Gnadenhochzeit
Erfahrung aus 70 Jahren Ehe: „Keiner soll mit dem Kopf durch die Wand“
Tochter Rosi ist mit den anderen Geschwistern immer für die Eltern da, die seit 70 Jahren verheiratet sind.
Tochter Rosi ist mit den anderen Geschwistern immer für die Eltern da, die seit 70 Jahren verheiratet sind.
Foto: Johanna Blum
Röttenbach

Es ist eine große Gnade, wenn ein Ehepaar in guter geistiger und körperlicher Verfassung seinen 70. Hochzeitstag begehen kann. Dieser Tage feierten Gustav und Marie Felgenhauer (geborene Batz) in Röttenbach ihre Gnadenhochzeit. Neben den Nachbarn und Freunden kamen Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) und Dritter Bürgermeister Hans Götz (FW) zum Gratulieren. Das Jubelpaar hat fünf Kinder, acht Enkel und drei Urenkel.

Am 31. Juli 1928 erblickte der Jubelbräutigam in Reichenberg im Sudetenland das Licht der Welt. Im Nachbarort Altpaulsdorf lebte er mit seinen Eltern und einer Schwester und ging dort zur Schule. Anschließend lernte er als Lebensmittelkaufmann. Mit 16 Jahren musste er 1944 seine Heimat verlassen und wurde zur Flak eingeteilt.

Mittlerweile mussten auch seine Eltern die Heimat verlassen. Nach dem Krieg kam Gustav Felgenhauer nach Bamberg und 1947 für kurze Zeit nach Röttenbach, wo er in der Landwirtschaft arbeitete. Ein Jahr lang hatte er seine Eltern gesucht und endlich in Mecklenburg in Grabow gefunden, wo er auch hinzog. „Verwandte wussten, wo die Eltern stecken“, erzählt der Jubilar.

Ehefrau Marie Felgenhauer wurde am 21. Oktober 1930 in Hemhofen geboren. „Die ersten drei Schuljahre musste ich nach Röttenbach, den Rest der Schule absolvierte ich in Hemhofen und in die katholische Kirche mussten wir nach Röttenbach“, erinnert sie sich. Geld verdiente sie in einer Näherei in Forchheim.

„Eines Tages stand ich vor dem Pfarrhaus in Röttenbach und ratschte mit einer Freundin. Da kam Gustav daher und fragte, ob wir wüssten, wo es Kirschen gibt. Und da war es um beide geschehen“, erzählt sie. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erklären sie beide mit einem Glanz in den Augen.

Von Grabow aus schrieb Gustav an Marie öfter Briefe. „Ich fragte sie vorsichtig, ob sie vielleicht liiert ist“, schildert er. „Und weil sie noch frei war, packte ich meine Sachen und zog 1951 nach Röttenbach.“ Im Februar 1952 läuteten dann die Hochzeitsglocken.

Standesamtlich wurden beide am 15. Februar in Hemhofen von Bürgermeister Fritz Sapper getraut. Ihr kirchliches Jawort gaben sie sich einen Tag später vor Pfarrer Fritz Friedrich in Röttenbach, wo sie ins Elternhaus von Marie zogen. Gustav Felgenhauer arbeitete in Erlangen als Kunststoffspritzer.

Warum eine Ehe so lange hält, ist nach den Angaben des Jubelpaars einfach erklärt: „Keiner soll mit dem Kopf durch die Wand gehen und man muss sich gegenseitig tolerieren – und nach einem Streit sollte man sich gleich wieder versöhnen“, erklärt der Jubilar. Nach einem Rezept gefragt, wie man lange lebt, sagt Ehefrau Marie: „Jeden Mittag ein Achtel Rotwein und jeden Abend eine halbe Flasche Bier tun gut – und sich viel bewegen.“

Tochter Rosi ergänzt: „So lange wie möglich selbstständig bleiben; wenn es geht, in den eigenen vier Wänden leben und sich nicht bedienen lassen. Das hält körperlich und geistig fit! Außerdem tun viele Kontakte gut genauso wie gesundes Essen.“ Mit ihrer Gesundheit sind beide zufrieden.

Hobbys? „Wir fuhren gerne in Urlaub, sobald das Geld gepasst hat. Die Heimat erkundeten wir noch bis vor zehn Jahren mit dem Fahrrad.“ Bis heute spielen sie jeden Tag Karten.