Spenden
Ukrainekrieg: Helfer stehen vor verschiedenen Herausforderungen
Anatolii Roshynets (Zweiter von rechts) und Dennis Dechnik (Mitte) bedanken sich bei Johann Zinner, (Zweiter von links) , Bürgermeister German Hacker (rechts) und Uschi Schmidt.
Anatolii Roshynets (Zweiter von rechts) und Dennis Dechnik (Mitte) bedanken sich bei Johann Zinner, (Zweiter von links) , Bürgermeister German Hacker (rechts) und Uschi Schmidt.
Foto: Richard Sänger
Herzogenaurach

Eigentlich könnten die beiden in Deutschland lebenden Ukrainer Anatolii Roshynets und Dennis Dechnik ihren nächsten Hilfstransport in ihre Heimat auf den Weg schicken: Die Halle im Herzogenauracher Bauhof ist gut gefüllt und mit weiteren Spenden aus Fürth ließe sich wieder ein Sattelzug befüllen. Aber wie Roshynets schon bei der vergangenen Lieferung voraussagte, wird es immer schwieriger, einen Transport, dessen Kosten sich nahezu verfünffachten, zu finanzieren. „Wir sind kein Verein, sondern hier lebende Ukrainerinnen und Ukrainer und auf Spenden angewiesen“, sagt Dechnik. Dabei sind ein Großteil der Hilfsgüter bereits Krankenhäusern, Seniorenheimen und Kindereinrichtungen versprochen.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem: Die Bauhofhalle muss etwa Mitte Oktober geräumt werden und wird für die Fahrzeuge des Winterdienstes gebraucht. Sie müssen zum Teil umgerüstet und hergerichtet werden, erklärt Bauhofbetriebsleiter Johann Zinner.

Ein weiteres Problem

Bürgermeister German Hacker sieht mit möglichen Transporteuren aus Deutschland und einem Transport bis zu Grenze noch ein weiteres Problem: Die Hilfslieferung muss durch den Zoll. Nach Aussage Roshynets’ kann ein Lastwagen schon mal bis zu fünf Tagen an der Grenze warten müssen. „Das wird keine Firma ihren Fahrern zumuten“, befürchtet der Bürgermeister. Deswegen komme nur eine Spedition aus der Ukraine oder Polen infrage, deren Fahrer ortskundig sind und die Gegebenheiten an der Grenze kennen. Außerdem befürchten Roshynets und Dechnik aktuell ein weiteres Problem.

So werden wegen der Teilmobilmachung der Russen mit 300.000 Soldaten die Kampfhandlungen wohl zunehmen und wiederum eine Fluchtwelle auslösen. „Da werden dann wieder Menschen kommen, die bereits in die Ukraine zurückgekehrt waren“, prognostiziert Dechnik.

Die Sorge, dass Geflüchtete in Herzogenaurach obdachlos würden, entkräftete Bürgermeister Hacker. So sei der Wohnungsmarkt in Herzogenaurach zwar leer gefegt, aber der Landkreis bereite derzeit weitere Unterkünfte vor. „Es wird sicher nicht für alle eine Wohnung geben, aber der Landkreis wird jedem eine Unterkunft zur Verfügung stellen können“, versichert der Rathauschef.

Auch die Frage zur Unterbringung von Schul- und Kitakindern beantwortete Hacker: „Die Schulleitungen wissen um das Problem und sind bemüht, ukrainische Kinder in die entsprechenden Klassen zu integrieren.“ Anders sieht es hingegen bei den Kitakindern aus: „Wir haben zwar genügend Räumlichkeiten, aber nicht genügend pädagogisches Personal. Das ist nicht nur bei uns so, sondern ein bayernweites Problem“, betont das Stadtoberhaupt.

Räume gesucht

In diesem Zusammenhang wies Uschi Schmidt von der Flüchtlingsbetreuung darauf hin, dass es ukrainische Frauen in Erlangen-Höchstadt gebe, die bereits in ihrer Heimat Kinder betreut haben, aber im Aufnahmeland keine Räume haben. Dann könne man Kontakt mit den Trägern aufnehmen, ob sie möglicherweise einen Raum zur Verfügung stellen.

Eventuell könne auch das Generationenzentrum einen Raum entbehren, rät Hacker. Aktuell werden Lagerräume, wie etwa Scheunen oder leerstehende Hallen gesucht und natürlich Geldspenden, um die Transporte zu finanzieren.Geldspenden fließen unter dem Kennwort „Franken hilft Ukraine“ auf das Konto mit der IBAN: DE97 7635 0000 00 60 093923. red

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