Fachbereich Palliativmedizin unter der Leitung von Prof. Christoph Ostgathe an der Uniklinik in Erlangen der Aufgabe, die verbleibende Lebenszeit von Patienten mit einer fortschreitenden unheilbaren Krankheit im ganzheitlichen Sinne so lebenswert wie möglich zu gestalten.

„Palliativmedizin ist echte ,Sterbehilfe‘“, sagt Ostgathe, „nicht Hilfe zum Sterben, sondern Hilfe beim Sterben.“ Dazu gehört die Behandlung körperlicher Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Erschöpfung, aber auch seelischer Nöte, etwa durch das Anstoßen von klärenden Gesprächen. Auch bei Fragen rund um Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht wird beraten. Auf der Station werden jährlich etwa 400 Patienten behandelt, rund 70 Prozent davon leiden an Tumorerkrankungen.

Bürgerforum mit zwei Vorträgen

Am Freitag, 23. April, laden die Bereiche Onkologie und Palliativmedizin der Uniklinik Erlangen zu einem Internet-Bürgerforum mit zwei Vorträgen ein.

Prof. Steffen Eychmüller, leitender Arzt im Palliativzentrum des Universitätsspitals Bern, beleuchtet in seinem Vortrag die Einbindung von Städten und Gemeinden: „Das Lebensende als Gemeinschaftsaufgabe – compassionate cities“.

Den Blick auf die Berufstätigkeit der Angehörigen und die Auswirkungen der Erkrankung darauf beleuchtet Diplom-Soziologin Anneke Ullrich vom Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf in ihrem Vortrag „Schwerkranke begleiten: Welche Herausforderungen gibt es für Angehörige und ihre Berufstätigkeit?“. Im Chat können Fragen gestellt werden.

Im Forschungsbeirat mitwirken

Interessierte Bürger können darüber hinaus im Forschungsbeirat der Palliativmedizin aktiv werden. Dieser wurde 2018 gegründet, um bei Forschungsbelangen die Perspektive von Bürgern, Angehörigen und Patienten zu berücksichtigen. Beiratsmitglieder beraten bei Fragestellungen in der Forschung, wie die berührungslose Kontrolle von Vitalparametern und der Kampf gegen multiresistente Keime, oder übernehmen praktische Aufgaben wie die Durchsicht von Unterlagen auf Verständlichkeit für die Allgemeinheit oder das Führen von Interviews. Interessierte können sich an die Leiterin der Forschungsstelle (E-Mail maria.heckel@uk-erlangen.de) wenden. Die Treffen finden zurzeit virtuell statt.

Die Teilnahme am Bürgerforum „Schwerkranke begleiten“ am Freitag, 23. April, von 17 bis 19 Uhr ist über den Einwahllink www.uker.de/ccc-buergerforum möglich (siehe auch www.palliativmedizin.uk-erlangen.de/aktuelles).