Herzogenaurach
Es ging auch um das Geld
Blick auf den Lichtmessmarkt in Erlangen
Blick auf den Lichtmessmarkt in Erlangen
Foto: Manfred Welker/Archiv

Manfred Welker

Das Fest „Mariae Lichtmess“ kann in dieser Woche begangen werden. Mit diesem Termin war schon immer viel Tradition verbunden.

Die Kirche erinnert mit Lichtmess an die Darstellung Jesu am 40. Tag nach seiner Geburt im Tempel zu Jerusalem. Im Westen mehr als Marienfest – Mariae Reinigung – interpretiert, wird seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil mehr Gewicht auf den Charakter als Herrenfest – Darstellung des Herrn – gelegt.

Der Evangelist Lukas beschrieb das Geschehen im Tempel zu Jerusalem, in den sich Maria und Josef zur vorgeschriebenen Reinigung begeben hatten. Dort trafen sie auf Simeon, der in Jesus das Heil der Welt und „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“, erkannte. Diese Lichtsymbolik des Simeon ist eng mit dem Brauch der Kerzenweihe und Lichterprozession verknüpft, denn an diesem Tag wurde der gesamte Jahresbedarf an Kerzen einer Kirche feierlich geweiht.

Neben den Altarkerzen erhielten auch alle von den Gläubigen mitgebrachten Kerzen und Wachsstöcke den kirchlichen Segen. Diesen Lichtmesskerzen wurde eine besonders große Wirkkraft für Haus und Hof, Mensch und Vieh nachgesagt. Man zündete diese bei Totenmessen und bei den Rorate-Ämtern im Advent an.

Der Herzogenauracher Heimatforscher Luitpold Maier fand heraus, dass die Kirchenverwaltung noch in der Barockzeit sogenannte Lichtmesskerzen austeilte, und zwar an den Herzogenauracher Bürgermeister sowie die Bürgermeister der eingepfarrten Ortschaften, an die Gemeindediener, Kirchenpfleger, Musikanten und Sänger, die für die musikalische Umrahmung des Lichtmessfestes sorgten. Die Umbrüche zu Beginn des 19. Jahrhunderts machten dem Brauch ein Ende.

Im Jahr 1815 wurde dem Kirchner Dickas die Abgabe der Kerzen untersagt, mit der Begründung, dass mehrere dieser Kerzen der Kirche zum Bedürfnis des Gotteshauses nach Erhalt wieder geopfert würden. Ferner gab es Guttäter, die an besonderen Festen sechs bis acht Kerzen zum Schmuck eines Altars spendeten. Hier war zu befürchten, dass solche davon abgehalten würden. Auch heute noch werden an Lichtmess die Altarkerzen gesegnet.

Lichtmess, das bis 1912 ein staatlich geschützter Feiertag war, brachte im bäuerlichen Leben den Dienstboten ihren Lohn, und es war ein Zahltag für den Zinsempfänger, der Geld ausgeliehen hatte. Außerdem traten neu gedungene Knechte und Mägde ihren Dienst an, andere blieben und hatten zumindest einige Tage frei.

Ein Grund für diese Terminwahl ist sicherlich darin zu suchen, dass die Dienstboten, die den Sommer über die schwere Arbeit verrichtet hatten, auch die ruhigere Winterszeit auf diesem Hof mitbekommen sollten. Wollte ein Bauer einen Dienstboten weiter bei sich halten, so klärte er es schon vorher mit ihm ab. Beabsichtigte ein Dienstbote zu gehen, so genügte es, dies acht Tage vor Lichtmess den Bauern wissen zu lassen.

An Lichtmess war also viel Geld im Umlauf, es gab zahlreiche Märkte. Auch heute noch wird ein spezieller Lichtmessmarkt in Erlangen abgehalten. Nicht vergessen werden dürfen auch die Geflügel-, Tauben- und Kleintiermärkte in der Region, so in Ansbach, Forchheim und Rezelsdorf, genauso wie der bekannte Rossmarkt in Berching.

Die Wirtin des Wirtshauses „Zum Hirschen“ in Frauenaurach hatte am Neujahrstag des Jahres 1784 mit den Herzogenauracher Stadtmusikanten Johann Stieber, Franz Simon und Franz Biermann verhandelt. Sie sollten bei ihr am Lichtmesstag in der Wirtsstube aufspielen. Denn die Wirte machten an diesem Termin ihr Geschäft wie an einer Kirchweih. Es wurde getanzt und gesungen, es gab ausreichend zu essen und zu trinken. Daher benötigte die Wirtin in Frauenaurach die Musikanten, die versprachen, nach Frauenaurach zu kommen. Die Zeit kam näher, und die nötigen Vorbereitungen zur Verköstigung der Gäste waren mit verschiedenen Essen getroffen.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkte plötzlich die Absage der Musikanten am vorletzten Tag des Januars. Am nächsten Vormittag begab sich die Wirtin sofort in das Herzogenauracher Gericht und bat um Amtshilfe, da ihr durch die Absage ein empfindlicher Schaden entstanden sei. Jedoch geben die Gerichtsakten keine Auskunft darüber, wie die Sache ausging. Aus Frauenaurach dürfte aber in den kommenden Jahren keine Anfrage mehr an Herzogenauracher Musiker gekommen sein.

Der Lichtmesstermin vermittelt eine erste Vorahnung auf den nahenden Frühling. Ein bekannter Spruch lautet: Lichtmess, grüß’ dich von Herzensgrund, schenkst dem Tag eine ganze Stund’!