Seelsorge
Höchstadter Kirche bringt die Gottesdienste zu den Gläubigen
Wie am vergangenen Wochenende auf dem Höchstadter Sonnenstuhl feiern Menschen derzeit sehr gerne Gottesdienste unter freiem Himmel.
Wie am vergangenen Wochenende auf dem Höchstadter Sonnenstuhl feiern Menschen derzeit sehr gerne Gottesdienste unter freiem Himmel.
Foto: Gerhard Wirkner
Höchstadt a. d. Aisch – Obwohl das traditionelle und sehr beliebte Johannisfeuer der St.-Georgs-Pfadfinder auch heuer nicht stattfinden konnte, zog es am vergangenen Wochenen...

Obwohl das traditionelle und sehr beliebte Johannisfeuer der St.-Georgs-Pfadfinder auch heuer nicht stattfinden konnte, zog es am vergangenen Wochenende wieder viele Gottesdienstbesucher auf den Höchstadter Sonnenstuhl. Diese Tatsache drückt ein Verhalten gläubiger Menschen aus, das in der Kirche auch über die Corona-Pandemie hinaus aus seelsorglichen Erwägungen weiter bedacht werden sollte, meint Stadtpfarrer Kilian Kemmer.

In Zeiten, da die Kirche mit einem ungeheuren Glaubwürdigkeitsverlust konfrontiert werde, aus den eigenen vier Wänden in die Öffentlichkeit zu treten und sich nicht wie in ein Ghetto oder in eine Trutzburg zurückzuziehen, zeige Perspektive statt Resignation, so Kemmer anlässlich weiterer Ausbauarbeiten an der Höchstadter Lourdesgrotte.

Evangelische Gäste

Ob Weihnachten oder Silvester auf Höchstadts Marktplatz oder auf dem Sterpersdorfer Kirchplatz, ob die der Pandemie geschuldeten angepassten Sternsingeraktionen in Höchstadt, Gremsdorf und Sterpersdorf, ob die Karwochengottesdienste im Höchstadter Schlosshof oder vor der Sterpersdorfer St.-Vitus-Kirche, ob Fronleichnamsfeiern samt Prozessionen in Höchstadt und Sterpersdorf: Dieses Heraustreten habe viele Menschen unabhängig von Corona angesprochen, die nicht in den Kirchenraum gekommen wären. Selbst evangelische Christen fühlten sich eingeladen, wie die Verantwortlichen zu ihrer Überraschung bemerkten.

Der Abendgottesdienst jeden Sonntag an der Lourdesgrotte entwickelte sich zu einem Besuchermagneten auch im Winter, als es dunkel war und Minustemperaturen herrschten, wie die St.-Georgs-Pfarrei zu berichten weiß. Die unterschiedliche Witterung konnte bislang die Menschen nicht abhalten, unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern. Diese neue seelsorgliche Erfahrung könne nur umgesetzt werden, wenn die Geistlichen sowie Haupt- und Ehrenamtliche die Bereitschaft aufbringen, diese Notwendigkeit zu erkennen. Dies sei mit hohem Aufwand für die Mesner, die Kirchenmusiker und viele Helfer verbunden. Doch die Akzeptanz der Angebote rechtfertige nicht nur deren Einsatz, sondern würdige ihn sogar, meint Stadtpfarrer Kilian Kemmer: „Die Zukunft der Kirche spielt sich eben nicht mehr nur hinter ihren eigenen Mauern ab, sondern in der Nähe der Menschen, an Orten, deren Offenheit und Idylle einladend wirken und ein neues Gefühl von ganzheitlicher Glaubensgemeinschaft vermitteln.“ red