IHK
Handeln mit Augenmaß und Diplomatie
LKR Erlangen-Höchstadt

„Systemischer Rivale“ oder „strategischer Handlungspartner“? Wenn es um China geht, gehen die Einschätzungen und Meinungen weit auseinander. Davon beeinflusst werden auch die Geschäftsbeziehungen deutscher Unternehmen mit dem fernöstlichen Land und schließlich auch die deutsche Wirtschaft. Direkt betroffen sind auch die 6000 Firmen, die in China mit 750.000 Menschen tätig sind. Auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erlangen und Herzogenaurach-Höchstadt referierte Heinrich von Pierer, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, zum Thema „sanfte Landung? Die deutsche Wirtschaft in China“.

Dabei führte er unter anderem aus, wie internationale Handelsbeziehungen aufgebaut sind und wie sie im Geschäftsalltag ablaufen. Anhand von Beispielen aus seinem Arbeitsleben zeigte er Stolperfallen auf, die zu Belastungen bei Vertragsgesprächen oder gar zu Abbrüchen von Geschäftsbeziehungen führen können.

Als großen Kenner der chinesischen Wirtschaft und Kultur hatte Michael Thiem, Vorsitzender des IHK-Gremiums Herzogenaurach-Höchstadt, den ehemaligen Siemenschef in seiner Moderation angekündigt, denn schließlich unterhielt dieser nicht nur viele Geschäftsbeziehungen nach China, sondern generierte auch Großaufträge für die deutsche Wirtschaft. Über viele Jahre hinweg begleitete von Pierer mehrere Wirtschaftsdelegationen und beriet Kanzler und Minister bei geschäftspolitischen Ausrichtungen mit asiatischen Ländern.

„Obwohl ich über 50-mal China besucht habe, fühle ich mich immer noch nicht als China-Experte. Denn ein Land mit 5000-jähriger Geschichte kann nicht auf die momentanen gesellschaftspolitischen Verhältnisse reduziert und dadurch interpretiert oder gar identifiziert werden.“

Verhältnis zu China

Durch die weltpolitischen Veränderungen infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine stelle sich für Deutschland die Frage, inwieweit es bei der Warenbeschaffung, besonders bei der Energieversorgung, in „Abhängigkeiten geraten ist oder in Zukunft noch geraten kann“, so von Pierer. Dass ein Strategiewechsel nicht so ohne weiteres möglich sei, erläuterte von Pierer unter anderem anhand der Abhängigkeiten der deutschen Industrie von Rohstoffen und Bodenschätzen, die aus China im großen Umfang bezogen werden. Sein Plädoyer lautete deshalb, „dass wir mit Augenmaß und Diplomatie wirtschaftspolitisch im engen Austausch mit China bleiben, gesellschaftspolitisch aber auch auf Menschenrechtsverletzungen und auf die ökologischen Probleme wie den hohen CO2- Ausstoß hinweisen sollten, ohne dabei im Unterton ethisch, sozial oder ökologisch besserwisserisch klingen zu wollen.“ red