Eine Wallfahrt mit Rauferei
Zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus: Die Herzogenauracher pilgern wieder nach Dettelbach.
Zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus: Die Herzogenauracher pilgern wieder nach Dettelbach.
Foto: Fischer
Herzogenaurach – Kirche Seit 1738 pilgern die Christen aus Herzogenaurach nach Dettelbach. Der Bittgang hat spannende Hintergründe.

Wenn am kommenden Freitag gegen 4 Uhr in der Früh die Kirchenglocken der katholischen Pfarrei St. Magdalena die Herzogenauracher wecken, so ist dies kein falscher Alarm, sondern es handelt sich um den Weckruf für rund 50 gläubige Christen, die zur Fußwallfahrt nach Dettelbach am Main aufbrechen, um ein altes Gelübde der hiesigen Katholiken einzulösen. Darauf weisen die Wallfahrtsleiter Thomas Kotzer und Helmut Fischer in einer Pressemitteilung hin.

Alles begann 1504

Die Aktion hat spannende Hintergründe: Von einer Rauferei zu einem Wallfahrtsort und was hat das alles mit Herzogenaurach zu tun? Es geht um die Wallfahrt nach Dettelbach zu „Maria im Sand“ oder „Maria im Weinberg“, die von den Herzogenauracher Christen schon seit 1738 begangen wird. Was hat das aber mit einer Rauferei zu tun? Im Jahre 1504 war Kirchweih in Dettelbach, vom Wein erhitzt kommt es am Nachmittag zu einer Schlägerei, bei welcher Nikolas Lemmerer schwer verletzt wurde. Er wurde so schlimm zugerichtet, dass er ein ganzes Jahr das Bett hüten musste und es kaum Hoffnung auf Genesung gab.

Gott erbarmte sich

Doch der allmächtige Gott erbarmte sich seiner und heilte ihn. Nach seiner Heilung pilgerte er zu einem Bildstock mit einer spätgotischen Pietà, der in der Nähe der Stadt Dettelbach zwischen den Weinbergen stand und setzte somit den Anfang der Wallfahrt zu „Maria im Sand“. Bald schon begingen immer mehr Menschen die Wallfahrt zur Pietà, so dass bald schon eine Bretterhütte über den Bildstock errichtet wurde und bald darauf eine Kapelle.

1613 geweiht

Fürstbischof Julius Echter ließ dann knapp ein Jahrhundert später die Kapelle durch ein Haupt- und zwei Querschiffe erweitern. Die Kirche wurde schließlich 1613 eingeweiht. Seit nun bald 284 Jahren pilgern die Herzogenauracher Christen schon nach Dettelbach, ursprünglich aus „Not wegen leidiger Ungewitter viele Jahre lang“. Aus dem ursprünglich vier Tage andauerndem Fußmarsch, ist die Wallfahrt nun auf eine drei Tage dauernde Fußwallfahrt, eine zweitägige Fuß- und Buswallfahrt oder eben die reine Buswallfahrt verkürzt worden.

Seit 2001 gibt es auch eine neue Art der Wallfahrt, die vor allem die jugendlichen Christen sehr anspricht: die Fahrradwallfahrt.

Wunderschöne Basilika

Die Kirche, längst zu einer wunderschönen Basilika ausgebaut, ist seit vielen Jahren das Ziel der Wallfahrer. Auch während der beiden Weltkriege war es das Ziel Herzogenauracher Wallfahrer, die stets der Überzeugung waren, Maria hilft oder habe ihnen geholfen. „Das Besondere an der Wallfahrt nach Dettelbach ist, dass die verschiedenen Gruppen alle am Samstag gemeinsam zur selben Zeit in Dettelbach ankommen und zusammen in die Wallfahrtskirche einziehen“, berichten Kotzer und Fischer. Der Tag klingt mit einer feierlichen Lichterprozession und einem gemütlichen Beisammensein aus. Am Sonntag ist dann um 9 Uhr der feierliche Gottesdienst mit Stadtpfarrer Helmut Hetzel, „wobei die gesamte Kirche fest in Herzogenauracher Hand ist“, heißt es.

Nach dem Schlusssegen machen sich die einzelnen Gruppen dann wieder zurück in die Heimat nach Herzogenaurach. red